Die „New York Times“ gewann unter anderem für Artikel über Methoden der Regierung des russischen Präsidenten Wladimir Putin die Auszeichnung in der Sparte internationale Berichterstattung. Foto: AFP/ANGELA WEISS

Auch die Verleihung der berühmten Pulitzer-Preise werden von der Corona-Krise überschattet. Wegen der Pandemie findet die Zeremonie mit wochenlanger Verspätung statt - und natürlich online. Große Gewinner sind Traditionsblätter.

New York - Aus der diesjährigen Verleihung der renommierten Pulitzer-Preise ist die „New York Times“ als einer der großen Gewinner hervorgegangen. Das Traditionsblatt gewann für Artikel über Methoden der Regierung des russischen Präsidenten Wladimir Putin die Auszeichnung in der Sparte internationale Berichterstattung. Die Juroren bescheinigten der Zeitung „packende Geschichten, die unter großem Risiko“ entstanden seien.

Auch bei der Investigativ-Berichterstattung räumte die „New York Times ab“: Gewürdigt wurde die Aufdeckung ausbeuterischer Praktiken bei der Kreditvergabe in der New Yorker Taxibranche.

Fotografen der Nachrichtenagentur AP gewannen mit Bildern aus der Unruheregion Kaschmir. Die Fotos zeigen Proteste, Polizei, Paramilitärs und Alltagsszenen aus der Zeit, als Indien in Kaschmir über Monate hinweg Ausgangssperren verhängte und Telefon- und Internetverbindungen kappte.

Die Fotografen Dar Yasin, Mukhtar Khan und Channi Anand fanden im Laufe ihres Projekts manches Mal Unterschlupf in Häusern von Fremden und versteckten ihre Kameras etwa in Tragetaschen für Gemüse, um die Aufnahmen machen zu können. Am Flughafen überredeten sie Reisende, die Fotodateien aus Kaschmir zu bringen und im AP-Büro in Neu Delhi abzugeben. „Es war immer ein Katz-und-Maus-Spiel“, sagte Fotograf Yasin. „Seit diesen Dingen sind wir mehr denn je entschlossen, dass wir nie zum Schweigen gebracht werden können.“

Stück der „Washington Post“ überzeugt

Ein Stück der „Washington Post“ über die Auswirkungen extremer Temperaturen auf die Umwelt wurde mit dem Preis für erklärende Berichterstattung geehrt. Die renommierte Zeitung legte anhand von Wärmestatistiken aus fast 170 Jahren dar, dass zehn Prozent der Oberfläche des Planeten bereits einen Anstieg von zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau aufwiesen. Dabei sind die Staatenlenker übereingekommen, diese Schwelle nicht überschreiten zu wollen. Während die Welt nun unter dem Bann des Coronavirus stehe, drohe der Planet angesichts der globalen Erwärmung einer „weiteren weltweiten öffentlichen Gesundheitskrise anheimzufallen“, warnte der Chefredakteur der „Washington Post“, Martin Baron.

In der Kategorie Breaking News gewann die Zeitung „The Courier-Journal“ aus Kentucky für ihre Berichterstattung über Ungleichheiten zwischen den Ethnien am Beispiel von Begnadigungen durch Gouverneure. Die Nachrichtenagentur Reuters siegte in der Kategorie Breaking-News-Fotografie; ausgezeichnet wurden Bilder von den Protesten in Hongkong.

Der Pulitzerpreis in der Sparte für den Dienst an der amerikanischen Öffentlichkeit ging an die Zeitung „Anchorage Daily News“ und an die Investigativplattform ProPublica. Sie hatten unter anderem enthüllt, dass ein Drittel der Dörfer im Staat Alaska keinerlei Polizeischutz haben. Dazu nahmen die Reporter Kontakt zu Verwaltungen und Gemeindevorstehern in rund 600 Ortschaften auf. Die Juroren sprachen von „fesselnden“ Berichten, die weitreichende Reformen und massive Ausgaben für Sicherheitskräfte in der Region nach sich gezogen haben.

Essay der „New York Times“ räumt ab

In der Sparte „Kommentar“ siegte die „New York Times“ mit einem Essay von Nikole Hannah-Jones im Rahmen des ehrgeizigen Projekts „1619“, das den bis in die amerikanische Gegenwart reichenden Folgen der Sklaverei nachspürt.

Erstmals gab es einen Preis für die beste Audio-Berichterstattung, womit der wachsenden Bedeutung von Podcasts Rechnung getragen wurde. Ausgezeichnet wurde die Radiosendung „This American Life“, die „Los Angeles Times“ und „Vice News“ für den Beitrag „The Out Crowd“, der die harte Einwanderungspolitik der Regierung von Präsident Donald Trump beleuchtet.

In den USA gilt der Pulitzer-Preis als höchste Auszeichnung für journalistische Arbeiten. Erstmals wurde er 1917 vergeben. Diesmal wurde die Verleihung wegen der Corona-Pandemie um mehrere Wochen verschoben und am Montag virtuell abgehalten. Gewürdigt wurden journalistische und literarische Leistungen aus dem vergangenen Jahr.

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