Auf Konfrontation mit Erdogan: Grünen-Politiker Cem Özdemir. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Cem Özdemir übt harsche Kritik an der türkischen Führung und ihrem Umgang mit Journalisten. Zugleich fordert er die Bundesregierung zum Handeln auf.

Istanbul/Berlin - Nach der Weigerung türkischer Behörden, mehreren deutschen Korrespondenten die Arbeitsgenehmigungen zu verlängern, warnt der Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) vor einer Reise in das Land. „Keiner ist in der Türkei sicher, weder Deutsche noch Nichtdeutsche. Das ist ein Willkürstaat“, sagte der ehemalige Bundesvorsitzende der Grünen am Montag im Deutschlandfunk.

Das Vorgehen Ankaras kritisierte Özdemir scharf. „Erdogan hat die türkischen Medien weitgehend gleichgeschaltet. Und jetzt ist offensichtlich der internationale Medienmarkt dran.“

Özdemir sieht Bundesregierung in der Verantwortung

ZDF-Korrespondent Jörg Brase und „Tagesspiegel“-Reporter Thomas Seibert mussten am Sonntagnachmittag die Türkei verlassen und nach Deutschland fliegen. Das Presseamt in Ankara hatte ihnen ebenso wie einem nicht ständig in der Türkei lebenden NDR-Reporter vor rund einer Woche mitgeteilt, dass ihr Antrag auf eine neue Pressekarte nicht bewilligt worden sei (wir berichteten).

Özdemir wittert dahinter eine politische Entscheidung: „Journalismus ist für Erdogan, dass man ihm huldigen darf. Das ist nicht, dass man ihm kritische Fragen stellt“, sagte der 53-Jährige weiter.

Auch die Bundesregierung sieht Özdemir in der Verantwortung, schließlich sei die Türkei Partner in der Nato sowie Mitgliedsstaat im Europarat. „Vielleicht sollte das Berlin mal langsam zur Kenntnis nehmen, dass die reale Türkei, mit der Türkei, die man sich in Berlin wünscht, nicht mehr viel gemeinsam hat.“

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