Auf dem Seeländer-Areal in Herrenberg entsteht bis in knapp zwei Jahren zentrumsnah ein modernes Wohn- und Geschäftshaus. Foto: factum/Granville

Zwar werden Eigenheime noch etwas teurer. Die Kreissparkasse nimmt aber an, dass Käufer nicht mehr mit so hohen Steigerungsraten rechnen müssen wie bisher.

Böblingen - „Der Immobilienmarkt wird sich künftig ein Stück weit normalisieren“, prognostiziert Michael Tillmann, das Vorstandsmitglied der Kreissparkasse (KSK) Böblingen. Und das sei die gute Nachricht für eine Familie, die sich im Landkreis ein Eigenheim zulegen wolle: „Wir werden nicht mehr diese Preissteigerungen haben wie in den Vorjahren“, erläutert Tillmann die Lage aus seiner Sicht. Der Grund: In absehbarer Zeit werden fast überall im Kreis neue Wohnhäuser entstehen und Neubaugebiete aus dem Boden gestampft. „Es ist da einiges in der Pipeline“, unterstreicht Uwe Nageler, den Tillmann als den „Mister Immobilien der Kreissparkasse“ bezeichnet.

Günstiges Szenario für Kaufwillige

Laut Nageler gibt es zudem zunehmend Wohnungen und Häuser auf dem Mark, bei denen potenzielle Interessenten wegen der hohen Preisforderungen und einem hohen Renovierungsstau abspringen. Es werde nicht mehr jede Summe bezahlt. Die Kreissparkasse mache auch nicht mehr jede Finanzierung mit, fügt Oliver Braun hinzu, der KSK-Geschäftsbereichsleiter Immobilien- und Vermögensmanagement. „Wir hätten mehr Darlehen abschließen können“, stellt Braun fest. Doch hielten es seine Mitarbeiter für wichtig, solide Verträge abzuschließen. Und dazu gehöre nun einmal etwa 20 Prozent Eigenkapital. Einer Finanzierung zu hundert Prozent stimme die KSK nur in sehr seltenen Fällen zu. „Da muss schon noch ein anderes Vermögen vorhanden sein“, sagt Braun.

Generell bietet sich den Kaufwilligen, die im Kreis eine Immobilie suchen, ein günstiges Szenario. „Wegen der nach wie vor niedrigen Zinsen. Und nicht zuletzt wegen den gebremsten Preissteigerungen“, erklärt Nageler, der Leiter des KSK-Immobilienvertriebs. Die Kaufpreise seien für ein neues Eigenheim im Kreis in diesem Jahr zwischen drei und fünf Prozent gestiegen. Im Vorjahr lag die Teuerungsrate im Schnitt noch bei zehn Prozent.

Käufer sollen keine Maklergebühr mehr bezahlen

Ferner könnte ein Gesetzentwurf einen weiteren finanziellen Vorteil für einen künftigen Eigentümer mit sich bringen. Immobilienmakler sollen dann nur noch wie beim Mietgeschäft vom Verkäufer beauftragt werden. Der Käufer müsste somit keine Maklergebühr mehr bezahlen. „Wie sich das Ganze auswirkt, müssen wir erst noch sehen“, meint Tillmann. Soll heißen: Ob der Verkäufer seinen Preis für die Immobilie um die Gebühr erhöht. Die immer noch weitaus höhere Nachfrage im Vergleich zum Angebot im Landkreis könnte die Verkäufer dazu bewegen, heißt es unter Immobilienexperten.

Die KSK Böblingen jedenfalls vermittelte in diesem Jahr neun Objekte weniger als noch im Vorjahr: 312 – weil der Markt „viele Wünsche offen lässt“, wie die KSK-Chefetage diagnostiziert. Darunter sind auch fünf Grundstücke und 38 gewerbliche Immobilien. Bisweilen werden die Makler der KSK von Investoren eingeschaltet, die Wohn- und Geschäftshäuser bauen. Im September etwa war der erste Spatenstich auf dem Herrenberger Seeländer-Areal. Das Gelände wird in den nächsten zwei Jahren viergeschossig überbaut. In dem Gebäudeensemble wird es neben einem Einzelhandelsgeschäft auch Büros und Wohnungen geben. Die Stadtplaner Herrenbergs nennen das Vorhaben ein „Leuchtturmprojekt“, weil es die Gewerbeansiedlung ermöglicht, aber vor allem auch stadtnahes Wohnen.

Wohnraum für tausend Menschen in Weil im Schönbuch

Die Nachfrage ist auch in kleineren Kommunen groß, etwa in Gärtringen, Grafenau, Holzgerlingen, Schönaich und nicht zuletzt in Weil im Schönbuch, wo man ganz groß in den Wohnungsbau einsteigen möchte. Äcker und Wiesen unweit der Hauptstraße werden als Bauland erschlossen. Auf 15 Hektar sind Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Doppelhäuser für rund tausend Menschen geplant.

Die Preisspannen sind enorm – es kommt auf die Lage an

Gebrauchte Immobilien:
Eine Eigentumswohnung in den großen Kreisstädten mit einem Vorbesitzer kostet zwischen 1600 und 4100 Euro pro Quadratmeter. Günstiger sind die Objekte in Bondorf (1200 Euro bis 2500 Euro pro Quadratmeter). Noch breiter ist die Spanne bei gebrauchten, freistehenden Häusern. Für sie werden laut der Sparkasse Böblingen in den großen Kreisstädten zwischen 300 000 Euro und zwei Millionen Euro bezahlt. Entscheidend ist stets die Lage. In Bondorf sind für alleinstehende Wohnhäuser Preise zwischen 150 000 Euro und 850 000 Euro üblich.

Neubauten
: Eine neue Eigentumswohnung in Böblingen, Leonberg und Sindelfingen kostet zwischen 4000 und 5500 Euro pro Quadratmeter. In Herrenberg liegt der preis zwischen 3700 und 5300 Euro (Bondorf zum Vergleich: 3200 bis 4500 Euro). Für ein Doppelhaus in Herrenberg fallen 550 000 bis und 800 000 Euro an, in den anderen drei großen Städten 600 000 bis 800 000 Euro.

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