Carlos Gruezo (Mitte) während eines Testspiels in Südafrika Foto: Pressefoto Baumann

Neuzugang des VfB will in der Bundesliga den Durchbruch schaffen – und dann mit Ecuador zum Turnier nach Brasilien.

Stuttgart - Carlos Gruezo (18) hat es nicht leicht in den ersten Tagen in Stuttgart. Alleine wohnt er im Hotel, die Familie ist weit weg daheim in Ecuador – und dann sind da auch noch die kalten Temperaturen, die der Neuzugang des VfB aus Südamerika noch nicht gewohnt ist. Vieles ist neu für den Mittelfeldmann. Was ihn jedoch nicht daran hindert, große Ziele zu formulieren.

Gruezo hat einen Traum – er will im Sommer mit Ecuador zur WM in Brasilien fahren. Und alleine schon deshalb möchte er möglichst schnell beim VfB und in der Bundesliga Fuß fassen. „Was das Ziel WM angeht, wäre es gut, es schnell zu schaffen“, sagt Gruezo, als er auf seinen Ambitionen beim VfB in den nächsten Wochen angesprochen wird. Es zu schaffen – damit meint Gruezo zunächst den Sprung in den Kader. Und dann soll es auch möglichst schnell für einen Platz in der Startelf reichen.

Dabei soll der Neue, der für 1,5 Millionen Euro von Barcelona SC Guayaquil kam und einen Vertrag bis 2018 unterschrieb, zunächst behutsam an den Kader herangeführt werden. „Wir wollen ihm nicht den Druck aussetzen, dass er uns sofort helfen muss“, betont Trainer Thomas Schneider, der den Biss und die Zweikampfstärke des Ecuadorianers schätzt. „Er ist jung, talentiert, und hat Perspektive“, ergänzt der Coach.

Gruezo soll den Konkurrenzdruck im Kader erhöhen – und auch für jene fünf jungen Spieler, die zuletzt beim Profikader reinschnuppern durften, soll seine Verpflichtung ein Ansporn sein, künftig noch mehr Gas zu geben. Wenn man so will, sollen sich Gruezo und die anderen Jungspunde (Robin Yalcin, Tim Leibold, Marvin Wanitzek, Arianit Ferati, Timo Baumgartl) gegenseitig zu Höchstleistungen treiben.

Gruezo selbst sagt, dass er es so schnell versuche, sich zu akklimatisieren und sich bald schon fürs Nationalteam zu empfehlen: „Aber ich bin ruhig, und es nicht so, dass mich der Gedanke stresst.“

Überhaupt macht Carlos Gruezo einen gelassenen und aufgeräumten Eindruck. Mit leiser Stimme spricht er bedacht von seinen Qualitäten – und davon, wie er dem VfB weiterhelfen will. „Ich denke, dass ich ein schneller, dynamischer und körperlich starker Spieler bin, zudem bin ich sehr gerne in Ballbesitz“, sagt er. „Ich will dabei mitwirken, dass wir als Mannschaft stabil sind.“

Gruezo sieht seine Idealposition auf der sogenannten Acht im Mittelfeld, also zwischen dem defensiven und offensiven Mittelfeldspieler. Auf der Doppelsechs mit zwei Spielern in der Zentrale vor der Abwehr könnte Gruezo den offensiveren Part übernehmen. Die Lust aufs Angreifen jedenfalls ist da, und das aus gutem Grund.

Denn ist noch nicht lange her, da war Gruezo noch so etwas wie ein Vollblutstürmer. Bei der U-16-Meisterrunde in Ecuador war er mit 26 Treffern in 36 Spielen sogar Torschützenkönig – doch dann kam die U-17-WM 2011 in Mexiko. „Ich bin als Stürmer nominiert worden – doch dann hat sich im Mittelfeld jemand verletzt“, sagt Gruezo im Rückblick. Schnell war der Positionswechsel vollzogen, und nun will er nach insgesamt 13 Jugendländerspielen als Mittelfeldspieler mit der A-Nationalelf Ecuadors zur WM nach Brasilien fahren.

Gruezo, an dem auch der argentinische Traditionsclub Boca Juniors interessiert war, schreckt jedenfalls nicht vor hohen Ansprüchen zurück. Trotz der schweren Vorrundengruppe mit Frankreich und der Schweiz als Gegnern, antwortet er auf die Frage, wer Weltmeister wird, grinsend: „Ecuador.“

So eine gesunde Portion Selbstvertrauen dürfte auch dem VfB künftig nicht schaden.

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