Besonders schön ist das Allgäu von oben. Davon kann man sich bei einer Ballonfahrt überzeugen. Foto: dpa

So schön, so grün, so weit. Die Landschaft des Württembergischen Allgäu ist voller Poesie.

Kißlegg - So schön, so grün, so weit. Es gibt Orte, die das Herz berühren und der Seele gut tun. Kaum eine andere Landschaft strahlt einen derart meditativen Charakter aus wie das Württembergische Allgäu. Die Landschaft mit den malerischen Seen, saftigen Almwiesen und geheimnisvollen Mooren ist voller Poesie.

Wenn früh morgens die ersten Sonnenstrahlen über die Berge klettern und den neuen Tag in ein märchenhaftes Licht tauchen, entfaltet die Region zwischen Donau, Bodensee und Alpen einen ganz besondern Zauber. Jetzt ist die beste Zeit, den Alltag hinter sich zu lassen. Einfach abheben und zwischen Himmel und Erde schweben. Kaum ein anderes Erlebnis ist so faszinierend, als schwerelos im Ballon mit der aufgehenden Sonne in den Himmel zu steigen. Federleicht gleitet der Ballon über die wellige Landschaft, die sich aus einem Meer voller Nebel erhebt. Ganz still ist es, nur das Säuseln des Windes ist zu hören. Eingebettet in das satte Grün der Almwiesen, heben sich Seen wie blaue Augen von der Landschaft ab. Dort ein kleines Dorf, da ein Einödhof, dazwischen nur Wiesen und Wälder. Aber es wird noch besser. Am Horizont wartet ein Traum von einem Panorama: Majestätisch zeichnen sich die schneebedeckten Gipfel der Alpen im Tiefblau des Himmel ab. Das sind in der Tat himmlische Aussichten. Man möchte ewig zwischen Himmel und Erde schweben.

Auf Lehrpfad lernt man die Vegetation Moore kennen

Hat man wieder festen Boden unter den Füßen, steht der Ballonfahrertaufe nichts im Wege. Danach geht die Entdeckungsreise weiter. In Eglofs sollte man unbedingt einkehren. In keinem anderen Flecken ist das Ällgäuer Lebensgefühl so lebendig wie in dem kleinen Örtchen auf der Erhebung Argenbühl. Hier herrscht sonnige Gelassenheit, von Hektik keine Spur. Die Menschen sind stolz und eigensinnig, aber herzlich. Wie Josef Ellgass, Gastwirt der Hofwirtschaft Löwen. Auf sein Rindfleisch ist er besonders stolz. Und er verrät uns sein Geheimnis: Seine Rinder - Pinzgauer Rasse aus dem Salzburgerland - weiden auf der Alpe Hörmoos, auf der besondere Kräuter wachsen. "Das schmeckt man im Fleisch", ist Ellgass überzeugt. "Unsere Weiderinder werden nicht gemästet, sondern leben nur von Gras und Heu." Überhaupt, der Ellgass und seine Tiere, das ist eine ganz besondere Beziehung. Der Blick des stämmigen Wirts wird sanft, als er über seine Rinder spricht. "Zartes, saftiges Fleisch, nur vom Besten", sagt Ellgass, während er seinen Gästen Rindfleischsuppe offeriert.

Genießernaturen werden sich in Kißlegg wohlfühlen. Rund um Kißlegg befinden sich zahlreiche Weihen und Seen, die zusammen die Kißlegger Seenplatte bilden. Die vielfältige Flora und Fauna lässt sich am besten bei einer Rad- oder Wandertour erschließen. Zwischen den Seen winden sich kleine Straßen und Wege, die zum Entdecken einladen, vorbei an abgelegenen Weilern und Einödhöfe, auch Wegkreuze und kleine Kapellen wie sie für das Allgäu so typisch sind, säumen den Weg. Auf dem Naturlehrpfad Arrisrieder Moos lernt man die typische Vegetation der Moore kennen.

Pilgerweg verbindet 100 Wallfahrtsorte und Klöster

Wer die Arbeits- und Lebensverhältnisse von anno dazumal kennenlernen möchte, sollte dem Bauernhaus-Museum Wolfegg einen Besuch abstatten. Über 15 historische Gebäude mit original eingerichteten Stuben, Küchen, Kammern und Ställen erzählen die lebendige Geschichte von Bauern, Mägden, Knechten und Dorfhandwerkern. Wie das von Pauline Andrinet, die bis in die 1970er Jahre in ihrem Landweberhaus am offenen Herd kochte und nie einen Stromanschluss oder fließendes Wasser besaß.

Nur einen Steinwurf von Bad Wurzach entfernt liegt Gospoldshofen. Idyllisch gelegen, umgeben von satten grünen Weiden. Allgäuer Landschaft wie man sie von Postkarten kennt. Hier findet man die glücklichen Kühe. Deshalb schmeckt der Käse ja auch so gut. Bereits in der dritten Generation wird die Käserei Gospoldshofen von der Familie Vogler bewirtschaftet. In der Schaukäserei führt der Chef Jörg Vogler höchstpersönlich in die Geheimnisse des Käsens ein. So erfährt man, warum man bei echtem, handgemachten Rohmilchkäse die Jahreszeiten schmecken kann. Anschließend kann man sich vom guten Käse im Sennerstüble überzeugen lassen. Deftige Vesper und regionale Spezialitäten, wie die wunderbaren selbstgemachten Kässpätzle, sollte man sich keinesfalls entgehen lassen.

Pilgerweg verbindet 100 Wallfahrtsorte und Klöster

Was aber wäre das württembergische Allgäu ohne seine Heiligen, Kapellen und Barockkirchen? In vielen Winkeln vermischt sich noch heute der Glaube an Teufel, Magie und Wunder mit kirchlicher Frömmigkeit. Der 40 Kilometer lange Themenweg "Zwischen Himmel und Hölle" führt zu Glaubensstätten, an denen sich skurrile Geschichten von Heiligen Leibern, Teufelspakten und mythischen Rasenkreuzen zugetragen haben. So findet man auch noch heute den Brauch der Besenkapellen. Wer von Hautkrankheiten geplagt ist, soll schweigend einen Besen in die Kapelle bringen - damit ist die Krankheit quasi weggefegt.

Weil Pilgern seit einigen Jahren wieder in Mode gekommen ist und Oberschwaben sich wegen seiner vielen Klöster, Kirchen und Kapellen ein Mekka für Wallfahrer ist, gibt es seit neustem den Oberschwäbischen Pilgerweg. Unter dem Motto "Gehen - Beten, zu sich und zu Gott finden" wurden über 100 Wallfahrtsorte und Klöster miteinander vernetzt. So kommen locker über 1000 Kilometer zum Pilgern und Wallfahren zusammen.

Ganz egal ob zu Lande oder in der Luft, als Pilger oder Urlauber, ob sportlich-aktiv oder zum Wellnessen: Dank seiner vielen Facetten bietet das württembergische Allgäu alles, was zu einem perfekten Urlaub gehört. Da gibt es eigentlich keinen Grund mehr, woandershin zu fahren.

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