Das Bündnis „Stuttgart gegen Rechts“ hatte zu einer Kundgebung und Demonstration gegen die AfD aufgerufen. Rund 70 Teilnehmer kamen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Nach der Demonstration vor dem Bürgerhaus in Rot und dem Angriff auf AfD-Stadtrat Eberhard Brett folgt der verbale Schlagabtausch. Stadtdekan Christian Hermes spricht von einer Hetzkampagne der AfD gegen die Caritas.

Stuttgart-Rot - AfD-Stadtrat Eberhard Brett geht es wieder gut – zumindest körperlich, wie Parteikollege Bernd Klingler sagt. Vor einigen Tagen hat Brett auf dem Weg zum Bürgerhaus Rot einen Schlag abbekommen. Im Krankenhaus hat man eine Kopfprellung festgestellt. Die Polizei hat noch am selben Tag einen 18 Jahre alten Tatverdächtigen vorläufig festgenommen. Die Ermittlungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Es wird vermutet, dass der Täter dem linken Spektrum zuzuordnen ist.

Das Bündnis „Stuttgart gegen Rechts“ hatte aufgrund der Wahlkampf-Auftaktveranstaltung der AfD im Bürgerhaus zu einer Kundgebung aufgerufen. Das Motto: Keine Plattform für rechte Hetze. Laut Polizei waren rund 70 Leute gekommen – darunter auch Mitglieder der „Antifaschistische Aktion (Aufbau) Stuttgart“ (Antifa), die ebenfalls Teil des Bündnisses „Stuttgart gegen Rechts“ sind wie auch beispielsweise der Arbeitskreis Asyl, die Grüne Jugend, die Jusos, Die Linke oder die Gewerkschaft Verdi. „Wir hatten im Vorfeld Hinweise darauf, dass von Seiten der Antifa zu einer gewaltsamen Demonstration aufgerufen wird“, sagt Bernd Klingler. „Wenn friedlich demonstriert wird, habe ich damit überhaupt kein Problem.“ Und die meisten der Teilnehmer seien ja auch friedlich gewesen. „Aber es war schon ein seltsamer Vorgang, dass die Demonstration stattgefunden hat.“ Klingler habe nämlich von der Stadt oder der Polizei gesagt bekommen, dass die Kundgebung gar nicht genehmigt werde. Angemeldet war sie auf der Auricher Straße. Und das ginge aus Sicherheitsgründen nicht. Doch dann habe die Caritas einfach sechs ihrer Parkplätze des benachbarten Alten- und Pflegeheims Adam Müller-Guttenbrunn zur Verfügung gestellt.

Das Amt für öffentliche Ordnung widerspricht der AfD

Die Antifa hätte ohne die Caritas nie die Möglichkeit zum legalen Protest gehabt, behauptet auch der AfD-Bundestagskandidat Dirk Spaniel. „Das Überlassen des eigenen Parkplatzes durch die Führung der Caritas an eine demokratiefeindliche, gewaltbereite, vom Verfassungsschutz beobachtete Gruppierung ermöglichte erst diese Demonstration.“ Dem widerspricht Stefan Praegert vom Amt für öffentliche Ordnung vehement: „Wir wollten die Verkehrsbehinderungen so gering wie möglich halten und haben deshalb bei der Caritas angefragt, ob wir den Parkplatz nutzen dürfen. Die Kundgebung hätte auf jeden Fall stattgefunden. Die Caritas trifft keine Schuld.“ Klingler bleibt dabei: „Ich bin dennoch weiterhin der Meinung, dass die Caritas gewaltbereiten Demonstranten keinen Raum geben darf.“

Zehn Fakten zur AfD:

Die Caritas distanziert sich klar von diesen Anschuldigungen: „Auf Nachfrage bei der Stadt, wer hinter der Veranstaltung stehe, wurde uns mitgeteilt, dass darüber auch bei der Stadt keine Informationen vorlägen. Wir hatten außer von Herrn Klingler keine Information darüber, dass gewaltbereite Linksextremisten zu erwarten wären – diesen Hinweis haben wir von der Stadt Stuttgart und der Polizei nicht bestätigt bekommen. Deren Aussage lautete, die Polizei ist vor Ort und Ausschreitungen seien nicht zu erwarten.“ Es sei deshalb für die Caritas nicht in Frage gekommen, eine abgesicherte und genehmigte Demonstration zu verhindern. „Wir leben Gott sei Dank in einem Rechtsstaat. Wir halten es für legitim, gegen die AfD zu demonstrieren“, so Uwe Hardt, Caritasdirektor im Caritasverband Stuttgart – vor allem nachdem von einer friedlichen Demonstration auszugehen war. „Die AfD Stuttgart überzieht die Caritas und die Katholische Kirche mit einer beispiellosen und billigen Hetzkampagne“, ist sich Stadtdekan und Vorsitzender des Caritasrates, Christian Hermes, sicher. Die AfD behaupte, dass die Caritas gewaltsame Übergriffe begünstige oder toleriere. Diese Verleumdung verurteile er aufs Schärfste.

Die Caritas verurteilt die Übergriffe

Ebenso würden er und die Caritas selbstverständlich aber auch die inakzeptablen Übergriffe von Linksradikalen auf den AfD-Stadtrat Brett verurteilen, die nicht auf dem Caritas-Gelände, sondern nahe der Stadtbahnhaltestelle Schozacher Straße stattgefunden haben. „Setzen wir uns hart in der Sache, aber friedlich mit der AfD auseinander“, betont Hermes.

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