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Diakonisches Werk legt Studie zur Überschuldung vor und fordert mehr Beratungsstellen.

Stuttgart - Nichts geht mehr - so heißt es bei immer mehr Menschen in Baden-Württemberg. 2009 beantragten 10.000 Personen eine Verbraucherinsolvenz, 590.000 sind zahlungsunfähig oder von Überschuldung bedroht.

Seit einigen Monaten kann Janette D. wieder aufatmen. Sie legt die Post nicht mehr ungeöffnet beiseite und schrickt nicht mehr zusammen, wenn das Telefon läutet oder wenn es an der Tür klingelt. "Ich weiß jetzt, dass das meine Kinder oder Freunde sind und nicht der Gerichtsvollzieher", erzählte die 45-Jährige am Mittwoch in Stuttgart. Im vergangenen Jahr hat die Mutter von drei Kindern Verbraucherinsolvenz beantragt - und damit geklärt, wie sie in den nächsten Jahren ihren Schuldenberg abtragen kann. In finanzielle Not geraten war sie nach dem Tod ihres Mannes. Sie musste seine Firma aufgeben, und obwohl sie schließlich sogar ihr Haus verkaufte, blieb nicht genug übrig, um die Firmenkredite abzutragen. Am Ende beliefen sich ihre Schulden auf mehr als 100.000 Euro.

So wie Janette D. geht es vielen im Land. Rund 10.000 Personen haben im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg Verbraucherinsolvenz beantragt - im Durchschnitt mit 69000 Euro Schulden, sagt der Karlsruher Sozialforscher Gunter Zimmermann. Im Auftrag des Diakonischen Werks Württemberg hat der Soziologe, Mathematiker und Statistiker untersucht, wie es um die Verschuldung in Baden-Württemberg bestellt ist - denn amtliche Zahlen darüber gibt es bisher nicht. Rechnet man auch diejenigen ein, die eine eidesstattliche Versicherung (früher Offenbarungseid) abgegeben haben, so betrug die Zahl der absolut überschuldeten Personen im Land 2009 rund 300.000. Fast noch einmal so viele im Südwesten konnten nicht mehr alle Rechnungen bezahlen. Damit sind rund 590.000 Personen in Baden-Württemberg überschuldet oder von Überschuldung bedroht, so Zimmermann. Bundesweit hatten rund 5,8 Millionen Personen Zahlungsprobleme. 

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