Alicia Klötzel (mit Weste) interviewt eine Passantin. Foto: Stefanie Käfferlein

Die Verkehrswacht macht derzeit an Stadtbahnhaltestellen auf die Gefahren an Überwegen aufmerksam. Dafür sind in dieser Woche rund ein Dutzend Mitglieder unterwegs.

Filder - Abwechselnd blinken die orangefarbenen Lichter mit den stilisierten Stadtbahnen auf; oben, unten, oben unten. Scheinbar vollkommen unbeeindruckt von dem sogenannten Springlicht und der herannahenden Stadtbahn huschen drei Fußgänger noch über die Gleise und verschwinden im Inneren des gelben Zuges, der auf der anderen Seite des Bahnsteigs steht. Die Türen schließen sich, der Fahrer setzt den Zug in Bewegung.

Situationen wie diese sind längst keine Seltenheit mehr. „Viele Menschen sind im Stress oder einfach nur unachtsam, weil sie Musik hören oder mit ihrem I-Phone oder I-Pad beschäftigt sind“, sagt Philipp Hirschel, Security-Koordinator bei den Stuttgarter Straßenbahnen, kurz SSB.

Rund ein Dutzend Mitglieder der Verkehrswacht sind unterwegs

Um die Gefahren ins Bewusstsein zu rücken und zugleich zu mehr Vorsicht zu appellieren, dafür sind in dieser Woche rund ein Dutzend Mitglieder der Verkehrswacht Stuttgart – hauptsächlich Schüler und Studierende – an sieben Haltestellen im Stadtgebiet unterwegs; darunter auch der Möhringer und der Vaihinger Bahnhof. Mit dabei: Philipp Hirschel, der das Ganze koordiniert. Die Aktion an den Haltestellen, die in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfindet, ist Teil der SSB-Initiative „Sicher zu Fuß“, die mit der Deutschen Verkehrswacht ins Leben gerufen wurde. „Wir haben die Haltestellen ausgewählt, an denen sich in den vergangenen 15 Jahren die Zahl der schweren Unfälle und die mit Todesfällen zugenommen haben“, sagt Hirschel. Mit einem Fragebogen ausgestattet, sprechen die Helfer die Fahrgäste an, die auf ihre Bahn warten. „Wir fragen unter anderem, ob sie wissen, was ein Z-Überweg oder ein Springlicht ist“, sagt Alicia Klötzel, eine Helferin. Außerdem will sie von den Fußgängern wissen, ob sie das Grundprinzip „Die Bahn hat Vorrang“ oder das akustische Warnsignal kennen und ob die heranfahrende Stadtbahn gut zu hören ist. Parallel dazu nimmt Katharina Hermann die Passanten unter die Lupe, die den Bahnübergang queren. „Ich führe in einer Tabelle eine Strichliste“, sagt die Studentin. Kriterien: Überqueren die Fußgänger den Überweg bewusst oder unbewusst, achten sie auf das Blinklicht, schauen sie sich um.

Die Arbeit wird vorerst nicht ausgehen

Damit, wie die Menschen mitmachen, sind die Junioren der Verkehrswacht und Philipp Hirschel zufrieden. „Es sind nur wenige Leute, die nicht mitmachen wollen“, sagt Frieder Weiler und ergänzt mit einem Schmunzeln: „Sie haben auch keine guten Ausreden, wenn sie noch einige Minuten auf die Bahn warten müssen und ich ihnen versichere, die Fragen dauern nicht so lange.“

Anders sieht es mit dem Verhalten der Passanten aus, wenn sie über den Überweg laufen. „Obwohl wir mit unseren gelben Warnwesten direkt an den Übergängen stehen, rennen die Leute noch drüber, auch wenn bereits eine Stadtbahn in die Haltestelle einfährt“, sagt Hirschel. Die Arbeit wird der Verkehrswacht und der SSB also vorerst nicht ausgehen. Für die Zukunft ist sogar geplant, die Aktionen einmal im Vierteljahr zu veranstalten.

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