Cornelia Ewigleben, die Direktorin des Württembergischen Landesmuseums in Stuttgart, bürstet Vorurteileund Klischees über Schwaben gern gegen den Strich. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Cornelia Ewigleben, die Direktorin des Württembergischen Landesmuseums in Stuttgart, bürstet Vorurteile und Klischees über Schwaben gern gegen den Strich. In der großen Sonderausstellung „Die Schwaben“ will das Museum überprüfen, woher diese Vorurteile eigentlich kommen.

Stuttgart - Geht es um Schwaben, werden sofort die uralten Klischees angeführt – Stichworte Kehrwoche und Kässpätzle. Das Landesmuseum Württemberg in Stuttgart will in seiner großen Sonderausstellung „Die Schwaben“ überprüfen, woher diese Vorurteile eigentlich kommen und ob sie gar ein Quäntchen Wahrheit enthalten. Eines verrät die Museums­direktorin Cornelia Ewigleben schon: Kehren ist ­keine ureigens schwäbische Eigenschaft.

Frau Ewigleben, Sie kommen aus Niedersachsen, ­können Sie den Schwaben überhaupt etwas über den Schwaben erzählen?
Es ist vielleicht ganz gut, dass wir den Blick von außen haben. Mir geht es wie sicher den meisten Reingeschmeckten: Als ich hierherkam, kannte ich Pietismus als Schlagwort, die Kehrwoche, aber auch die schwäbischen Geistesgrößen. Aber man merkt schnell, dass Stuttgart besser ist als sein Ruf. Es ist eine sehr offene Gesellschaft, und man hat das ­Gefühl, dass das Miteinander sehr gut funktioniert.
Es kursieren viele Klischees über die Schwaben, wobei die meisten nicht allzu schmeichelhaft sind. Rütteln Sie in Ihrer Ausstellung an Vorurteilen?
Wir können zumindest sagen, wo die Dinge herkommen und dass sie so nicht stimmen. Der Schwabe wird zum Beispiel oft gleichgesetzt mit der Kehr­woche, die aber keineswegs seit ewigen Zeiten im ­Bewusstsein der Schwaben ist, sondern eine relativ neue Entwicklung. Sie kommt erst aus der Zeit, als es die ersten größeren Mietshäuser gab.
Es geht also durchaus um diese Klischees?
Ja, wir wollen sie aber nicht nur aufzeigen, sondern auch reflektieren. Zu dem Bild, das man heute ­bundesweit von den Schwaben hat, haben vor allem Fernsehserien beigetragen. Im 19. Jahrhundert ­galten die Schwaben wiederum als allerbeste Untertanen, aber es gibt auch den rebellischen Schwaben. Diese Widersprüche stellen wir gegenüber.
Das Landesmuseum versucht immer wieder, zum Beispiel Jugendliche mit Migrationshintergrund einzubinden. Wie gelingt das bei solch einem lokalpatriotischen Thema?
Indem man beim Gang durch die Geschichte aufzeigt, dass Schwaben nicht fix ist, sondern es immer Einflüsse und Veränderungen gab – bis heute. Bei dem Angebot für Kinder stellen wir „Die 7 Superschwaben“ vor – angefangen bei dem Astronom ­Johannes Kepler, der aus Weil der Stadt kam, bis zu Sami Khedira, der auch ein super Schwabe ist.
Das klingt durchaus populär. Wie werden Sie dabei dem wissenschaftlichen Anspruch gerecht, der ja auch an Ihr Haus gestellt wird?
Wir machen eine Reise durch die Kulturgeschichte, beginnend beim Herzogtum Schwaben im 10. Jahrhundert. Wir haben die Ausstellung drei Jahre lang vorbereitet und hatten zur Unterstützung einen sehr guten Beirat mit Vertretern von Universitäten, mit Kunsthistorikern, Literaturwissenschaftlern und Kulturwissenschaftler. Es ist eine Ausstellung, bei der wir sicherlich nicht jeden Aspekt abdecken können und auch nicht die Deutungshoheit haben.
Wird es eine große Hommage an die Schwaben?
Es geht nicht darum, die Schwaben zu glorifizieren, aber sie haben große Meriten, das ist unbestritten. Aber wir wollen die Klischees hinterfragen. Und das trägt vielleicht dazu bei, sich auch bei anderen ­Klischees etwas mehr zu hinterfragen.
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