Am Bahnhof in Frankfurt wird des toten Jungen gedacht. Foto: epd

Der mutmaßliche Täter kam aus der Schweiz. Was die Medien im Nachbarland über den Fall berichten – und wie die Reaktionen der Bürger ausfallen.

Stuttgart - In den Schweizer Online-Medien ist der Mordfall von Frankfurt am Mittwoch aus den Top-Schlagzeilen verschwunden. Berichtet wird und wurde gleichwohl darüber.

„Etwas stimmt nicht in Deutschland“ überschreibt die „Neue Zürcher Zeitung“ ihren Kommentar zu dem Thema und erklärt ihren Lesern, dass „AfD-Politiker und -Sympathisanten den Fall benutzen, um mit der Flüchtlingspolitik und der Willkommenskultur abzurechnen.“ Wie zahlreiche andere Zeitungen auch schreibt die NZZ über den Familienvater aus Eritrea, der seinen Wohnsitz im Kanton Zürich hatte. Es wird berichtet, dass er in psychologischer Behandlung war, und dass vergangene Woche die Polizei wegen häuslicher Gewalt zu seinem Wohnort gerufen wurde.

Seniorin ersticht Siebenjährigen

Der ebenfalls in Zürich erscheinende „Tagesanzeiger“ beschreibt den Mann als „arbeitsam und unauffällig“. In ihrem Kommentar beschäftigt sich das Blatt damit, wie die Schweizer Volkspartei (SVP) den Fall politisch für sich auszuschlachten versucht. Die Partei habe den Fall zum Wahlkampfschlager gemacht, so die Zeitung – und verweist auf einen Vorfall im März, als eine offensichtlich verwirrte Seniorin aus Zürich einen siebenjährigen Jungen aus dem Kosovo niederstach. Damals sei die Tat politisch nicht relevant gewesen. „Keine Partei forderte, dass Seniorinnen und Senioren künftig konsequent in Altersheime abgeschoben würden“, schreibt das Blatt.

Die „Basler Zeitung“ geht ausführlich auf die Pressekonferenz von Bundesinnenminister Horst Seehofer ein. Das ruft heftige Leserkommentare hervor. Dabei wird immer wieder die Befürchtung geäußert, dass der mutmaßliche Täter wegen seiner psychischen Störung womöglich nicht verurteilt werden könnte, und dann zurück in die Schweiz gebracht werde. Ansonsten bietet sich ein ähnliches Bild wie in der deutschen Diskussion. Die einen sehen den Staat durch Überfremdung bedroht, die anderen verweisen darauf, dass die Nationalität in diesem Fall kaum eine Rolle spiele.

Großer Aufwand beim Boulevard

Die Boulevardzeitung „Blick“ hat mit großem personellen Aufwand im Umfeld des „ICE-Kindermörders aus Wädenswil“ geforscht, präsentiert ehemalige Vorgesetzte und Freunde, die für das Verhalten keine Erklärung haben und den „Gleiskiller“ als „fleißigen Arbeiter“ und „ruhigen, korrekten Typ“ bezeichnen, der sich schnell in der Schweiz integriert habe.

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