Am Gardasee haben die Behörden Mücken-Alarm gegeben: Zwei Fälle von Dengue-Fieber sind bereits gemeldet worden (Symbolbild). Foto: Imago/Itar-Tass/Mikhail Kutuzov

Am Gardasee in Norditalien sind zwei Fälle vom Dengue-Fieber gemeldet worden, das Mücken übertragen. Das Auswärtige Amt gibt eine Warnung für die Region heraus. Was Reisende jetzt beachten müssen.

Hohes Fieber, Gliederschmerzen, Hautausschläge:Das sind typische Symptome von Dengue-Fieber, das im schlimmsten Fall zum Tode führen kann. Innerhalb kurzer Zeit sind am Gardasee in der norditalienischen Region Lombardei zwei Menschen mit der gefährlichen Viruserkrankung diagnostiziert und die Alarmstufe in der Region erhöht worden, wie lokale Medien berichten.

Wo werden Fälle von Dengue-Fieber am Gardasee gemeldet?

In den beiden betroffenen Gemeinden Manerba und Padenghe wird nach Behördenangaben nun mit Pestiziden gegen die Mücken vorgegangen. Zudem sei eine Anti-Mücken-Verordnung erlassen worden, an die sich die Bevölkerung halten soll.

Da sich Mücken in stehenden, warmen Gewässern am besten vermehren, sind die Bewohner aufgefordert, Wasseransammlungen jeder Art zu vermeiden. Moskito-Netze an Fenstern und Türen sollen das Eindringen der Blutsauger verhindern.

Warum rät das Auswärtige Amt zur Vorsicht?

Das Auswärtige Amt in Berlin weist in einem aktuellen Italien-Reiseratgeber darauf hin, dass dort vereinzelt Dengue-Fieber übertragen wird. Den Angaben zufolge soll es in ganz Italien in diesem Jahr schon etwa 50 Fälle der Tropenkrankheit gegeben haben, drei davon in Norditalien.

Auf der Webseite des Auswärtigen Amtes heißt es: „Dengue-Viren werden vereinzelt in Italien durch tagaktive Aedes-Mücken übertragen. Die Erkrankung geht in der Regel mit Fieber, Hautausschlag sowie ausgeprägten Gliederschmerzen einher. In seltenen Fällen treten insbesondere bei Kindern schwerwiegende Komplikationen inkl. möglicher Todesfolge auf. Insgesamt sind Komplikationen bei Reisenden jedoch selten.“

Weiter rät das Auswärtige Amt Italien-Reisenden:

"Eine Chemoprophylaxe und eine spezifische Therapie existieren nicht. Eine Impfung ist verfügbar, siehe Dengue-Fieber. Schützen Sie sich zur Vermeidung von Dengue-Fieber im Rahmen einer Expositionsprophylaxe insbesondere tagsüber konsequent vor Mückenstichen. Lassen Sie sich bezüglich einer Impfung von Tropen- und/oder Reisemedizinern beraten.“

Der Gardasee ist auch bei Deutschen eine beliebte Ferienregion. Foto: Imago/Michael Bihlmayer
Tigermücken können Dutzende Krankheitserreger übertragen, darunter potenziell tödliche Erreger wie das Zika- und Dengue-Virus. Foto: Imago/Geyres Christophe/Abaca
Eine Infektion kann zu hohem Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen führen, was tödlich enden kann. Außerdem kann ein Stich des Insekts das Chikungunya-Fieber auslösen, das mit hohem Fieber und Gliederschmerzen einhergeht und sich chronifizieren kann. Foto: Imago/Geyres Christophe/Abaca
Voraussetzung ist, dass die Mücke zuvor einen Wirt gestochen hat, der den Erreger in sich trägt. Foto: Imago/stock&people

Was empfiehlt der ADAC?

Die Reisemediziner des ADAC raten Urlaubern in der auch bei Deutschen beliebten Urlaubsregion zu einem guten Mückenschutz – auch tagsüber. „Unter anderem kommt es auf die richtige Kleidung an. Sie sollte möglichst viel Körperoberfläche bedecken. Mückenschutzmittel und Mückennetze helfen ebenfalls.“

Sich kurz vor dem Urlaub noch gegen Dengue-Fieber impfen zu lassen, ergebe wenig Sinn, warnen die Reisemediziner, da die Impfung zweimal erfolgen muss. Zudem entfaltet die Impfung erst zwei Wochen nach der zweiten Infusion ihre volle Wirkung. Außerdem liegt bislang noch keine offizielle Empfehlung für die Impfung der Gesellschaft für Tropenmedizin vor.

