Jubel über den Sieg: die Volleyballerinnen von Allians MTV Stuttgart. Foto: Baumann

Die Stuttgarter Volleyballerinnen gewinnen das erste Halbfinale gegen Aachen und wissen doch, dass sie sich noch steigern müssen.

Stuttgart - Nach dem 3:1-Erfolg (24:26, 25:19, 26:24, 25:16) von Allianz MTV Stuttgart über die Ladies in Black Aachen im ersten Play-off-Halbfinale steht fest: Es wird mindestens ein weiteres Heimspiel in der Scharrena geben. Entweder das entscheidende dritte Halbfinal-Duell (14. April) – oder bereits das erste von maximal fünf Spielen der Finalserie (21. April). Das Ziel ist klar: Die Stuttgarter Volleyballerinnen wollen endlich rauf aufs oberste Podest, um im Goldkonfetti-Regen die Meisterschale entgegen zu nehmen. Auf dem Weg dorthin spielen drei Faktoren eine wichtige Rolle.

Der breite Kader Wie gut es ist, starke Spielerinnen in der zweiten Reihe zu haben, hat sich gegen Aachen gezeigt. Ab dem dritten Satz setzte Außenangreiferin Renáta Sándor vor allem in der Annahme und in der Abwehr Akzente, nachdem sie für Michaela Mlejnková eingewechselt worden war – die Tschechin ist derzeit nicht in der Form der vergangenen Saison. Julia Schaefer kam für Molly McCage immer wieder als erfolgreicher Aufschlag-Joker. Und nach der Sprunggelenksverletzung von Libera Teodora Pušic in der Schlussphase des vorentscheidenden dritten Durchgangs (als der MTV einen 20:23-Rückstand aufholte), musste plötzlich Talent Annie Cesar ran. „Auf den Punkt fit und bereit zu sein, dafür trainiere ich ja fleißig“, sagte sie mit einem Augenzwinkern. Die 20-Jährige, die vergangene Saison noch zum Zweitliga-Kader des Clubs gehört hatte, war durchaus erleichtert darüber, wie sie sich präsentiert hatte – zumal sie durch die Folgen einer Erkältung gehandicapt gewesen ist.

Sollte sich die Verletzung der serbischen Nationalspielerin Pušic als gravierender herausstellen, muss Cesar schon im Rückspiel am Samstag (18 Uhr) in der Stoengoed-Arena im belgischen Maaseik (die Aachener Sporthalle ist für Play-off-Spiele nicht zugelassen) eine noch wichtigere Rolle ausfüllen – dann von Beginn an. „Ich traue ihr das durchaus zu“, sagt Trainer Giannis Athanasopoulos, „auch wenn ihr naturgemäß die Erfahrung auf diesem Niveau fehlt.“

Fluch oder Segen?

Der merkwürdige Terminplan Im steten Streben nach mehr Aufmerksamkeit versuchen die Funktionäre in der Randsportart Volleyball viel, oft sind die Veränderungen nachvollziehbar. Seltsam allerdings ist die aktuelle Ansetzung der Play-off-Spiele, auch wenn diese durch die Live-Übertragungen auf Sport 1 (für welche die Clubs einen Großteil der Kosten selbst übernehmen müssen) und das Ziel, möglichen Finalisten im CEV-Cup genügend Erholungszeiten zu garantieren, beeinflusst ist. Das führte zu der schwer nachvollziehbaren Situation, dass die DM-Halbfinalisten erst drei Tage vor dem ersten Spiel wussten, wann und gegen wen sie antreten werden. Und sollte ein Team das Finale bereits nach zwei Spielen erreichen, würde eine zweiwöchige Pause warten – weil die von den Zuschauern weniger angenommenen Mittwochstermine vermieden werden sollten. Fluch oder Segen? Einerseits müssten die Mannschaften dann gegen einen eventuellen Spannungsabfall kämpfen. Andererseits könnten in dieser Pause etwaige Verletzungen auskuriert werden. Wie bei Teodora Pušic.

Die Fehlerquote Und dann gibt es immer noch einen Faktor, den die Spielerinnen selbst entscheidend beeinflussen können – ihren eigenen Auftritt. Vor allem im ersten Satz hatten sich die Stuttgarterinnen gegen die Gäste aus Aachen enorm schwer getan, viele Aufschlagfehler produziert und die gewohnte Präzision vermissen lassen. „Wir haben erst im letzten Durchgang unser eigentliches Niveau erreicht“, meinte Sportdirektorin Kim Renkema, „das war ein hartes Stück Arbeit.“ Doch genau daraus schöpft das MTV-Team auch Hoffnung für eine etwaige Endspielserie gegen den Dresdner SC oder den SSC Schwerin. „Wir haben gezeigt, das wir kämpfen können“, sagte Spielführerin Deborah van Daelen. Und Trainer Athanasopoulos rechnete vor: „Von 30 Fehlern haben wir 14 alleine im ersten Satz gemacht. Das passiert uns nicht noch einmal.“

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