Ein Fichtenwald zeigt Trockenschäden: Seit dem Sommer 2018 sprechen Forstwirte von einer Zäsur. Foto: dpa

Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) hat sechs Waldregionen bereist, die von Dürreschäden betroffen sind. Er ist erschüttert über die Lage – und stellt Eckpunkte für einen Notfallplan vor.

Karlsdorf-Neuthard - Durch den Hardtwald, mit 16 000 Hektar einer der großen Wälder im Kreis Karlsruhe, führt bei Karlsdorf-Neuthard eine beliebte Joggingstrecke. Allerdings nicht mehr durch dunklen Tann, sondern lichten Forst. Es gibt sterbende Kiefern, deren Rinde abplatzt, und 30 Meter hohe Buchen mit spärlichen Kronen, Totholz am Boden, ein riesiger Ast hängt quer über der Laufstrecke. Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU), der früher selbst ein Forstamt geleitet hat, ist mit einer Gruppe von Forstexperten da, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Es ist der sechste „Hotspot“, den er in den vergangenen zwei Wochen in Baden-Württemberg besucht hat.

Martin Moosmayer, der Leiter des Forstamts Karlsruhe, deutet auf Buchen, deren Triebe sich rot färben von einem Trockenheit liebenden Pilz, dem Diplodia. „Das Dürrejahr 2018 war eine Zäsur. Die Schäden haben sich so beschleunigt, das hat sich keiner von uns vorstellen können.“ Nach der Dürre des vergangenen Jahres haben die Forstleute 100 000 Festmeter Holz notgedrungen fällen müssen, in normalen Jahren zuvor waren es jährlich um die 40 000 Festmeter.

Das Vermodern von Totholz bringt Treibhausgase

Die Forstverwaltung will Totholz nicht am Boden verrotten lassen, denn dann würden durch das Vermodern Treibhausgase entstehen und neuer Käferbefall drohen. Das Schlagen des Holzes und seine Verarbeitung sei ökologisch sinnvoller. In Holzprodukten könne Kohlendioxid sehr lange gespeichert werden.

Im Hardtwald sind früher die hier nicht heimischen Kiefern gesetzt worden, die im Verein mit Buchen einen produktiven Mischwald bilden sollten, der sich selbst verjüngt. Heute sehen die Forstleute, dass diese Kalkulation nicht mehr aufgeht. Der Wald stirbt. Schon gelten 400 Hektar des Hardtwalds als Kahlfläche, das sind 2,5 Prozent. Da muss aufgeforstet werden. „Es stellt sich die Frage des Walderhalts“, sagt Moosmayer. Aber für 150 Hektar mit jungen Eichen brauche er sieben Millionen Euro: „Das Geld habe ich gar nicht.“ Den Wald sich selbst zu überlassen, gehe auf gar keinen Fall, sagen die Forstleute: „Da haben Sie hier bald eine Macchia, ein Buschland mit wenig klimatischem und ökologischem Nutzen“, sagt Moosmayer. Die niedrig wachsende aus den USA stammende Spätblühende Traubenkirsche und Brombeergestrüpp werde sich durchsetzen, hohe Bäume verschwinden. Die Forstwirte wollen trockenresistente Traubeneichen, Hainbuchen oder Elsbeeren pflanzen. Sollte man auch die Libanonzeder setzen? Die Debatte läuft.

Ein Notfallplan soll her – bis zu 40 Millionen Euro teuer

Agrarminister Hauk jedenfalls will mit einem Notfallplan den Wald retten, bis zu 40 Millionen Euro müssten dafür Bund und Land – jeder die Hälfte – bereitstellen. Wenn das Wetterjahr 2020 nicht nasser werde, müsse vielleicht sogar im Nachtragsetat nachgelegt werden.

Von den 200 000 privaten Waldbesitzern im Land fehle vielen Personal und Maschinen, um die Schäden zu beseitigen, ihnen soll geholfen werden. Zweiter Schwerpunkt im Notfallplan sei die Wiederbewaldung. „Wir werden unsere uralte deutsche Eiche wieder hervorkramen“, sagt Hauk. Die aufkommende Debatte über das Stilllegen von Waldflächen und „wilde Wälder“, wie sie Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) angestoßen hat, hält Hauk für verfehlt: „In dieser Lage brauchen wir keine Nationalparks, keine Bannwälder, keine wilden Wälder. Das bringt nichts fürs Klima. Wir brauchen bewirtschaftete Wälder, um das CO2 in langlebigen Holzprodukten zu speichern.“

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