Rani Khedira (li., mit Vedad Ibisevic). Foto: dpa

Aussehen, Erziehung, Einstellung, Ehrgeiz: Das VfB-Talent und der Star von Real Madrid weisen verblüffende Parallelen auf.

Aussehen, Erziehung, Einstellung, Ehrgeiz: Das VfB-Talent und der Star von Real Madrid weisen verblüffende Parallelen auf.

Stuttgart - „Er spielt leidenschaftlich und ist sehr, sehr laufstark. Er ist ein Sechser, der über den Kampf kommt.“ Das sagt VfB-Trainer Thomas Schneider über – Sami Khedira? Damit würde er den Ex-VfB-Profi in Diensten von Real Madrid tatsächlich treffend charakterisieren.

Schneider sagt das aber über Rani Khedira. Und liegt ebenfalls richtig. Was viel über die Khedira-Brüder aussagt. Rani (19) und Sami (26) – zuweilen scheint es, als würden ihre Identitäten verschmelzen, als seien sie ein und derselbe. „Meine Mutter“, sagt Rani Khedira und schmunzelt, „nennt mich zu Hause manchmal Sami.“

Sie sind sich ja auch zum Verwechseln ähnlich. Als Rani Khedira am vergangenen Samstag beim 4:2 gegen Hannover erstmals in der Startelf des VfB stand, wähnte sich der eine oder andere Zuschauer in die Zeit versetzt, als Sami Khedira noch das Trikot mit dem Brustring trug. Das Aussehen, die Statur – da ist einer wie der andere. Und dann der Bewegungsablauf! „Cacau sagt immer wieder, dass wir den gleichen Laufstil haben“, sagt Rani Khedira.

Was zu der allgemeinen Frage führt: Wie viel Sami steckt in Rani Khedira?

Thomas Albeck, der langjährige Jugendkoordinator des VfB, lacht und sagt: „Einhundert Prozent.“

Auch Frieder Schrof, der langjährige Jugendleiter des VfB, schmunzelt nur: „Wenn ich mir Sami vorstelle, wie er in Ranis Alter war, sehe ich keinen Unterschied.“

Beide sind Strategen auf dem Platz

Rani spielt wie Sami im defensiven Mittelfeld. Er trägt, wie sein älterer Bruder früher beim VfB, die Rückennummer 28. Er hat wie Sami mit 19 Jahren sein Bundesligadebüt gefeiert. Und sie haben ein Verhältnis, wie es enger gar nicht sein könnte. Rani und Sami telefonieren, simsen oder twittern täglich miteinander. Nicht ein- oder zweimal, sondern ständig. „Sami hat ein Auge auf mich“, sagt Rani, „er hat mir immer schon gesagt, was ich im Spiel schlecht gemacht habe und was ich ändern soll“, sagt Rani Khedira. Sami ist sein Vorbild, Rani ist dessen Abbild.

Auf dem Platz sind sie beide Strategen. „Defensiv gut, mit Ideen nach vorn“, sagt Albeck. Woher das kommt? „Das liegt an den Genen“, sagt er, „und an der Ausbildung. Beide wurden beim VfB in der Jugend ähnlich trainiert.“

Im Leben sind sie beide höflich, zurückhaltend und bescheiden. „Fleißig, diszipliniert und ehrgeizig“, sagt Schrof. Woher das kommt? „Das kommt vom Elternhaus. Dort wurden ihnen diese Werte eingeschärft.“

Was Vater Lazhar Khedira bestätigt: „Ich habe zu Sami und Rani immer gesagt: Ihr müsst wissen, wo ihr herkommt. Und ihr dürft es nie vergessen.“ Daran halten sich die beiden. Und Denny, der andere Bruder, auch. Als eine schwere Verletzung ihm eine große Fußballerkarriere verbaute, verlegte er sich aufs Büffeln. Im Studium bringt er heute nur beste Noten nach Hause.

Einen Monat Hausarrest wegen zerstörter Blumen-Hecke

Mutter Doris hat ihre Kinder fürs Leben, Vater Lazhar hat sie fürs Leben und für den Fußball erzogen. Und zwar hart, aber herzlich. Wenn die beiden schlecht gespielt hatten, war das ein Thema in der Familie. Mit Lob ging Lazhar Khedira nie verschwenderisch um, da war der gebürtige Tunesier immer ganz Schwabe, nach dem Motto: Nicht gebruddelt ist genug gelobt. Als Sami und Rani im Buben-Alter beim Kicken mal eine Hecke mit Blumen zertrampelt hatten, gaben ihnen die Eltern einen Monat Hausarrest – weil: Strafe muss sein. Zum Fußballtraining durften sie aber weiterhin gehen.

So führte ihr Weg nach oben. Sami ist auf Weltniveau angekommen, Rani will sich beim VfB in der Bundesliga festbeißen. „Sein Vorteil ist es, dass er von Samis Erfahrungen profitiert“, sagt Thomas Albeck. Mit 16 Jahren stand Sami wegen einer Knieverletzung vor dem Karriere-Aus. „Das ist eine Mahnung für Rani. Wo Sami durchgegangen ist, hat er sich schon mal aus dem Training rausgenommen, wenn es ihn irgendwo gezwickt hat“, sagt Albeck.

Hoppla, also doch ein Unterschied? Nicht nur einer. Als sich Sami Khedira kürzlich im Länderspiel gegen Italien einen Kreuzbandriss zugezogen hatte, litt Rani mit ihm, als habe es ihn selbst getroffen. „Sami“, sagt Lazhar Khedira, „war der Einzige in der Familie, der es locker genommen hat. Er hat gesagt: Ich schaue nur nach vorn, ich kann es eh nicht mehr ändern.“

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