Nirvana-Sänger Kurt Cobain bei einem Konzert Foto: AP

Vor 25 Jahren hat sich der Nirvana-Sänger Kurt Cobain das Leben genommen. Eine Hommage an eine großartige Band und eine Diskothek, die ihr wohl unwissentlich ein kleines Denkmal setzte.

Böblingen - Die beste Band aller Zeiten? Da kann man schon ins Grübeln kommen. Für den Verfasser dieser Zeilen kann es darauf nur eine Antwort geben: Nirvana. Allerdings hatten die Grunge-Götter aus Seattle nie die Chance, in den Olymp der Musikheroen aufzusteigen – eben weil sich ihr Sänger Kurt Cobain am 5. April 1994, also vor 25 Jahren, das Leben nahm.

Ein nacktes Baby und Holzfällerhemden

Am 13. März 1994 hätten Nirvana in der Böblinger Sporthalle auftreten sollen. Ein Kumpel hatte Karten, ich nicht und ärgerte mich wahnsinnig darüber. Obwohl man damals dachte, die kommen sicherlich bald wieder. Welch ein Irrtum! Das Konzert wurde abgesagt, offiziell wegen einer Erkrankung Cobains. Vielleicht klappt es ja doch noch mit dem Konzertbesuch, war der erste Gedanke. Ein neuer Termin war für Mai angesetzt. Die Hoffnung zerstob spätestens an diesem vermaledeiten 5. April.

Zwei Jahre zuvor hatte bei einer Fahrt zu einem Auswärtsspiel der Fußballtrainer eine Kassette eingelegt, ja, das war damals noch Standard. Die Musik war anders, neu, revolutionär, krachend, rotzig und wahrscheinlich ziemlich nervtötend für Erwachsene. Passend dazu das Plattencover: ein nacktes Baby unter Wasser, und ein Geldschein an einer Angelschnur, Es begann der Siegeszug einer Band, die so gar nicht in ein Raster passen wollte. Als dann das dritte und leider letzte Studioalbum „In Utero“ herauskam, geschah dies just zwei Tage bevor die Klasse 10 des Pforzheimer Kepler-Gymnasiums mit einem (oder zwei) transportablen CD-Playern ins Schullandheim nach Südtirol fuhr. Doch das zweite Album „Nevermind“ blieb eben „Nevermind“ und speziell die Hit-Single „Smells like Teen Spirit“ war ein ständiger Begleiter bei Partys oder auch in Diskotheken. Holzfällerhemden waren in Mode und es genügte, die ersten Töne anzuspielen. Schon füllte sich die Tanzfläche und ein wildes Rumgehüpfe, auch Pogo genannt, ließ sämtliche Probleme und Problemchen verschwinden. In der Diskothek „Jules Verne“, die auch manches Stuttgarter Automobil in den 90er-Jahren ansteuerte und die in einem kleinen Dorf im Enzkreis beheimatet war, war schnell ein passender Dreiklang gefunden. Auf „Body Count“ der gleichnamigen Band folgte „Bombtrack“ von Rage Against the Machine und dann Nirvana und „Smells like Teen Spirit“. Dann wusste man, besser wird es nicht mehr. Man konnte die Heimreise antreten. Es war der Höhepunkt der Nacht und verdientermaßen wohl eine unwissentliche Würdigung der Grunge-Band.

Was ist mit den Karten passiert?

Ich weiß nicht mehr, ob der Kumpel seine Karten einfach umgetauscht hat. Die Sporthalle Böblingen und die Diskothek sind längst Geschichte und für viele ist Nirvana heute eine Band unter vielen. Doch der Duft des Teen Spirit wirkt nach. Als bei einer Hochzeit im Jahr 2013 zu später Stunde der Gastgeber auf die phänomenale Idee kam, den DJ „Smells like Teen Spirit“ spielen lassen, da hüpften schon ein wenig ergraute Herren in Anzügen über das Tanzfeld, wie 20 Jahre zuvor, als keine richtige Party ohne Nirvana gefeiert wurde – der besten Band der Welt.

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