Freut sich über die Unterstützung: VfB-Kapitän Christian Gentner Foto: Bm

Der Spielführer des VfB Stuttgart profitiert im Mittelfeld vom Zusammenspiel mit Carlos Gruezo und Daniel Didavi

Stuttgart - Keine Frage, es war schon mal unangenehmer für Christian Gentner, sich vor die Tür zu trauen. Vor einigen Wochen zum Beispiel, als der VfB immer tiefer in den Tabellenkeller der Fußball-Bundesliga rutschte – und der freie Fall anscheinend kaum aufzuhalten war. Dann kamen der Trainerwechsel, die ersten positiven Ergebnisse – und ein Stimmungswandel. „Die Unterstützung der Menschen in der Region ist überragend“, sagt der Spielführer des VfB, „wenn ich auf der Straße angesprochen werde, dann höre ich meist aufmunternde Worte. Das ist ein große Hilfe.“ Doch das Team hilft sich auch selbst.

Oder besser: Huub Stevens hat der Mannschaft geholfen, indem er ihr eine neue Spielweise verordnet hat. Es war keine taktische Revolution, die der Niederländer ausgerufen hat, jedoch forderte er kleine Änderungen – die in der Summe eine große Wirkung haben. „Der Fokus liegt mehr auf der Defensive“, sagt Christian Gentner – der nun wieder mehr Freude an seinen Offensivaktionen hat. Ein Widerspruch? Mitnichten.

Der Kapitän der VfB-Truppe ist so etwas wie die einzige Konstante im Mittelfeld der Roten in dieser Saison. Meist spielte er auf der Sechser-Position in der Defensivzentrale, anfangs mit William Kvist, kurzzeitig mit Rani Khedira, öfters mit Moritz Leitner, dann wieder mit Arthur Boka. Doch erst jetzt scheint sich ein perfekter Partner für Christian Gentner gefunden zu haben: Carlos Gruezo. Denn der 19-jährige Ecuadorianer hält dem Routinier konsequent den Rücken frei. „Er ist ein gelernter Sechser mit eher weniger Offensivdrang“, sagt Gentner, „dadurch habe ich mehr Sicherheit, um nach vorne zu gehen.“

Didavi und Gentner harmonieren perfekt

Wann und wie er das macht, dafür gibt es keine strengen Vorschriften vom Trainer, Gentner entscheidet das intuitiv – und mit einem guten Gefühl. Denn wenn er einen Vorstoß wagt, steht ein weiterer wichtiger Helfer parat: Daniel Didavi.

Auch der offensive Mittelfeldspieler ist wie Kollege Gruezo erst seit wenigen Wochen ein Mann für die Startelf, doch auch mit ihm versteht sich Christian Gentner blendend. Zum einen wegen Didavis fußballerischen Qualitäten. „Er hat die Ruhe und spielt einen guten Ball“, sagt der Kapitän. Zum anderen, weil beide aus der Jugendabteilung des VfB stammen – und somit die gleiche taktische Ausbildung genossen haben. Gentner weiß also, wie Didavi auf dem Platz tickt. „Das hilft mir natürlich auch weiter“, sagt der 28-Jährige. Wie auch die generelle Spielweise unter Huub Stevens.

Zwar ist das ursprünglich angestrebte dominante Spiel derzeit nicht gefragt, als spielerischen Rückschritt sieht Christian Gentner die jetzige Phase aber nicht. Denn erstens sagt er: „Der Spaß am Spiel ist immer vom Ergebnis abhängig.“ Und zweitens ist der VfB trotz defensiver Ausrichtung keine Mannschaft, die sich nur hinten reinstellt und lange Bälle nach vorne schlägt. Vor allem stehen die Mannschaftsteile sowie die einzelnen Spieler enger beieinander. Bei Ballgewinn wird das Spiel dann schnell und breit gemacht. „So haben wir schon gute Spiele gemacht“, findet Gentner.

Folgt am Freitag (20.30 Uhr) in Hannover ein weiteres, könnte dem VfB ein entscheidender Schritt Richtung Klassenverbleib gelingen. Dann spüren Christian Gentner und seine Kollegen nicht nur Sicherheit – sondern endlich auch Erleichterung.

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