Läuft hier alles richtig? Deutsche Apotheker behaupten, beim Versand von Medikamenten aus dem Ausland würden Hitzeregeln nicht eingehalten. Foto: dpa

Apotheker beklagen, dass EU-Richtlinien für den Hitzeschutz bei der Lieferung von online bestellten Medikamenten nicht angewendet werden. Die Versandhändler halten dagegen und führen an, das Risiko einschätzen zu können.

Berlin - Apotheker und Pharmagroßhändler warnen vor Medikamenten aus ausländischen Netzapotheken. Ihre Begründung: Die Wirkung der Mittel könne durch den Transport mit normalen Paketdiensten bei großer Hitze in Mitleidenschaft gezogen werden. Andreas Kiefer von der Bundesapothekenkammer sagt dazu: Es sei ein Fakt, dass beim ­Versandhandel die vorgeschriebenen Lagerbedingungen nicht eingehalten würden.

Leitlinien der EU legen für den Großhandel fest, welche Bedingungen für die Lagerung von Arznei gelten. Für die meisten Mittel gilt, dass sie nie über 25 Grad und unter 15 Grad gelagert werden dürfen. Der Großhandel bringt die Medikamente zu den Apotheken. Durch den Apotheken-Versandhandel hat sich 2004 aber eine weitere Gruppe der Arzneimittel-Transporteure auf dem Markt etabliert. Für ihn gelten die Leitlinien nicht.

Versandapotheken weisen die Kritik zurück

Diese Lücke versucht das gerade verabschiedete Apotheken-Stärkungsgesetz zu schließen. Es legt fest, dass ein Medikament „so verpackt, transportiert und ausgeliefert wird, dass seine Wirksamkeit erhalten bleibt“. Allerdings ist das Gesetz schwammig formuliert. So soll die Einhaltung der Bedingung „bei besonders temperaturempfindlichen Arzneimitteln“ nur „soweit erforderlich“ nachgewiesen werden. Kammer und Verband fordern Nachbesserungen.

Thomas Trümper vom Großhändlerverband spricht von „Wettbewerbsverzerrung“. Der Großhandel werde von den Behörden intensiv kontrolliert. „Gleichzeitig verschickt der ausländische Versandhandel seine Medikamente mit Paketdiensten. Das kann viele Stunden Transport in heißen Autos bedeuten.“

Die Versandapotheken weisen die Kritik zurück. Bei extremen Außentemperaturen komme es bei fast allen Transporten zu Temperaturüberschreitungen. Entscheidend sei, „ob das Risiko für die Wirksamkeit kompetent eingeschätzt werden kann“. Dies sei bei Versandapotheken der Fall.

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