Der Einkaufswagen ist prall gefüllt. Ein Sechstel davon schmeißen die Baden-Württemberger in den Müll, statt es zu verwerten. Dagegen will das Land vorgehen. Foto: picture alliance /

Im Ministerium setzt man im Kampf gegen die Verschwendung von Lebensmitteln auf Prävention. Von einem Wegwerfverbot, wie es die Stadt Hamburg und das Bündnis für Lebensmittelrettung fordern, hält man in Stuttgart wenig.

Stuttgart - In Baden-Württemberg wirft jeder der 5,1 Millionen Haushalte 102 Kilogramm pro Jahr an Lebensmitteln in den Müll. Knapp die Hälfte davon, 46,1 Prozent, wäre eigentlich noch genießbar. In die Tonne wandern Brot, Essensreste, Gemüse, Obst. Die Zahlen beruhen auf einer systematischen Erfassung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Das Bündnis Lebensmittelrettung, dem neben dem Foodsharing-Verein auch die Deutsche Umwelthilfe und 32 weitere Organisationen angehören, fordern deshalb ein Wegwerfverbot für Unternehmen – wie es etwa in Frankreich schon gilt.

Supermärkte sind dort verpflichtet, für die Weiternutzung der Waren zu sorgen, die sie nicht mehr verkaufen können – etwa in Tafelläden. Die Stadt Hamburg hat jetzt diesen Vorschlag aufgenommen und will die Bundesregierung auffordern, eine entsprechende Gesetzesinitiative auf den Weg zu bringen. Die Hansestadt hatte erst im April im Bundesrat beantragt, das sogenannte Containern nicht länger zu verbieten und als Diebstahl zu ahnden, war damit aber gescheitert.

Vom 7. bis 13. Oktober gibt es eine Aktionswoche

Die Landesregierung hält wenig vom Wegwerfverbot für Firmen. „Hier wird wenig gesetzlicher Regelungsbedarf gesehen“, erklärt das Ministerium für Verbraucherschutz und ländlichen Raum. In Stuttgart setzt man auf Aufklärung. So ist für den Oktober eine Aktionswoche geplant, bei der für mehr Wertschätzung gegenüber allem Essbaren geworben wird. Von 7. bis 13. Oktober veranstaltet das Ministerium demnach zusammen mit dem Handelsverband, den Einzelhändlern, den Landkreisen und den Verbraucherschutzzentralen diverse Aktionen zu dem Thema, der Auftakt ist für den 4. Oktober geplant. Darüber hinaus verweist das Ministerium auf den Runden Tisch zur Vermeidung von Lebensmittelverlusten, der seit Mai 2017 tagt und an dem auch Vertreter des Einzelhandels, des Handelsverbands und der Wissenschaft sitzen.

Ein Sechstel der Einkäufe landen im Müll

Dass gehandelt werden muss, ist unstrittig. Im Verbraucherschutzministerium geht man davon aus, dass der tatsächliche Lebensmittelabfallberg im Land noch größer ist als die GfK annimmt. 4,3 Millionen Tonnen Essbares, so die Kalkulation, wandere pro Jahr in die Tonne; das sind 109 Kilogramm je Haushalt.

Bei einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von 2,2 Personen im Land bedeutet das: Etwa ein Sechstel dessen, was an Lebensmitteln eingekauft wird, kommt nicht auf den Tisch, sondern in den Müll. Die mit Abstand größten Verschwender, das hat die Universität Stuttgart in einer unlängst vorgestellten bundesweiten Studie herausgefunden, sind dabei nicht Handel oder Gastronomie, sondern Privatleute. Mehr als die Hälfte des Lebensmittelmülls entstammt den privaten Haushalten (55 Prozent). Den deutlich geringsten Anteil hat die Gruppe, die bei der Debatte oft im Fokus steht: der Handel liefert nur vier Prozent des Lebensmittelmülls.

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