Eng und verwirrend: die Baustelle an der Ludwigsburger Friedrichstraße in Richtung Remseck. Foto: factum/Simon Granville

Nach dem Lockdown sind die Straßen in Ludwigsburg wieder so voll wie eh. Damit ist auch der Stau wieder zurück. Vor allem auf den Hauptachsen geht zeitweise gar nichts mehr.

Ludwigsburg - Die Stadträte hatten es gut gemeint mit den Autofahrern: Um die Arbeiten auf der Baustelle zwischen MHP-Arena und Kreuzung B 27 zu verkürzen, forderten sie, dass dort im Zweischichtbetrieb gearbeitet werde. Hätte das wie gewünscht geklappt, wären die Bagger schon an Ostern angerückt und der größte Teil der Arbeit wäre wohl in die Zeit des Corona-Lockdowns gefallen. So aber hat der Vorstoß des Gemeinderats die Sache verzögert: Nun wird nicht nur im Einschichtbetrieb gearbeitet, sondern auch in einer Zeit, in der wieder alle im Auto unterwegs zu sein scheinen. Die Staus in Ludwigsburg haben neue Rekordwerte erreicht – Umleitungsstrecken gibt es nicht.

Dabei hatte es ganz sachte angefangen: Am 6. Juli wurden die ersten Hinweisschilder aufgestellt und am 9. Juli haben die Arbeiter begonnen, die Baustelle einzurichten. Gesperrt ist die nördliche Seite von Schwieberdinger-, Kepler- und Friedrichstraße – beginnend bei der Einmündung der Martin-Luther-Straße bis zur Querung mit der Stuttgarter Straße (B 27). Doch die knapp ein Kilometer lange Strecke ist wiederum in einzelne Abschnitte unterteilt, was für zusätzliche Verwirrung bei Autofahrern sorgt.

Baustelle ist einen Kilometer lang

In den ersten beiden Arbeitswochen wurde in der Nähe der Arena eine neue Bushaltestelle eingerichtet. Augenblicklich werden am westlichen Teil der Baustelle Schächte für die späteren Sanierungsarbeiten gebaut, während auf der Rampe an der Friedrichstraße ein neuer Abwasserkanal für die Stadtentwässerung Ludwigsburg entsteht.

Leitungen unter der Straße sind 70 Jahre alt

Am 10. August wollen die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim damit beginnen, Gas-, Wasser- und Fernwärmeleitungen zu verlegen. Danach folgt die Verlegung von Strom- und Glasfaserkabeln, erläutert SWLB-Sprecherin Astrid Schulte. „Und parallel zu den Arbeiten auf der Schwieberdinger Straße werden gerade auf der Keplerbrücke Abdichtungsarbeiten durchgeführt.“ Erst wenn all diese Arbeiten erledigt sind, kommen die Straßenbauer der Stadt zum Zuge: Sie werden der sanierten Strecke einen neuen Fahrbahnbelag verpassen.

Das mag sich nach zügigen Abläufen anhören, die Umsetzung aber dauert lang. Die Sanierungsarbeiten an dieser West-Ost-Achse in Ludwigsburg soll an Ostern 2021 abgeschlossen sein. Aus Sicht der SWLB handelt es sich dabei um die vierte Etappe eines Sanierungsprojektes, mit dem im Jahr 2016 begonnen wurde. Der Hauptgrund für die Sanierung heißt „Versorgungssicherheit“. Die meisten Leitungen unter der Straße sind mehr als 70 Jahre alt und müssen dringend ausgetauscht werden. Sobald Etappe vier abgeschlossen ist, wird Etappe fünf in Angriff genommen: Derselbe lange Abschnitt noch einmal – nur dann alles auf den südlichen Fahrbahnen.

Nur überteuerte Angebote für Zweischichtbetrieb

Im Schnitt fahren täglich etwa 50 000 Autos über die Friedrichs- und die Schwieberdinger Straße. Entsprechend lang waren die Staus bei den Arbeiten an den ersten Teilabschnitten in den Vorjahren. Da es zurzeit weitere Baustellen im Stadtgebiet und Belagsarbeiten auf der Autobahn zwischen den Anschlussstellen Ludwigsburg-Nord und -Süd sowie eine Sanierung auf der B 27 bei Kornwestheim gibt, sollte es diesmal anders werden. Dachten die Stadträte. Ihr Lösungsvorschlag: Die Arbeiten könnten im Zweischichtbetrieb erledigt werden. Das verringere zwar nicht die Härten, sehr wohl aber die Gesamtdauer der Arbeiten.

Doch dieser Plan ist gescheitert: Auf die Ausschreibung gab es nur völlig überteuerte Angebote, weshalb das Projekt im Juni neu ausgeschrieben werden musste.

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