Die kranke Aci durfte zum Konzert von Rapper Kid Ink. Carolina ist großer Fan der Handballer vom THW Kiel, hier mit dem Maskottchen, Zebra Hein Daddel. Foto: privat

Sie erfüllen schwerstkranken Kindern Wünsche – ein Besuch bei einem Rapper oder bei einem Handballspiel etwa. Der Kornwestheimer Verein Wish macht Herzensangelegenheiten dank seiner Beziehungen und Spendengeldern möglich. Manchmal jedoch kommt er zu spät.

Kornwestheim - Manchmal“, sagt Vereinsvorsitzender Peter Stahl, „sind wir nicht schnell genug.“ Die Erinnerung an Fälle, in denen ein schwerstkrankes Kind starb, bevor ihm der Verein „Wish“ seinen Wunsch erfüllen konnte, wiegt schwer. Aber solche Fälle gehören zur Realität des Kornwestheimer Vereins.

Was jedoch überwiegt, das sind Erinnerungen an Freude und Glück. Die Seligkeit eines Kindes, wenn es sein Idol treffen darf – mag das der Fußballer Cacau sein, der Rapper Kid Ink oder die Schlagerband Die Flippers. Die Wonne, wenn die Lieferung mit dem lang ersehnten Bodentrampolin kommt. Oder der Jubel, wenn der Wunsch wahr wird, mit der Familie nach Helgoland reisen und dort die Seehundekolonien mit eigenen Augen sehen zu dürfen.

„Da könnte ich manchmal zu plärren anfangen“

„Wenn man so etwas ermöglichen kann und sieht, was das den Kindern bedeutet, weiß man, warum man’s macht“, meint Wish-Vorstandsmitglied Joschi Hanel. Denkt er an Kinder wie Massimo zurück, der dank Wish seinen Lieblingsfußballclub Juventus Turin besuchen durfte und zwei Wochen später seiner Krankheit erlag, muss er schlucken. Überhaupt packt es den ansonsten toughen Typen mitunter: „Wenn ich mir die Bilder aus den vergangenen Jahren angucke, dann könnt’ ich manchmal zu plärren anfangen.“

Rund 100 Mitglieder, davon einen aktiven harten Kern von einem knappen Dutzend, zählt der Verein „Wish – ein Herzenswunsch für kranke Kinder“, der 2018 in das 20. Jahr seines Bestehens geht. Sie eint das Anliegen, Kindern in schweren Situationen etwas Schönes zu ermöglichen – etwas, das sich die betroffene Familie ansonsten nicht leisten könnte oder für das ihr die Beziehungen oder die mentale Kapazität fehlen. „Kein Wunder – wenn man sieht, welche Kämpfe die Eltern von behinderten oder schwerkranken Kindern mit den Institutionen kämpfen, die ja auch noch den Alltag bewältigen müssen oder Geschwisterkinder haben, die oft zurückstehen müssen“, erzählt das Wish-Mitglied Jürgen Stahl.

Oft sind die Wünsche vergleichsweise bescheiden

Der Verein hat sich klare Vorgaben verordnet. Er beteiligt sich nicht an der Finanzierung von Delfin-Therapien, an Umbauten von Häusern und Wohnungen, auch nicht an der Anschaffung von behinderten- oder krankengerechten Fahrzeugen. Reisewünsche werden eher restritkiv behandelt – „wir sind kein Reisebüro“, betont Jürgen Stahl. Die Mitglieder sind in der Regel auch nicht assistierend mit von der Partie, wenn ein Wunsch erfüllt wird – „das brauchen die Familien nicht, und Vereinsgeld fürs Mitfahren auszugeben, ist nicht unser Vereinszweck“. Zudem hat sich „Wish“ eine Obergrenze von 2500 Euro pro Wunsch gesetzt. „Wir sind ein kleiner Verein und finanzieren uns ausschließlich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen“, erklärt Joschi Hanel, der für die Finanzen zuständig ist.

