Meterhoch schlagen die Flammen aus dem Dachstuhl des ehemaligen Schafstalls. Foto: SDMG

Die Sanierung des denkmalgeschützten Schafstalls und der Umbau zu einem Veranstaltungszentrum war ein Vorzeigeprojekt der Jugendhilfeeinrichtung Ziegelhütte. Jetzt ist das Gebäude nur noch Schutt und Asche.

Bissingen - Um 10.30 Uhr fällt auch die letzte Wand in sich zusammen. Das geschieht nicht laut und krachend. Es ist eher ein leichtes Seufzen, das die wechselhafte Geschichte des mehr als 200 Jahre alten Ochsenwanger Schafstalls auf der Schwäbischen Alb endgültig beschließt. Nur noch ein paar verkohlte Stützpfeiler sind von dem Gebäude übrig, das Jugendliche der benachbarten Jugendhilfeeinrichtung Ziegelhütte zuletzt in zweijähriger Projektarbeit versucht haben, zu einem Veranstaltungszentrum auszubauen.

Beißender Brandgeruch hält sich hartnäckig am nebelverhangenen Albtrauf über dem Randecker Maar. „Da war nichts mehr zu retten“, sagt Ralf Fedderau, der Einsatzleiter der Ochsenwanger Feuerwehr. Als seine Leute um 4 Uhr an der Einsatzstelle ankommen, rollen die Kollegen vom benachbarten Lenninger Teilort Schopfloch schon die Schläuche aus. Der unter Denkmalschutz stehende ehemalige Schafstall brennt zu diesem Zeitpunkt schon lichterloh. Meterhoch schlagen die Flammen aus dem neu gezimmerten Dachstuhl.

Den 55 Einsatzkräften bleibt nur noch, die angrenzenden Gebäude vor den Flammen zu schützen und zu verhindern, dass die im Gebäude gelagerten Gasflaschen explodieren. Das gelingt nur zum Teil, ändert aber nichts an der ernüchternden Bilanz, die Fedderau nach dem siebenstündigen Einsatz zieht. „Das ist ein Vollbrand mit Totalschaden“, sagt er. Immerhin seien in den Flammen keine Menschen zu Schaden gekommen. Zur möglichen Brandursache will Fedderau keine Angaben machen. „Das ist Sache der Polizei“, sagt er.

Totalschaden, nicht nur aus materialler Sicht

Einen Totalschaden, nicht nur aus materieller Sicht, beklagt auch Hendrik van Woudenberg, der Geschäftsführer der Stiftung Ziegelhütte. Für den Leiter der Erziehungshilfeeinrichtung liegt ein Traum in Schutt und Asche. Zwei Jahre lang haben Jugendliche und Handwerker gemeinsam am Wiederaufbau des heruntergekommenen Schafstalls gearbeitet. In dem weit fortgeschrittenen Projekt stecken nicht nur viele Spendengelder, sondern auch unzählige Arbeitsstunden. Die emotional und sozial aus der Bahn geworfenen Ziegelhütte-Jugendlichen, für die der Aufenthalt auf der Schwäbischen Alb die letzte Chance ist, in der Gesellschaft wieder Fuß zu fassen, haben laut van Woudenberg an dem Projekt mit Herz und Hand gelernt. „Und sie haben gelernt, dass es Durchhaltevermögen und Einsatz erfordert, um in der Arbeitswelt zu bestehen“, sagt er.

Erst im Juli dieses Jahres war auf der Schwäbischen Alb Richtfest gefeiert worden. Rund 1,14 Millionen Euro wollte die Ziegelhütte in den ersten Bauabschnitt, in die Sicherung der Substanz, im Umbau des Dachgeschosses in einen Veranstaltungssaal und in den Bau von Treppe und Sanitärräume stecken. Zum Zeitpunkt des Brandes waren den Worten van Woudenbergs zufolge 365 000 Euro verbaut. „Wir waren auf einem guten Weg, auch den Rest noch finanziert zu bekommen“, sagt van Woudenberg. Statt des Aufbaus steht jetzt die versicherungstechnische Abwicklung ganz oben im Pflichtenheft. Den Schafstall hatte die Ziegelhütte in Erbpacht von der Eigentümerin, der Gemeinde Bissingen, übertragen bekommen. Deren Bürgermeister, Marcel Musolf, war am Mittwoch um 5.30 Uhr vor Ort gewesen, um sich ein Bild von dem Schaden zu machen.

Kniffliger Versicherungsfall

„Wenn man weiß, wie viel Herzblut und Arbeit hier in gerade mal einer Stunde vernichtet worden ist, dann ist das schon bitter“, sagt der Schultes. Bitter könnten auch die Verhandlungen mit der Versicherung werden. Die Gemeinde Bissingen ist formal nur Eigentümer der nackten Grundstücksfläche. Die von der Ziegelhütte darauf getätigten Investitionen stehen versicherungsrechtlich auf einem anderen Blatt. „Die Baustelle war ja eigentlich noch nicht abgewickelt“, sagt Musolf.

Tatsächlich sind die Projektbeteiligten mitten aus der Arbeit gerissen worden. „Wir hatten uns gerade mit dem Denkmalschutz geeinigt und wollten heute die Fassadenfenster für die Stirnseite bestellen“, sagt Hendrik van Woudenberg. Als er am Brandort eintrifft, sieht er nur noch rauchende Trümmer. Die Mauern sind weggebrochen. Nur das Baugerüst steht noch sinnentleert in der grauen Alblandschaft.

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