Überstunden um jeden Preis? Was darf der Chef anordnen und was ist nicht erlaubt? (Symbolfoto) Foto: dpa

Auf dem Weg die Karriereleiter hinauf sind Überstunden für viele Arbeitnehmer normal, auch manche Arbeitgeber scheuen sich nicht, ihre Angestellten länger arbeiten zu lassen. Doch nicht alles, was der Chef verlangt, ist auch rechtlich erlaubt. Das sollten Arbeitnehmer zum Thema Überstunden wissen.

Auf dem Weg die Karriereleiter hinauf sind Überstunden für viele Arbeitnehmer normal, auch manche Arbeitgeber scheuen sich nicht, ihre Angestellten länger arbeiten zu lassen. Doch nicht alles, was der Chef verlangt, ist auch rechtlich erlaubt. Das sollten Arbeitnehmer zum Thema Überstunden wissen.

Gütersloh - Nach Erkenntnissen der EU-Kommission machen deutsche Arbeitnehmer im Durchschnitt mehr Überstunden als ihre Kollegen in den europäischen Nachbarländern. Laut EU-Studien liege die tatsächlich vereinbarte Wochenarbeitszeit in Deutschland bei 37,7 Stunden - tatsächlich arbeiteten die Beschäftigten aber 40,5 Stunden in der Woche.

Gründe für Überstunden gibt es in der heutigen Leistungsgesellschaft viele: Arbeitnehmer wollen sich vor dem Chef oder den Kollegen profilieren, der Druck mehr zu leisten steigt mit der Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Da wird der Feierabend nach hinten verschoben, Arbeit mit nach Hause genommen und auch am Wochenende werden ein paar Arbeitsstunden eingelegt. Doch Beschäftigte sollten sich nicht alles aufbürden lassen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Muss man als Arbeitnehmer grundsätzlich Überstunden leisten?

Nein. Allerdings darf der Arbeitgeber Überstunden dann anordnen, wenn es im Arbeits- oder Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung ausdrücklich vereinbart wurde.

Hat der Betriebsrat ein Wort mitzureden?

Im Einzelfall muss der Betriebsrat zusätzlich zu der Überstundenregelung der Anordnung der Überstunden zustimmen. Tut er das nicht, muss der Arbeitnehmer auch nicht länger bleiben. Um das Verfahren zu erleichtern, haben viele Arbeitgeber mit ihren Betriebsräten Rahmenvereinbarungen getroffen.

Wer unsicher ist, ob eine Anordnung zulässig ist, sollte zur Sicherheit bei den Personalvertretern nachfragen. In Notfällen kann die Zustimmung des Betriebsrats entbehrlich sein. Der wird allerdings nur in wenigen Fällen angenommen - etwa bei Naturkatastrophen. Fällt ein Kollege wegen Krankheit aus, reicht das in der Regel nicht.

Wie viele Überstunden sind rechtlich zulässig?

Die maximale Arbeitszeit für Angestellte ist 48 Stunden pro Woche. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen, im Einzelfall kann auch eine 60-Stunden-Woche in Ordnung sein. Dann darf allerdings  innerhalb von sechs Monaten im Schnitt eine Wochenarbeitszeit von 48 Stunden nicht überschritten werden. Laut Arbeitszeitgesetz ist alles, was darüber hinaus geht, unzulässig.

Gibt es Ausnahmen für bestimmte Berufsgruppen?

Ja. Berufskraftfahrer oder Krankenauspersonal, das Bereitschaftsdienst leistet, sind von der Regel ausgenommen. Für alle anderen gilt, hält sich der Arbeitgeber nicht an diese Obergrenzen, kann es teuer werden. Bekommt die Gewerbeaufsicht mit, dass regelmäßig länger gearbeitet wird, kann sie ein Bußgeldverfahren einleiten.

Wie soll man Überstunden dokumentieren?

Werden die Überstunden nicht elektronisch erfasst, sollte man sie aufschreiben und vom Chef quittieren lassen. Zieht man vor Gericht, um eine Bezahlung der Überstunden einzuklagen, muss man beweisen können, dass die Überstunden vom Arbeitgeber angeordnet oder zumindest geduldet worden sind. Bestreitet der Arbeitgeber, eine entsprechende Anordnung gemacht zu haben, ist es wichtig, Zeugen benennen zu können.

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