Jack Bannon als Alfred Pennyworth in Bruno Hellers „Batman“-Prequel „Pennyworth“ Foto: Epix/Alex Bailey

Bruno Heller hat so tolle Serien wie „The Mentalist“ und „Gotham“ erfunden. Jetzt startet seine „Batman“-Prequel-Serie „Pennyworth“ beim Amazon-Channel Starzplay.

Stuttgart - Mit „Pennyworth“ wird das „Batman“-Universum noch ein bisschen größer. Der Serienmacher Bruno Heller erzählt die wilde Vorgeschichte von Bruce Waynes Butler Alfred, der im London der 1960er Jahre eine Sicherheitsfirma gründet und Verbrecher jagt. Im Interview verrät der Brite, der seit vielen Jahren in Los Angeles lebt, warum er angeschlagene Helden mag und er in Sachen Brexit Optimist bleibt.

Mr. Heller, was fanden Sie an dem Butler Alfred Pennyworth so spannend, dass Sie beschlossen haben, ihm eine eigene Serie zu geben?

Mich hat die Herausforderung gereizt. Das ist so, wie wenn Sie zu Hause den Küchenschrank aufmachen, dort nur wenige Zutaten finden, sich aber zum Ziel setzen, daraus etwas ganz Besonderes zu kochen. In der Batman-Mythologie ist Alfred Pennyworth vielleicht die langweiligste Figur. Er ist dieser Typ, der bei einer wilden Party als einziger still in der Ecke sitzt. Und seine Geschichte ist nie wirklich erzählt worden. Ich dachte, es ist an der Zeit, das zu ändern. Außerdem wollte ich unbedingt mal eine Geschichte erzählen, die in meiner alten Heimatstadt London und in den 1960er Jahren spielt.

Alfred Pennyworth taucht auch in den „Batman“-Filmen auf – allerdings immer als Nebenfigur. Wer wer bisher am besten als Bruce Waynes Butler?

Michael Caine. Er ist ein grandioser Schauspieler. Und er war der erste, der Alfred als richtigen Cockney gespielt hat.

In Ihrer Serie bekommt man nun nicht nur ausgiebig diesen Londoner Akzent zu hören. Sie haben auch sonst viel Spaß dabei, all die britischen Besonderheiten und Manierismen vorzuführen.

Ich habe eigentlich zum ersten Mal so richtig typische englische Figuren erfunden. Ich liebe London, ich mag das Spleenige und diese dunkle, herzhafte und witzige Sprache. In Los Angeles vermisse ich die britische Schroffheit. In England kannst du so unhöflich und so laut sein, wie du willst. Solange es lustig ist, darfst du sagen, was immer du möchtest. Diese Eigenart eignet sich ausgezeichnet für einen Krimi, weil sie ihn authentisch und zugleich lustig wirken lässt. Ich musste allerdings aufpassen, dass ich es nicht übertreibe.

Wie meinen Sie das?

Ich gehe davon aus, dass es auch in Stuttgart ein paar Redewendungen gibt, die man nur versteht, wenn man aus Stuttgart kommt. Wenn man davon zu viel in die Dialoge einbaut, steigt das Publikum aus. Es kommt auf die richtige Balance an. Wie zum Beispiel damals in der Serie „The Wire“. Die spielte ja in Baltimore und manchmal hat man zwar nicht wirklich verstanden, was die Leute da sagen, das hat die Geschichte aber irgendwie realer gemacht.

Wenn man Ihre Serien „Rom“, „The Mentalist“ „Gotham“ und „Pennyworth“ miteinander vergleicht, findet man wenig Gemeinsamkeiten, außer dass Sie eine Vorliebe für Charaktere haben, die irgendwie beschädigt, traumatisiert sind.

Das stimmt. Wussten Sie, dass Django Reinhardt nur drei Finger an seiner linken Hand hatte? Wenn Größe und Würde erreicht wird, obwohl man Schmerzen und Erschwernisse überwindet, finde ich das beeindruckend. Das ist wahres Heldentum. Wissen Sie, Superman ist kein Held für mich, weil er unverwundbar ist vor nichts Angst haben muss. Wer keine Angst hat, kann auch nicht mutig sein. Man muss irgendwie verkrüppelt sein, um wirklich zum Helden zu taugen, finde ich.

„Pennyworth“ spielt wie „Gotham“ im „Batman“-Universum. Ist „Pennyworth“ ein „Gotham“-Prequel?

Ich denke, jede Geschichte, die du in diesem Comic-Universum erzählst, sollte für sich stehen, auch wenn sie ein Prequel, Sequel oder sonst was ist. Es geht darum, neue Versionen der ursprünglichen ­Geschichte zu erschaffen. „Pennyworth“ ist zwar genauso ein „Gotham“-Prequel, wie „Gotham“ ein „Batman“-Prequel ist. Wir wollten aber eine Serie machen, die sogar Leute anspricht, die nicht einmal wissen, wer Batman ist.

Sowohl in „Gotham“ als auch in „Pennyworth“ ernennen Sie Nebenfiguren aus dem „Batman“-Universum zu Hauptfiguren. Gäbe es noch eine andere Nebenfigur aus dieser Welt, der Sie gerne eine eigene Serie schenken würden?

Vielleicht Robin, weil der psychologisch ziemlich komplex ist, allein schon, weil ein Sidekick, der selbst Superheld ist, ein Widerspruch in sich ist. Tatsächlich denke ich aber, dass Pennyworth der letzte Charakter aus den DC-Comics sein wird, über den ich etwas mache. Ich weiß nicht, wie viel es in dieser Welt noch zu sagen gibt.

„Pennyworth“ spielt zwar im London der frühen 1960er Jahre, Aber das London, das Sie zeigen, ist eine seltsame Mischung aus dem London der Swinging Sixties, dem viktorianischem London und einer Art mittelalterlichem London. Es gibt es zum Beispiele grausame öffentliche Hinrichtungen und an der Themse stehen Pranger.

Ja, unser London ist ein Mash-up, wir haben ein bisschen die Wirklichkeit durcheinandergebracht. Die Welt, die wir zeigen, ist vertraut und seltsam zugleich. Sie sollen nie wissen, was in dieser speziellen Version von England als nächstes passiert.

Das weiß man derzeit aber auch beim realen England nicht. Wie geht es Ihrer Meinung nach mit dem Brexit weiter?

Ach, ich wünschte, ich würde verstehen, was da gerade passiert. Großbritannien war aber immer schon ein etwas spezieller, losgelöster Teil Europas. Unabhängig von der jeweils aktuellen politischen Situation wird Großbritannien das immer bleiben. Großbritannien kann weder ein Teil Europas noch kein Teil Europas sein. Doch trotz des schrecklichen Durcheinanders gerade glaube ich doch an die demokratischen Institutionen – und daran, dass am Ende alles gut ausgeht. Großbritanniens Politik ist zwar gerade ein einziges Chaos. Aber das Leben ist chaotisch. Und ich bleibe Optimist.

Der Serienmacher und „Pennyworth“

Person Bruno Heller (Jahrgang 1960) ist ein britischer Showrunner, Drehbuchautor und Regisseur. In den 1990ern zog er in die USA. Seine erfolgreichsten Serienerfindungen sind das Krimidrama „The Mentalist“ (sieben Staffeln) und das „Batman“-Prequel „Gotham“ (bisher fünf Staffeln).

Ausstrahlung Alle zehn Episoden von „Pennyworth“ sind von Freitag, 25. Oktober, an beim Amazon-Channel Starzplay verfügbar.

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