Dirk Oestringer hat vor 250 Besuchern den Amtseid geschworen. Foto: factum/Simon Granville

Der neue Bürgermeister Dirk Oestringer wurde offiziell in sein Amt eingesetzt. Er bekam ein kostbares Schmuckstück als Zeichen der Amtswürde – und alle Besucher nette Anekdoten dazu.

Gerlingen - Er ist der fünfte Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg, der von den Gerlinger Bürgern gewählt wurde: Dirk Oestringer gewann am 1. Dezember im ersten Wahlgang mit 67,7 Prozent. Seit dem 1. Februar ist er im Amt, am Montagabend wurde er verpflichtet. Den Amtseid nahm ihm die Erste Ehrenamtliche Bürgermeister-Stellvertreterin und Stadträtin Petra Bischoff ab, der Landrat überreichte die Ernennungsurkunde. Trotz der Formalitäten wurde es ein heiterer Abend mit mehr als 250 Besucher.

Noch mit Leonberger Wappen

Sie sahen auch außergewöhnlichen Schmuck, die Zierde eines jeden Bürgermeisters: die Amtskette. Das Gerlinger Schmuckstück hat eine Geschichte. Weil der jüngst ausgeschiedene Amtsinhaber Georg Brenner (parteilos) erkrankte, sprang bei der Amtseinführung seines Nachfolgers Dirk Oestringer (parteilos) Brenners Vorgänger Albrecht Sellner (CDU) ein. Der wusste nicht nur um die Geschichte des repräsentativen und schweren Schmuckstücks, sondern er erheiterte die Besucher im Ratssaal auch mit netten Geschichten.

So wurde die Kette lange vor Sellners Amtszeit (1983-1999) gestiftet: zu Zeiten des legendären Wilhelm Eberhard (1955-1983). Der Handels- und Gewerbeverein hatte 1967 das Stück „aus massivem Silber mit Platinauflage“ (Sellner) der Stadt geschenkt. Zum Schmunzeln bringt auch die Tatsache, dass neben dem Wappen der Stadt Gerlingen auch das des früheren Landkreises Leonberg eingearbeitet ist. Der wurde während der Kommunalreform anfangs der siebziger Jahre aufgelöst und Gerlingen kam zum Kreis Ludwigsburg – heute aber lebt er als „Altkreis“ weiter.

Auf dem Flug fast verloren gegangen

Sellner berichtete auch, wie er mit der Kette umging. So habe er sie nicht nur in Gerlingen getragen, sondern einmal nach Afrika mitgenommen. Da besuchte er mit einer Delegation die Region Kroboland in Ost-Afrika, die Gerlingen wegen der aus der Stadt stammenden Missionare seit langem unterstützt. Dreimal war der Schultes samt Kette in der Partnerstadt Seaham – „die Engländer legen auf so etwas Wert“. „Einmal hätte ich sie dabei fast verloren“, erzählte Sellner schmunzelnd. Die Kette war im Koffer – und der bei der Rückkehr am Stuttgarter Flughafen weg. Aber er tauchte wieder auf: drei Tage später in Bangkok. Und war dann alsbald wieder in Gerlingen – samt Kette. Weil auch Georg Brenner 20 Jahre lang auf das gute Stück aufpasste, prangte die Kette nun auf Dirk Oestringers Brust.

Der neue Bürgermeister bekam zum Schluss des Abends noch zu tun: Die Jugendmusikschule, deren Lehrer die Musik an diesem Abend gemacht hatten, schenkte Oestringer eine Cajon. Der nahm das Instrument und trommelte noch ein Lied lang mit. Zugabe gleich am Anfang.

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