Birgit Weber von der Verkehrswacht zeigt anhand eines rohen Eis, wie wichtig es ist, einen Helm zu tragen, um sich vor Kopfverletzungen zu schützen. Foto: Sabine Schwieder

Mitarbeiter der Verkehrswacht demonstrieren den Nutzen eines Helms. Seit ein paar Wochen touren sie mit dem Programm „Kinder im Straßenverkehr“ durch die Kindergärten.

Dürrlewang - Ein Besuch im Kindergarten ist spannend. Besuch, der einem kleinen Mädchen erlaubt, ein Hühnerei auf den Boden fallen zu lassen, das ist schon etwas Besonderes. Und so können sich die Mitarbeiter der Verkehrswacht Stuttgart größter Aufmerksamkeit sicher sein, als sie im evangelischen Kinderhaus Galileo in Dürrlewang ihr winterliches Verkehrserziehungsprogramm zeigen.

Birgit Weber, seit April ehrenamtliche Vorsitzende der Verkehrswacht, tourt seit ein paar Wochen mit einigen Helfern durch die Kindergärten – mit dem Programm Kis, kurz für „Kinder im Straßenverkehr“. „Wir gehen das mehr von der praktischen als von der theoretischen Seite an“, sagt sie im Kinderhaus Galileo, das in diesem Jahr die vorerst letzte Station war.

Unterhaltsames wie lehrreiches Programm

Zu Beginn klärt sie gemeinsam mit den Drei- bis Sechsjährigen, warum und wann ein Fahrradhelm sinnvoll ist. Sie zeigt mit Hilfe eines kleinen Mädchens, wie ein Helm zu befestigen ist, damit er Sicherheit bietet. Und dann kommt der Test mit dem Ei. Weber hat nämlich einen Miniaturhelm mitgebracht, in den ihre junge Helferin ein rohes Hühnerei hineinlegen darf. Mit Helm überlebt das Ei den Sturz aus Schulterhöhe, ohne Schutz zerbricht es auf einem Zeitungsblatt – zum Vergnügen der Kinder. Ein Kommentar erübrigt sich: den Jungen und Mädchen ist schnell klar, warum sie beim Radeln einen Helm aufsetzen sollten.

Dann werden die Kinder in Gruppen aufgeteilt und dürfen an verschiedenen Stationen ein ebenso unterhaltsames wie lehrreiches Programm absolvieren. An einer Buttonmaschine sollen die Kinder ein Verkehrszeichen oder eine Ampel aus dem Gedächtnis gestalten. „Erstaunlich ist, dass die Kinder meist eine Autoampel malen und keine Fußgängerampel“, sagt Birgit Weber und weist deshalb darauf hin, dass nach wie vor die meisten Eltern ihre Schützlinge mit dem Auto zum Kindergarten oder zur Schule bringen. „Die fahren direkt beim Rektorat rein“, kommentiert auch Edgar Riester vom Ordnungsamt bissig, der als Bindeglied zwischen Behörde und Verkehrswacht fungiert.

„Der rasende Roland“

Am Tisch der Verkehrswachtjuniorin Alicia Klötzel geht es bei einem Memory um Verkehrszeichen, die für Kindergartenkinder schon zu begreifen und vor allem zu beachten sind. Weber selbst ist schwarz gekleidet, um an der Hell-Dunkel-Station zu vermitteln, wie wichtig es insbesondere in der dunklen Jahreszeit ist, Reflektoren zu tragen. Dazu wird ein Raum verdunkelt, die Kinder mit Reflektoren werden mit Schwarzlicht angeleuchtet. Das Beweisfoto am Laptop zeigt anschließend: Die Frau von der Verkehrswacht ist nicht mehr zu sehen, die Reflektoren der Kinder aber schon.

An der Station Fluss- und Hügelsteine dürfen sich die jungen Akteure unter Aufsicht von Verkehrswachtjunior Kay Niemann ein bisschen mehr austoben: Der Teppich stellt einen Fluss dar, und es gilt, verschiedene farbige Plastikhügel sicher abzulaufen, was so manches Kind ins Wanken bringt.

Zum Abschluss zeigen die Verkehrswächter noch eine Aufführung ihrer Puppenbühne. „Der ,Rasende Roland’ läuft seit zwei Jahren und ist sehr realitätsnah“, sagte Weber. Mit dem Stück wird der starke Verkehr vor Kindergärten und Schulen angesprochen. Wer mit dem Auto gebracht wird, nimmt den Kindern die Möglichkeit, den sicheren Fußweg zu üben. Sinnvoller sei es, so Birgit Weber, wenn sich Eltern zu einer Gruppe zusammentun, um mehrere Kinder von einem Vater oder einer Mutter abwechselnd begleiten zu lassen.

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