Für Max Jenz ist die Hühnerhaltung mehr als nur ein Geschäft, und Eier sind für ihn nicht bloß eine Ware. Foto: Ines Rudel

Max Jenz verfolgt ein innovatives Konzept der Hühnerhaltung mit mobilen Ställen und einer Futtermischung aus eigener Produktion. Jetzt steht der Unterensinger im Finale des CeresAward, dem bedeutendsten Preis für Landwirte.

Unterensingen - Falls, wie es im Volksmund heißt, Hühner tatsächlich glücklich sein können, dann sind es die von Max Jenz. Gurrend kommt das Federvieh auf dem Freigelände des Lindenhofs auf Unterensinger Markung auf den 26-Jährigen zu. Stattliche Legehennen sind es mit einem gepflegten Gefieder. Eine Fachjury des Deutschen Landwirtschaftsverlags hat die Haltung und das Konzept so sehr überzeugt, dass Max Jenz es bis ins Finale des CeresAward geschafft hat, dem bedeutendsten Preis für Landwirte im gesamten deutschen Sprachraum.

Wenn Hühner „singen“, geht es ihnen gut

Im ruhigen, fast liebevollen Umgang des 26-Jährigen mit seinen Tieren wird deutlich, dass die Hühnerhaltung für ihn weit mehr ist als nur ein Geschäft und die Hennen und ihre Eier nicht wie in den industriellen Legebatterien zur bloßen Ware degradiert sind. „Die Hühner ,singen‘, das ist das, was wir hören wollen, dann geht es ihnen gut“, sagt Max Jenz, der in Hohenheim Agrarwissenschaften studiert hat und den Hof gemeinsam mit seinen Eltern Werner und Sybille Jenz bewirtschaftet.

Hier, oberhalb von Unterensingen mit Blick auf die Kaiserberge im Kreis Göppingen und auf die Burg Teck, herrscht nicht nur optisch Weite. Insgesamt 4,5 Hektar Fläche geben dem Familienbetrieb die Möglichkeit, ein besonderes Konzept umzusetzen. In dessen Mittelpunkt stehen vier mobile Ställe auf Kufen, die mit dem Traktor von Ort zu Orte bewegt werden können. Die Verschiebbarkeit hat den Vorteil, dass sich um den Stall kein Morast bildet. Beginnt das Gras durch die Hühnerbewirtschaftung an einer Stelle braun zu werden, wird der Stall kurzerhand über die Wiese gezogen, und die Tiere finden an anderer Stelle wieder frisches Gras. Das ist alle sechs bis acht Wochen der Fall.

Die Futtermischung stammt aus eigenem Anbau

Vier solcher Ställe eines Herstellers bei Gütersloh gibt es auf dem Hof. Knapp 4000 Tiere, die jeden Tag an der frischen Luft sind, bevölkern derzeit die verschiedenen Wiesen. An der frischen Luft ist das Federvieh jeden Tag. Max Jenz achtet auf eine artgerechte Haltung. Dazu zählt auch, dass auf den Wiesen Maispflanzen stehen, die den Hühnern Schatten und Deckung geben. „Hühner sind eigentlich Waldrandbewohner“, klärt der Geflügel-Experte auf.

Großen Wert legen die Jenz’ auch auf das Futter. Mais, Weizen, Gerste, Hafer und Sojabohnen baut die Familie selber an. Mit zugekauftem Mineralfutter und Kalk wird daraus eine eigene Mischung hergestellt. „Da wissen wir, was im Futter drin ist, das beruhigt“, sagt Max Jenz.

Die Landwirtschaft soll wieder Wertschätzung erfahren

Im Stall wird der draußen gewonnene Eindruck bestärkt: alles picobello, nirgends ist Kot zu sehen. Ein eingestreuter Scharrbereich dient als „Aktivzone“, beim „Sandbaden“ betreiben die Hühner Gefiederpflege. Im geschützten Legenest können die Tiere in aller Ruhe ihre Eier legen. Diese werden dann auf dem Hof in einer Eiersortiermaschine für den Vertrieb vorbereitet. In Kartons verpackt, gelangen die Eier über nahegelegene Einkaufsmärkte, Hofläden und auch direkt über den hofeigenen Automaten als „Neckartaler Freilandeier“ zu den Verbrauchern.

Immer wieder besuchen Kindergartenkinder und Schulklassen den Hof. Max Jenz ist es wichtig, die Landwirtschaft und die Produktionskette den Menschen wieder näher zu bringen. Am 18. Oktober wird in Berlin bei einer Galaveranstaltung der CeresAward vergeben. Dann wird sich zeigen, ob Max Jenz in der Kategorie Geflügelhalter den Sieg davon tragen kann oder gar zum „Landwirt des Jahres“ gekürt wird.

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