Solch riesigen Schiffsantriebe montiert Voith am Stammsitz Heidenheim. Foto: dpa

Der Maschinenbauer Voith, der sich selbst als Investor bei dem Roboterhersteller Kuka sieht, fordert eine „ergebnisoffene Prüfung“ des Offerte des chinesischen Midea-Konzerns. Auch im ersten Halbjahr lief für den Maschinenbauer nicht alles rund.

Stuttgart - Der Maschinenbauer Voith, Großaktionär des Roboterherstellers Kuka, fordert vom Kuka-Vorstand eine „wirklich ergebnisoffene Prüfung“ des Übernahmeangebots des chinesischen Midea-Konzerns. Der chinesische Hausgeräte- und Klimaanlagenhersteller hatte die Offerte Mitte Mai angekündigt, bisher liegt das konkrete Angebot aber noch nicht vor. Dennoch hatte sich Kuka-Chef Till Reuter vor kurzem durchaus wohlwollend auf der Hauptversammlung geäußert: „Grundsätzlich kann ich heute sagen, dass das Angebot, so wie es angekündigt wurde, unsere Strategie unterstützen kann“, sagte Reuter vor den Aktionären. „Der Vorstand hat gesagt, dass er ergebnisoffen prüfen wird. Wie er dann schon so positive Andeutung machen kann, verstehe ich einfach nicht“, sagte Hubert Lienhard, der Vorstandsvorsitzende von Voith, jetzt bei der Vorstellung der Konzernergebnisse für das erste Halbjahr. Auch wenn Midea ein „aggressives Angebot“ (Lienhard) angekündigt habe, müsse doch zunächst geprüft werden, ob es gut genug sei, sagte der Vorstandsvorsitzende. Als Beispiel nannte er, ob die 40-jährige Robotererfahrung der Augsburger entsprechend berücksichtigt seien.

Voith selbst lässt offen, wie das Unternehmen auf den chinesischen Vorstoß reagieren wird. Sobald das Angebot vorliege, werde man es analysieren und anschließend entscheiden, ob man sich von seiner gut 25-prozentigen Kuka-Beteiligung trennen werde oder sie behalte. Ähnlich wolle man bei SGL vorgehen, die offensichtlich auch ins Visier eines chinesischen Konzerns geraten sind; Voith besitzt gut fünf Prozent des Kapitals des Kohlestoffspezialisten. Vor rund eineinhalb Jahren ist Voith bei Kuka eingestiegen, die Heidenheimer hatten dies stets als strategische Beteiligung gesehen. Bisher gebe es aber noch keine gemeinsamen Projekte, so Lienhard. Man habe sich aber Gedanken über mögliche Kooperationen gemacht; all diese Aktivitäten seien inzwischen auf Eis gelegt, sagte Lienhard. Mit der Gründung des Bereichs Digital Solutions zum 1. April bereitet sich der Anlagenbauer auf die digitale Zukunft vor. In der neuen Sparte wurden die bereits vorhandenen Kompetenzen bei Software, Automatisierung, Sensorik und Digitalisierung angesiedelt. Der neue Bereich umfasst rund 600 Mitarbeiter und einen Umsatz von 250 Millionen Euro.

Voith wird die Verlustzone auch im laufenden Jahr wohl nicht verlassen

Nach Angaben von Lienhard mache der Konzernumbau Fortschritte – trotz schwierigen wirtschaftlichen Umfelds. Allerdings wird Voith – trotz früherer Ankündigungen – auch im laufenden Jahr die Verlustzone wohl nicht verlassen. Grund dafür waren unter anderem Bewertungseffekte bei Fremdwährungspositionen. Konkret verbergen sich dahinter Kredite der Heidenheimer Mutter an die Konzerntöchter im Rahmen der Projektgeschäfte, die normalerweise vom Anlagenbauer zumindest teilweise vorfinanziert werden. Durch die Abwertung des Dollarkurses in den vergangenen Monaten sind Darlehen in diese Region nun weniger Wert – was Voith in den Zahlen berücksichtigen muss. Einen Verlust von 93 Millionen Euro hat der Konzern im Geschäftsjahr 2014/15 erzielt, im laufenden Jahr erwartet Lienhard nun lediglich einen niedrigeren Verlust. Im ersten Halbjahr lag das Konzernergebnis bei minus 48 Millionen Euro, nach einem Verlust von 131 Millionen Euro im Jahr zuvor. Umsatz und Auftragseingang werden im Geschäftsjahr 2015/16, das noch bis 30 September läuft, etwa auf Vorjahreshöhe sein. Voith hatte im vergangenen Jahr – ohne die mittlerweile verkauften technischen Dienstleistungen – 4,3 Milliarden Euro umgesetzt, der Auftragseingang lag bei 4,4 Milliarden Euro.

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