Wie gefährlich stuft die WHO die Lage ein?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist wegen der Ausbreitung des Dengue-Virus, auch in Europa, besorgt. Das Fieber wird von Aedes-Stechmücken übertragen, die in tropischen und subtropischen Klimazonen zuhause sind. Sie verbreiten sich aber weltweit.

Seit dem Jahr 2000 habe sich die Zahl der jährlichen Fälle verachtfacht, auf geschätzt 4,2 Millionen im vergangenen Jahr, sagt Raman Velayudhan, Leiter der WHO-Abteilung für vernachlässigte Tropenkrankheiten, am Freitag in Genf. „Inzwischen ist die Hälfte der Weltbevölkerung einer Dengue-Gefahr ausgesetzt.“

Wie viele Fälle von Dengue-Fieber gibt es?

Krankenhaus mit Dengue-Fieber-Patienten in Bangladesch. Foto: Imago/Abu Sufian Jewel
Insgesamt geht die WHO von bis zu 400 Millionen Infektionen weltweit aus. Schätzungen sind schwierig, weil 80 Prozent der Betroffenen bei einer ersten Infektion kaum oder nur milde Symptome haben und gar nicht zum Arzt gehen. Foto: Imago/Abu Sufian Jewel

In der WHO-Europaregion gab es schon lokale Ansteckungen in rund zwei Dutzend Ländern, darunter Spanien und Frankreich. In diesem Jahr wurden nach Angaben der europäischen Gesundheitsbehörde ECDC noch keine lokalen Ansteckungen gemeldet.

Hitzewellen mit besonders hohen Temperaturen trockneten Brutstätten der Mücken eher aus und verringerten das Risiko, gestochen zu werden, erklärt Velayudhan. Er ruft alle Länder auf wachsam zu sein, wenn wieder Regen einsetzt. Die Mücken brüten in stehendem Wasser.

Insgesamt geht die WHO von bis zu 400 Millionen Infektionen weltweit aus. Schätzungen sind schwierig , weil 80 Prozent der Betroffenen bei einer ersten Infektion kaum oder nur milde Symptome haben und gar nicht zum Arzt gehen. Sie sind dann zwar gegen eines der vier Dengue-Viren immun.

Wie verläuft eine Infektion mit dem Dengue-Virus?

Bei einer zweiten Ansteckung mit einem der anderen drei Viren könne die Krankheit aber schwerer verlaufen und lebensgefährlich sein, sagte Velayudhan. Dengue-Fieber wurde früher Knochenbrecher-Fieber genannt, weil es starke Gliederschmerzen verursachen kann.

Nord-, Zentral- und Südamerika hätten in diesem Jahr bis Juli schon so viele Infektionen und Todesfälle gemeldet wie im ganzen vergangenen Jahr, berichtet Velayudhan. 2022 waren es 2,8 Millionen Infektionen und 1280 Todesfälle.

Wie wird Dengue-Fieber behandelt?

Gegen Dengue gibt es keine Medikamente - außer solche nicht, die das Fieber senken. Foto: Imago/Salim
Der gängige Schutz ist es, die Mückenbrut mit Insektiziden auszurotten. Doch da die Mücken zunehmend immun werden, ist die Wirkung des Giftes begrenzt. Foto: Imago/Chaiwat Subprasom

Gegen Dengue gibt es keine Medikamente, außer solche, die das Fieber senken. WHO-Mitarbeiter Velayudhan verweist auf einen auf dem Markt befindlichen Impfstoff, der aber erst nach einer ersten Infektion Schutz bietet. Dengvaxia ist je nachdem, mit welchem anderen Virus man sich infiziert, mehr oder weniger effektiv.

Nach Angaben des für Deutschland zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) ist er für Menschen zwischen 9 und 45 Jahren bestimmt, die in Gebieten leben, in denen Dengue stark verbreitet ist.

Das PEI verweist zudem auf einen weiteren Impfstoff, namens Qdenga, der in Deutschland Menschen ab vier Jahren gespritzt werden darf, auch schon vor einer ersten Dengue-Infektion. Er wurde in der EU im Dezember 2022 zugelassen.

Raman Velayudhan rät, sich mit Mückenspray zu schützen und in der Hausumgebung stehendes Wasser zu vermeiden, weil die Mücken darin brüten. Sie stechen tagsüber, deshalb seien Moskitonetze zum Schlafen gegen diese Mücken nicht wirkungsvoll.

