Am Hauptbahnhof und am Bahnhof Vaihingen tummeln sich oft viele Fahrgäste. Foto: Marijan Murat/dpa

Der Bahnhof in Stuttgart-Vaihingen ist ein wichtiger Umsteigepunkt. Darum sind dort Bahn-Mitarbeiter in gelben Warnwesten im Einsatz. Doch warum genau? Und hat dieses Konzept Erfolg?

Vaihingen - Jeder kennt die Situation. Beim Aussteigen aus der einen Bahn sieht man am anderen Gleis bereits den Zug stehen, den man für die Weiterfahrt braucht. Dann heißt es: Beine in die Hand nehmen, um den Anschluss nicht zu verpassen. Manchmal hat man Glück, und ein freundlicher Mitfahrer stellt seinen Fuß in die Tür, damit diese nicht schließt und die Bahn nicht ohne einen abfährt. Doch am Vaihinger Bahnhof ist das nicht immer ohne Weiteres möglich. Denn das Glück des einen, der seinen Zug noch bekommt, kann für viele andere Menschen von Nachteil sein. Denn oft sind Verspätungen im gesamten Netz die Folge.

Darum setzt die Deutsche Bahn, welche Betreiberin der S-Bahnen in Stuttgart ist, in Vaihingen seit Januar dieses Jahres sogenannte S-Bahnhelfer ein. Ihre Aufgabe ist es, den Strom der Zuspätkommer zu stoppen und sich den potenziellen Fahrgästen notfalls auch mal in den Weg zu stellen. Im Hauptbahnhof gibt es diese S-Bahnhelfer schon länger. Beides seien wichtige Umsteigepunkte, sagt ein Bahnsprecher. Und vor allem dort beobachte das Verkehrsunternehmen immer wieder, dass „noch Fahrgäste eintröpfeln und die letzte Tür nehmen, obwohl der Zug schon längst los müsste“.

Angefeindet werden die S-Bahnhelfer nur selten

Doch was ist so schlimm daran, wenn ein Zug ein paar Sekunden später fährt? „Vor allem kurz vor der Stammstrecke zwischen der Schwabstraße und dem Hauptbahnhof, wo alle sechs Stuttgarter S-Bahnlinien fahren, führt das schnell zu großen Problemen“, antwortet der Bahnsprecher. Denn die minimal mögliche Folgezeit zwischen zwei Zügen betrage zweieinhalb Minuten. Das bedeute, dass maximal 24 Züge pro Richtung und Stunde fahren können – wenn alle pünktlich sind. Und an die 24 Züge pro Stunde stehen in den Hauptverkehrszeiten in der Regel auch im Fahrplan drin. „Die Taktung ist so dicht, dass die Verspätung nur eines Zuges das gesamte System durcheinanderbringen kann“, erklärt der Bahnsprecher.

Die S-Bahnhelfer am Hauptbahnhof und am Vaihinger Bahnhof sind in den Hauptverkehrszeiten im Einsatz: das heißt montags bis freitags von 6.40 bis 9.20 Uhr am Morgen und von 15.20 bis 18.30 Uhr am Nachmittag. Nach gut zehn Monaten steht für die Bahn fest, dass sich der Aufwand lohnt. Vor dem Einsatz der S-Bahnhelfer seien am Vaihinger Bahnhof in der Hauptverkehrszeit am Nachmittag etwa 75 Prozent der Züge zu spät losgefahren. Mittlerweile wird nur noch bei der Hälfte der Bahnen die planmäßige Haltezeit überschritten. In den Morgenstunden ist der Effekt nicht ganz so groß.

Es gibt auch andere System für mehr Pünktlichkeit

Erkennbar sind die S-Bahnhelfer an ihren gelben Warnwesten. Die Deutsche Bahn schult die Mitarbeiter. Sie haben jedoch nicht nur die Aufgabe, sich Kunden in den Weg zu stellen, die noch einsteigen wollen, obwohl der Zug losfahren muss. Sie sind auch Ansprechpartner, zum Beispiel falls ein Kunde nicht weiß, auf welchem Gleis sein nächster Zug abfährt oder wo es am Bahnhof eine Toilette gibt. Angefeindet werden die S-Bahnhelfer nur selten, sagt ein Bahnsprecher. Wenn jemand unzufrieden sei, weil er nicht mehr in den Zug habe einsteigen dürfen, würden die S-Bahnhelfer ihm die Gründe erklären. „Die meisten sind danach sehr verständnisvoll“, so der Sprecher. Schriftliche Beschwerden an das Unternehmen gebe es diesbezüglich so gut wie gar nicht. „In aller Regel kann das vor Ort geklärt werden“, sagt der Sprecher. Er verweist auch darauf, dass es vielmehr Beschwerden gebe, wenn die Bahn unpünktlich sei. Und genau das wolle man ja vermeiden.

Ob die S-Bahnhelfer künftig auch in anderen Stationen in Stuttgart anzutreffen sind, ist noch offen. „Wir schauen uns das sehr genau an“, sagt der Bahnsprecher. Denkbar wäre es zum Beispiel in Bad Cannstatt. Dort testet die Bahn derzeit aber noch ein anderes System, nämlich die leuchtende Bahnsteigkante. Wenn Fahrgäste am Bahnsteig 2 auf die S-Bahnen der Linien 1, 2 und 3 warten, sehen sie im Boden eingelassene Lichter blinken. Die leuchtenden Symbole zeigen bereits kurz vor der Einfahrt des nächsten Zuges dessen Halteplatz und die Türpositionen an. „Die Fahrgäste stehen damit am Bahnsteig immer an der richtigen Stelle, das Einsteigen geht zügiger und die S-Bahn kann pünktlicher abfahren“, so die in einer Pressemitteilung formulierte Hoffnung des Unternehmens.

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