Sie können auch zusammen lachen, doch jetzt haben sich Alexander Kotz (links) und Fritz Kuhn gezofft. Foto: Lichtgut/Leif-Hendrik Piechowski

Der OB hätte sich zu den Truppenabzugsplänen des US-Präsidenten äußern müssen, meint der CDU-Fraktionschef im Rathaus. Doch Fritz Kuhn ist anderer Ansicht als der CDU-Kontrahent Alexander Kotz – und nennt Trump „durchgeknallt“.

Stuttgart - Die Stimmung im Stuttgarter Rathaus wird vier Monate vor der OB-Wahl am 8. November hitziger. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Alexander Kotz hat am Donnerstag massiv den amtierenden Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) kritisiert, den die Grünen im November durch ihre Kandidatin Veronika Kienzle ersetzen möchten, weil Kuhn nicht mehr antritt. Ihn störte unter anderem, dass der OB nicht Stellung zu den Truppenabzugsplänen von US-Präsident Donald Trump bezogen und die möglichen Folgen davon nicht thematisiert habe. Kotz meint, der OB hätte Stellung beziehen und aufzeigen müssen, was dann in Stuttgart geschehen würde, wenn die Army im Stadtbezirk Vaihingen (europäische Kommandozentrale) und in Möhringen (Afrika-Kommando) Flächen aufgeben sollte.

„Bitte Herr Kuhn, lassen Sie die Arbeit in den nächsten Monaten nicht schleifen“, sagte Kotz in der Gemeinderatssitzung. Der Verwaltung – und auch dem Gemeinderat – fehle es am „Blick nach vorn“, meinte der CDU-Fraktionschef, der selbst Ambitionen gehabt hatte, zur OB-Wahl anzutreten, dem seine Partei dann aber den Backnanger OB Frank Nopper vorzog. Kotz stellte sogar die These auf, dass die Verwaltung das laufende Haushaltsjahr trotz Coronakrise so weiterlaufen lassen will, wie es im vergangenen Dezember geplant worden war, weil Kuhn 2021 die Folgen nicht spüren müsse: „Liegt das vielleicht daran, weil der OB Kuhn das Rathaus verlässt?“

Der OB weist die Vorhaltungen zurück

Diese Einlassungen allerdings verbat sich Kuhn ausdrücklich. Das weise er zurück, sagte der gestandene Politikprofi. Er schaffe „wie ein Bürstenbinder“. Kotz erhebe „unsinnige Vorwürfe“. Das münzte Kuhn besonders auf die Vorhaltung bezüglich der Truppenabzugspläne von Trump. Er werde einen Teufel tun und „einem durchgeknallten amerikanischen Präsidenten so ins Blatt spielen“. Zumal Trump „Gott sei Dank“ erstmals auch von republikanischen Parteifreunden Widerspruch bekomme.

Dieser Konter rief wiederum AfD-Stadtrat Michael Mayer auf den Plan: Kuhn habe den US-Präsidenten beleidigt, monierte er. Man brauche die US-Soldaten in Europa und Deutschland. Hannes Rockenbauch (SÖS) vom Linksbündnis verstand all die Aufregung freilich nicht: „Im 21. Jahrhundert brauchen wir für transatlantische Bündnisse keine Soldaten mehr“, meinte er.

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