Es läuft nicht mehr bei Filip Kostic und dem VfB Stuttgart Foto: Baumann

Das 2:2 bei Darmstadt 98 hat einmal mehr gezeigt, wie sehr der VfB Stuttgart von einzelnen Spielern abhängt. Mit Blick auf die neue Saison sendet das Spiel keine frohe Botschaft.

Darmstadt/Stuttgart - Dirk Schuster hatte sich schnell mit den vergebenen Siegchanchen abgefunden. „Ich finde“, bekundete der Trainer von Darmstadt 98 nach dem 2:2 gegen den VfB Stuttgart, „dass meine Mannschaft heute ihr bestes Heimspiel der Saison gezeigt hat.“ Seinem Gegenüber mussten diese Worte seltsam vertraut vorkommen. Vor drei Wochen, beim Auswärtsspiel in Ingolstadt (3:3), gelangte der Trainer der Gastgeber zu einem identischen Fazit.

Welchen Rückschluss das für die Kicker mit dem Brustring zulässt? Nun, bekanntlich spielt die eigene Mannschaft nur so gut, wie es der Gegner erlaubt. Also muss der VfB den beiden Aufsteigern ziemlich entgegenkommend begegnet sein. In beiden Spielen waren die Roten einer Niederlage näher als einem Sieg. Weshalb Sportvorstand Robin Dutt gar nichts anderes übrig blieb, als das magere Pünktchen „gerne mitzunehmen“. Ein Punkt ist schließlich besser als keiner.

Das, was er in den 90 Minuten zuvor von seiner Mannschaft zu Gesicht bekam, war jedenfalls nicht dazu angetan, in Begeisterungsstürme auszubrechen. Der Aufsteiger war seinen Schützlingen nicht nur kämpferisch überlegen, sondern auch spielerisch voraus. Zumindest hatte er die klarere Anlage und die besseren Aktionen vor dem Tor. „Wir wussten, wie schwer es hier werden würde“, unternahm Daniel Schwaab einen Erklärungsversuch mit entschuldigendem Unterton. Motto: Gegen diesen Gegner war einfach nicht mehr drin.

Zu große Abhängigkeit von Kostic und Didavi

Das Problem ist nur: Das sagen die Stuttgarter seit Wochen – ganz gleich, ob der Gegner unbequem (Ingolstadt, Darmstadt) oder qualitativ besser (Mönchengladbach, Leverkusen) war. Der Höhenflug zu Beginn der Rückrunde hat sich nach nur einem Sieg aus sieben Spielen endgültig als Strohfeuer entpuppt. Anders gesagt: Der VfB erlebt gerade die unsanfte Landung in der weiß-roten Normalität.

Zu der gehört, dass die Mannschaft (zu) stark von einigen wenigen abhängig ist. Vor allem von Daniel Didavi und Filip Kostic. Dummerweise wissen die Gegner inzwischen, wie sich die beiden Schaltstellen im Offensivspiel lahmlegen lassen. Der serbische Flügelflitzer wird fast immer gedoppelt, was ihn nur noch selten gefährlich vor das gegnerische Tor kommen lässt. In Darmstadt führte dies immerhin zu den beiden Toren. Ähnlich verhält es sich bei Didavi. Der künftige Wolfsburger bekommt meist früh im Spiel die Socken poliert. Danach trabt er – wie auch in Darmstadt – seltsam zurückhaltend über den Platz.

Der Rest der Truppe steht und fällt mit den beiden, die an guten Tagen in der Bundesliga den Unterschied ausmachen können. An schlechten nivellieren sie das Leistungsgefüge der Mannschaft auf Normalnull. Platz 12, unteres Mittelfeld, wie seit Jahren.

Kapitän Christian Gentner bereitet der momentane Abwärtstrend noch keine Sorgen. „Wir hatten auch zu Beginn der Rückrunde eine Phase, die so nicht zu erwarten war“, meinte er. Womit Gentner nur bestätigt, dass die Mannschaft dauerhaft nicht zu Höherem berufen scheint. Martin Harnik hat das Phänomen einmal wie folgt erklärt: „Konstanz ist das, wodurch sich große Fußballer von eher durchschnittlichen wie mir unterscheiden. Konstant gut zu spielen ist die hohe Kunst.“ Pars pro toto – was für Harnik gilt, gilt für den VfB umso mehr.

Kramny: „Müssen höllisch aufpassen“

Am Ende würden sie auf dem Wasen den zwölften Platz sofort unterschreiben. Dafür werden die Helden in Rot aber noch einige Punkte benötigen, was angesichts des Restprogramms – am Samstag (15.30 Uhr/Sky) kommt der FC Bayern – und der momentanen Verfassung alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist. Es fehlt die Gier, den Klassenverbleib endlich klarzumachen. Kramny kann die Tabelle lesen und warnt: „Wir müssen höllisch aufpassen.“

Für die kommende Spielzeit sind das alles keine guten Vorzeichen. Didavi ist weg, Kostic ziemlich sicher auch, und vergleichbare Klasse nicht in Sicht. Ein Spieler wie Kostic findet sich nicht alle Tage, zumindest nicht für sechs Millionen Euro. So viel hat der VfB vor zwei Jahren für den 23-Jährigen bezahlt. Größere Summen werden auch in der kommenden Transferperiode nicht für einzelne Spieler bereitstehen.

So werden sich alle Träumer von einer besseren Zukunft wohl noch etwas länger gedulden – und mit der VfB-Normalität abfinden müssen.

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