Info: Mücken als Überträger des Dengue-Virus

Virus
Das Denguefieber, kurz Dengue, ist eine Krankheit, deren Ursache eine Infektion mit dem Dengue-Virus ist. Bei dem Virus handelt es sich um ein 40 bis 60 nm großes, behülltes RNA-Virus mit positiver Polarität aus der Familie der Flaviviren.

Mücken
Die wichtigsten Überträger der Dengue-Fieber-Viren sind die Weibchen der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti, auch Ägyptische Tigermücke oder Denguemücke genannt) und der sich auch in Europa ausbreitenden Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus). In bestimmten Regionen kommen weitere Mückenarten als Überträger von Denguefieber infrage, zum Beispiel die Polynesische Tigermücke (Aedes polynesiensis) im südlichen Pazifik oder Aedes scutellaris in Neuguinea.

Tigermücke
Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC warnt wegen der sich verändernden klimatischen Bedingungen in Europa vor einem steigenden Risiko für durch Mücken übertragene Krankheiten. Vor allem die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) breite sich in Europa weiter Richtung Norden und Westen aus, teilt die in Stockholm ansässige Behörde mit. Die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) hat sich demnach auf Zypern etabliert und könnte sich auch auf andere europäische Länder ausbreiten.

Mücken-Population
Grund für die wachsende Gefahr ist der Klimawandel. Europa wird wärmer. Hitzewellen und Überschwemmungen werden häufiger und heftiger. Sommer werden länger und wärmer, wie das ECDC in seinem jüngsten Bulletin schreibt. Dies erzeuge günstigere Bedingungen für invasive Mückenarten wie eben Aedes albopictus und Aedes aegypti.

Invasive Art
Vor zehn Jahren ist die Asiatische Tigermücke demnach in acht europäischen Ländern nachgewiesen worden – heute seien es 13. Die Zahl der betroffenen Regionen hat sich demnach in dem Zeitraum fast verdreifacht.

Verbreitung
In den vergangenen Jahren habe man eine geografische Ausbreitung invasiver Mückenarten in zuvor nicht betroffenen Gebieten in der EU beobachtet, erklärt ECDC-Direktorin Andrea Ammon. „Wenn das so weitergeht, können wir mit mehr Fällen und möglicherweise Todesfällen durch Krankheiten wie Dengue-, Gelbfieber, Zika-Viren, Chikungunya- und West-Nil-Fieber rechnen.“

Krankheiten
In Südeuropa ist die Asiatische Tigermücke schon länger heimisch. Seit wenigen Jahren breitet sie sich auch in Deutschland aus. Sie kann Dutzende Krankheitserreger übertragen, darunter potenziell tödliche Erreger wie das Zika-und Dengue-Virus. Eine Infektion kann zu hohem Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen führen, was tödlich enden kann. Außerdem kann ein Stich des Insekts das Chikungunya-Fieber auslösen, das mit hohem Fieber und Gliederschmerzen einhergeht und sich chronifizieren kann. Voraussetzung ist, dass die Mücke zuvor einen Wirt gestochen hat, der den Erreger in sich trägt.

Krankheitsfälle
In Deutschland hat es bisher keinen bekannten Fall einer solchen Ansteckung gegeben, in anderen Staaten allerdings schon: So wurden in Südfrankreich mehrfach Zika-Infektionen durch dort heimische Tigermücken gemeldet. Nachgewiesene Dengue-Infektionen gab es auf Madeira und in Kroatien sowie in Frankreich. Auch Chikungunya-Ausbrüche sind im Mittelmeerraum registriert worden. Weil der Erreger in Stechmücken in Deutschland überwintern kann, rechnen Experten mit zunehmenden Fallzahlen bis hin zu größeren saisonalen Erkrankungswellen. In süd- und südosteuropäischen Ländern gibt es derartige Ausbrüche schon seit Jahren.

Einwanderung
Die wärmeliebende Asiatische Tigermücke war erstmals im September 2007 an einem Rastplatz der Autobahn A5 (Basel-Karlsruhe) bei Weil am Rhein gefunden worden. Seitdem häuften sich die Fälle, insbesondere in Südwestdeutschland. Aus dem Jahr 1979 stammt nach Angaben der European Mosquito Control Association (EMCA) der erste europäische Nachweis der Tigermücke in Albanien. 1990 wurde es in einer Ladung gebrauchter Reifen aus den USA in den Hafen von Genua eingeschleppt. Auch der Campingtourismus aus Südeuropa ist bei den stechenden Globetrottern äußerst beliebt und führt zur raschen Verbreitung in nördlicheren Gefilden.