Aktivisten gegen den Klimawandel setzen vor allem auf starke Bilder. Foto: dpa/Oliver Berg

Der Klimawandel ist in aller Munde. Was er mit Musik zu tun hat, erklärt Musiker Alon Wallach, der bald in Ludwigsburg eine Zukunftswerkstatt „Musik und Klima“ mitveranstaltet, im Interview.

Ludwigsburg - Wie kann man dem Klimawandel mit kulturellen Mitteln begegnen? Diese und andere Fragen werden vom 7. bis zum 9. Februar an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg diskutiert.

Herr Wallach, was haben Musik und Klimawandel miteinander zu tun?

Viel mehr, als man vielleicht im ersten Augenblick denkt, und mit sehr unterschiedlichen Aspekten. Wenn man einen der plakativsten nehmen will: Musikkonsum hat durch die Möglichkeit des Streamens noch nie so viel Energie gekostet. Wenn man sich überlegt, dass alle Musik, alle Videos, alle Filme der Welt unter permanenter Energiezufuhr darauf warten, von jedem Menschen, auch im letzten Winkel der Erde, abgerufen werden zu können, dann ist das eine fast absurde Vorstellung. Ein anderer Aspekt ist es zum Beispiel, dass uralte Musikkulturen den Klimaveränderungen zum Opfer zu fallen drohen.

Was soll die Zukunftswerkstatt Musik und Klima da bewirken können?

Sie kann zunächst einmal ein Forum schaffen, das die Gelegenheit gibt, über ein zukunftsfähiges und klimafreundliches Kulturleben nachzudenken oder neue Veranstaltungs- und Vermittlungsformate zu erfinden. Es gibt keine Modell-Antworten, wir kommen alle als Fragende. Aber es ist ein Anfang. Auch die Fridays-for-Future-Bewegung hat keine vorgefertigten Antworten, aber sie hat es geschafft, dass die Menschen ins Gespräch gekommen sind und dass den Wissenschaftlern zugehört wird. Den Impulsvortrag zur Zukunftswerkstatt in Ludwigsburg wird Alexander Repenning halten, der mit der Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer das Buch ,Vom Ende der Klimakrise’ geschrieben hat.

Ist die Zukunftswerkstatt ausschließlich für Menschen gedacht, die Musik machen oder in der Musikbranche arbeiten?

Überhaupt nicht. Es gibt keine Zugangsvoraussetzungen, weder was das Alter noch was den Beruf angeht. Willkommen sind alle, die sich Gedanken dazu machen, wie man dem Klimawandel mit kulturellen Mitteln begegnen kann. Wir haben so eine Zukunftswerkstatt auch schon im Hamburg gemacht, unter anderem waren dort Sozialwissenschaftler dabei und der Intendant der Dresdner Sinfoniker. Da hat schon die Auftaktrunde viel länger gedauert als geplant, und man hat gemerkt: Der Gesprächsbedarf ist groß und dringlich, das Thema ist sehr emotional behaftet. Die Leute haben sich ihre Gedanken regelrecht von der Seele geredet wie alte Freunde, obwohl sie sich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht kannten. Das hat gezeigt: Über Musik und Klimawandel zu sprechen, das trifft einen Nerv.

Wie geht es nach den Zukunftswerkstätten weiter? Wird an die Ideen angeknüpft, die dort entstehen?

In Hamburg war die Stimmung am Ende melancholisch, weil die Teilnehmer das Gefühl hatten, sie stehen nach diesem inspirierten und dichten Wochenende jetzt wieder allein da, wie bisher. Aber wie gesagt: Wir wollen einen Anfang schaffen und tun unser Bestes, nach Finanzierungsmöglichkeiten zu suchen, damit es weitergehen kann.

Zukunftswerkstatt

Die Veranstaltung der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg in Kooperation mit dem Verein Trimum für interkulturelle und interreligiöse Musik sowie dem Netzwerk Junge Ohren findet vom 7. bis zum 9. Februar in der PH Ludwigsburg statt. Nähere Informationen und Anmeldung unter: info@schraege-musik.de

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