Aber so viel Geld ist oft gar nicht nötig, um für ein Kind einen Traum wahr werden zu lassen. Manchmal reicht es, dass die Vereinsmitglieder, die unter anderem in der Veranstaltungs- und in der Finanzbranche arbeiten, ihre Netzwerke aktivieren und Beziehungen spielen lassen. Und mitunter sind die Wünsche ohnehin vergleichbar bescheiden. Ein Kind machte der Verein glücklich, indem er ihm einen geräumigen Meerschweinchenkäfig schenkte.

Es gibt auch dreiste Wünsche

Es kommt aber auch vor, dass Menschen versuchen, den Altruismus des Vereins auszunutzen. „Wenn sich wer ein iPhone 6 für ein fünfjähriges Kind wünscht, sitzt man schon mit geballter Faust am Tisch“, echauffiert sich Hanel. „Manchmal ist es beschämend, was man an Dreistigkeit erlebt.“ Der Verein prüft daher jeden Antrag gewissenhaft. Er sichtet die Originalatteste der kranken Kinder und arbeitet mit dem behandelnden Arzt zusammen, um zu klären, ob der Wunsch aus medizinischer Sicht erfüllbar ist. Auch macht er sich über die finanziellen Verhältnisse kundig. „Überspitzt gesagt: Wenn jemand zwei Daimler in der Garage stehen hat, dann braucht der uns nicht. Aber viele Familien haben’s nicht so dicke, und ausgerechnet die schämen sich oft, Wünsche zu artikulieren“, erzählt Jürgen Stahl.

Früher gab’s für den Verein manche Spendenaktion, manche Benefiz-Veranstaltung für Wish – etwa die „Heiße-Herzen-Fahrt“ des Kanuclubs CJD Kaltenstein in Vaihingen. Das hat etwas nachgelassen, was die Mitglieder sehr bedauern. „Wir verstehen, dass es viele andere gute Zwecke gibt, die unterstützenswert sind“, sagt Jürgen Stahl. „Aber manchmal, wenn die großen Unternehmen ihre Charity-Veranstaltungen machen, denke ich mir schon: Es wäre cool, wenn sie das Füllhorn auch mal für kleinere, unbekanntere Initiativen ausschütten würden.“

Operation am offenen Herzen

Warum sie sich für den Verein so einsetzen, dass sie manchmal „an der Kante sind“, wie sie es formulieren? „Weil ich dankbar bin, ein gesundes Kind zu haben. Das ist ein großes Glück. Außerdem macht’s Spaß, wir sind eine super Truppe“, sagt Joschi Hanel. Der Vorsitzende Peter Stahl denkt an die Zeit zurück, als bei seinem anderthalbjährigen Sohn ein schwerwiegendes Herzproblem diagostiziert wurde und das Kind am offenen Herzen operiert werden musste. „Da sitzt du dann Tag und Nacht im Olgäle und denkst, dass dich das Schicksal schlimm getroffen hat. Und dann kriegst du mit, dass es anderen Kindern noch viel schlimmer geht.“

Sein Bruder Jürgen Stahl sagt, er habe als Selbstständiger in der Veranstaltungsbranche viel mit Oberflächlichkeit zu tun. Sein Engagement bei „Wish“ bilde dazu einen guten Gegenpol. Ein Erlebnis aus der Gründungszeit von „Wish“ ist ihm präsent wie heute: „Ich habe Freunde in der Nachtschicht im Uniklinikum Tübingen besucht. Da war ein Kind, das lag schon ewig in der Klinik, und die Eltern, die weit weg wohnten, kamen kaum noch“, erinnert sich der Kornwestheimer. „Ich habe dem Kind dann eine Geschichte vorgelesen. Und als ich meine Freunde das nächste Mal besucht habe, da hat mir das Kind die Arme entgegengestreckt.“

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