Weil der bestehende Edeka-Markt in Bad Ditzenbach-Gosbach zu klein ist, möchte der Betreiber 200 Meter entfernt einen Neubau errichten. Foto: dpa

Zoff gibt es im oberen Filstal um einen geplanten Edeka-Markt in Bad Ditzenbach. Nicht alle freuen sich auf den neuen Markt auf der grünen Wiese.

Bad Ditzenbach - Eigentlich ist der Verband Region Stuttgart eher dafür bekannt, dass er großen Lebensmittelmärkten auf der grünen Wiese einen Riegel vorschiebt, um die Ortszentren zu schützen. In diesem Fall aber macht er eine Ausnahme: Dem Bau eines Edeka-Marktes an der B 466 zwischen Bad Ditzenbach-Gosbach und Mühlhausen im Täle hat der regionale Planungsausschuss am Mittwoch mit großer Mehrheit aus CDU, Grüne, SPD, Freie Wähler und FDP zugestimmt; nur die Linke war dagegen. Die letzte Entscheidung trifft aber das Regierungspräsidium Stuttgart.

Edeka will von 800 auf 1250 Quadratmeter wachsen

Bisher gibt es in einem Gewerbegebiet am Ortsrand von Bad Ditzenbach-Gosbach einen Edeka-Markt mit 800 Quadratmetern Fläche – der einzige Lebensmittelvollsortimenter außer einem Discounter für rund 7000 Einwohner in Bad Ditzenbach, Wiesensteig, Mühlhausen und Drackenstein. Der Laden will auf 1250 Quadratmeter erweitern, wofür es an diesem Standort aber keinen Platz gibt. Deshalb soll auf einer bisher landwirtschaftlich genutzten Fläche zwischen Bundesstraße und Autobahn 8 im Gewann Sänder-Nord ein neuer Markt errichtet werden – etwa 200 Meter entfernt vom bisherigen.

Das ist planungsrechtlich ein heikles Vorhaben. Laut dem Landesentwicklungs- und dem Regionalplan soll großflächiger Einzelhandel nämlich nur innerhalb oder am Rand von Ortschaften entstehen. Allerdings kann von diesem Grundsatz abgewichen werden, wenn der Markt ausschließlich der örtlichen Grundversorgung gilt und dadurch keine schädlichen Auswirkungen auf benachbarte Gemeinden und ihre Läden zu erwarten sind.

Der Regionalverband hat grünes Licht gegeben

Das sieht der Regionalverband als gerade so noch gegeben an: Laut einer Studie kommen rund 70 Prozent des Umsatzes des neuen Ladens aus Bad Ditzenbach, der Abzug von Kaufkraft aus den Nachbargemeinden liege unter zehn Prozent. Zudem sei der Edeka schon heute der einzige Vollsortimenter in der Gegend. Die Ansiedlung eines derartigen Markts in den Nachbargemeinden „erscheint in absehbarer Zeit nicht realistisch“, sagt der regionale Planungsdirektor Thomas Kiwitt. Die Situation wird allerdings in Wiesensteig anders gesehen. Der Gemeinderat dort lehnte den neuen Edeka-Markt ab, weil die Mehrheit die Nahversorgung im Ort mit Bäcker und Metzger gefährdet sieht. Zumal es auch Pläne für einen Netto-Discounter in direkter Nachbarschaft des neuen Edeka auf Mühlhäuser Markung gebe.

Die Wiesensteiger fürchten um ihren gemeinnützigen kleinen Laden

Der Wiesensteiger Bürgermeister Gebhard Tritschler spricht von einer fatalen Entwicklung und fürchtet um die Zukunft des gemeinnützigen und zentral gelegenen Lebensmittelmarktes „Ums Eck“, der vor allem auch von Senioren für die Grundversorgung zu Fuß gut erreichbar sei. Der Laden war nach der Schließung des örtlichen Edekas vor zwölf Jahren von der Kommune, dem Gewerbeverein und den Kirchengemeinden ins Leben gerufen worden und habe sich nach schwierigen Anfangsjahren endlich stabilisiert.

Im Planungsausschuss der Regionalversammlung betonte der regionale Planungsdirektor Thomas Kiwitt, dass die Edeka-Neuansiedlung den Zielen des Regionalplans entspreche. „Uns ist die Sicherung der Grundversorgung der Bevölkerung wichtig“, sagte er. Ob der Standort des Lebensmittelmarkts in der Ortsmitte sei oder in Randlage wie in diesem Fall, sei zweitrangig. Das sah auch die große Mehrheit des Planungsausschusses so. Allein Christoph Ozasek, Fraktionschef der Linken, sah dies anders: „Gerade mit Blick auf die demografische Entwicklung“ sei eine Lage im Ort wichtig, hier werde aber ein neuer Markt jenseits einer viel befahrenen Bundesstraße geplant. Diese Worte müssen dem Bürgermeister Tritschler in den Ohren geklungen haben, denn er bewertet die Edeka-Ansiedlung weiterhin als Verstoß gegen den Regionalplan und den Landesentwicklungsplan.

Herbert Juhn möchte den ländlichen Raum gestärkt sehen

Der Bad Ditzenbacher Bürgermeister Herbert Juhn hält dagegen, bei dem geplanten Neubau gehe es lediglich um eine Erweiterung von 450 Quadratmetern. Diese seien die Diskussion eigentlich nicht wert, wenn man das Bad Ditzenbacher Projekt mit den Konsumtempeln vergleiche, wie sie beispielsweise in Stuttgart derzeit gebaut würden. In großen Städten sei viel mehr möglich als im ländlichen Raum. Wenn die Politik diesen stärken und die Abwanderung der Menschen verhindern wolle, müsse man aber die Relationen sehen.

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