Anwohner der Altstadt sollen künftig auch im Parkhaus Mühlgrün ihr Fahrzeug abstellen dürfen. Foto: Sebastian Steegmüller

In drei von vier Zonen ist das Parkraummanagement ein Erfolg. Nur in der Altstadt gibt es Probleme, wobei die Stadt jetzt eine Lösung parat hat.

Bad Cannstatt - Seit Anfang November 2017 gilt das Parkraummanagement in vier Cannstatter Zonen. Während sich nach einem halben Jahr die Bilanz für den Seelberg, das Veielbrunnengebiet sowie das Kursaalviertel sehr positiv liest, gibt es in der Altstadt und im Bahnhofsviertel zwei Probleme: Zum einen kritisieren die Anwohner, dass in ihrer Zone es viele Kurzeit- und zu wenige Langzeitstellplätze gibt, zum anderen hält der Einzelhandel die maximale Parkdauer von zwei Stunden auf den Kurzeitparkplätzen für zu knapp bemessen.

Zumindest für die Anwohner hat das Amt für öffentliche Ordnung eine Lösung parat: Die Grenzen werden „aufgeweicht“ und sie dürfen ihr Fahrzeug in einigen Straßen der Nachbarzonen kostenlos abstellen. Zudem sollen zeitnah die beiden Obergeschosse im Parkhaus Mühlgrün ebenfalls als Langzeitparkplätze ausgewiesen werden. „So schaffen wir tagsüber insgesamt gut 200 weitere Stellplatzoptionen für Bewohner der Altstadtzone“, sagte Birgit Wöhrle, beim Ordnungsamt für das Parkraummanagement zuständig, jüngst im Bezirksbeirat Bad Cannstatt.

Zuvor hatte sie zusammen mit Stadtplaner Stephan Oehler dem Bürgergremium noch einmal erklärt, dass die Stadt bei der Bewirtschaftung nicht – wie von vielen Altstadtbewohnern gefordert – die Zonengrenzen einfach so erweitern oder gar auflösen könne. „Das verbietet die Straßenverkehrsordnung“, so die Expertin. Allerdings gaben beide schon zu verstehen, dass die Probleme, die sich durch die Nacherhebung manifestiert haben, gelöste werden müssen.

Insgesamt stehen 1663 Parkplätze zur Verfügung

„Dennoch haben wir das Ziel in den anderen drei Zonen erreicht“, betonte Wöhrle. Und das hat von Anfang an geheißen, die Pendler aus den Wohngebieten zu vertreiben. Die Zahlen sind eindrucksvoll. Im Seelberg stehen beispielsweise bei 2776 angemeldeten Fahrzeugen insgesamt 1663 Parkplätze zur Verfügung. Vor der Parkraumbewirtschaftung registrierte das Ordnungsamt um 10 Uhr eine Auslastung von 97 Prozent, um 15 Uhr sogar von 98 Prozent. Wer zu dieser Zeit einen freien Parkplatz suchte, der brauchte schon eine große Portion Glück und starke Nerven. „Heute liegt zu den gleichen Uhrzeiten die Auslastung bei jeweils knapp 76 Prozent“, so Birgit Wöhrle. Fast dieselben Zahlen haben die Erhebungen für das Kursaalviertel ergeben. „Der große Parkplatz ist nachts sogar nahezu leer“, sagte Stephan Oehler.

Schlussendlich war diese erfreuliche Entwicklung auch ausschlaggebend dafür, dass das Ordnungsamt die Zonengrenze für die Altstadtbewohner öffnen will. „Wir wollen die entsprechende Beschilderung zügig anbringen“, versprach Birgit Wöhrle. Sobald dies erfolgt sei, dürfen die betroffenen Anwohner auch in der Wildbader Straße und auf dem Königsplatz ihr Auto abstellen, zudem in der Wildunger Straße (Seelberg) sowie im Veielbrunnengebiet in der Kegelenstraße zwischen den Kreuzungen Kleemann- und Elwertstraße. Zusammen mit dem Mühlgrün werden somit in absehbarer Zeit weitere 200 Stellplätze für die Altstadtbewohner geschaffen.

Die CDU plädiert weiter für ein Aufstocken des Mühlgrüns

Problem gelöst – allerdings laut CDU nicht für den Einzelhandel. „Wir halten die maximale Parkdauer von zwei Stunden für zu kurz“, sagte Fraktionssprecher Roland Schmid, dessen Begeisterung für die Regelung sich nach wie vor in Grenzen hält. „Nach einem Frisörbesuch bleibt nicht viel Zeit für einen ausgiebigen Einkaufsbummel.“ Zudem hält Schmid es für falsch, zwei Etagen für Langzeitparkplätze im Mühlgrün zu schaffen. „Das Parkhaus ist eigentlich für die Kunden des Einzelhandels in der Altstadt gedacht“, so der Sprecher. Die CDU plädiere deshalb weiter für ein Aufstocken des Mühlgrüns.

Auch Peter Mielert von den Grünen forderte die Verwaltung auf, eine Erweiterung der Maximalparkdauer auf drei Stunden zu prüfen. „Die Pendler sind vertrieben“, sieht er dennoch das Ziel der Parkraumbewirtschaftung erreicht. Hierbei stellte Inge Utzt (SPD) allerdings die Frage: Wohin? „Das Thema Verdrängung, wie etwa in das Gebiet Winterhalde, haben wir im Auge“, sagte Stephan Oehler. Die einzige Lösung sei, auch hier das Parkraummanagement einzuführen. Das koste jedoch Zeit, Geld und müsse vom Gemeinderat beschlossen werden. Gerhard Veyhl, Sprecher der Freien Wähler, brachte dagegen noch ein ebenfalls wichtiges Thema ins Spiel: „Bad Cannstatt braucht ein elektronisches Parkleitsystem.“ Das wurde den Cannstattern zwar schon vor etlichen Jahren zugesagt, zu einer Realisierung ist es jedoch nie gekommen.

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