TVB-Außenspieler Bobby Schagen Foto: Baumann

Nach dem 27:28 gegen den TBV Lemgo ist der Klassenbeverbleib noch nicht ganz in trockenen Tüchern. Erste Niederlage für den Stuttgarter Handball-Bundesligisten nach fünf Spielen.

STUTTGART - Die Mienen bei den Bundesliga-Handballern des TVB Stuttgart korrespondierten so gar nicht mit der sonntäglichen Frühlingsstimmung. Während die Natur Aufbruch signalisiert, musste in der mit 2251 Zuschauern ausverkauften Scharrena ein Rückschritt aufgearbeitet werden. Nach fünf Spielen ohne Niederlage verlor der TVB mit 27:28 (11:16) gegen den TBV Lemgo. Dabei war eigentlich alles angerichtet für den finalen Schritt zum Klassenverbleib.

„Ich hatte auch gedacht, dass wir den Deckel draufmachen“, sagte Jürgen Schweikardt, der die beiden Punkte auch gerne als vorgezogenes Präsent zu seinem 38. Geburtstag an diesem Montag entgegengenommen hätte. Stattdessen musste der TVB-Trainer und Geschäftsführer eingestehen: „Wenn so viele Dinge nicht funktionieren, kannst du nicht gewinnen. Im Angriff waren wir nicht diszipliniert und konsequent genug.“ Ganz im Gegensatz zum TBV Lemgo. „Das System hat immer funktioniert“, sagte TBV-Coach Florian Kehrmann, dessen Team ein Spiel der perfekten Reaktion kultivierte hat: Nahezu jeder Fehler der Bittenfelder wurde in Tore umgemünzt.

9:13-Rückstand nach 9:7-Führung

Vorentscheidende Stiche setzten die Gäste innerhalb von fünf Minuten, als dem TVB eine 9:7-Führung (21. Minute) durch die Finger glitt und sich in einen 9:13-Rückstand verwandelte. Wie am Schnürchen gezogen brandeten nach Fehlwürfen und Fehlpässen die erste und zweite Welle über die Bittenfelder hinweg . „Das ist das Lemgoer Spiel, darauf warten sie“, sagte Michael Kraus.

Der Rückraumspieler, erfolgreichster Werfer des TVB (11/3 Tore), hielt nach der Pause zunächst im Alleingang die leise Hoffnung auf eine erfolgreiche Aufholjagd am Leben. Auch Torhüter Jonas Maier (14 Paraden), der erneut für Johannes Bitter (Rückenprobleme) zwischen den Pfosten stand, hatte daran Anteil. Bis auf 18:21 (43.) verkürzte der TVB den Rückstand, um dann wieder einzubrechen. Es folgte Fehler auf Fehler. Als dann ausgerechnet Routinier Kraus einen Siebenmeter verwarf und zweimal frei vor Lemgos Torhüter Piotr Wyszormirksi scheiterte, schien die letzte Chance dahin.

Starker Endspurt bleibt unbelohnt

Aber der TVB hatte seit dem Trainerwechsel eine Qualität entwickelt, die auch am Sonntag wieder aufflammte: ein fulminanter Endspurt. Von den sieben Punktspielen unter Schweikardt endeten sechs mit einem Tor Differenz oder unentschieden. In den vergangenen beiden Partien machte der TVB mit dem letzten Angriff den Punkt (beim 24:24 gegen Berlin) oder den Sieg perfekt (26:25 in Gummersbach).

Und im Spiel gegen Lemgo? War ein solches Kunststück plötzlich auch möglich. Fünf Treffer in Folge brachten den TVB auf 27:28 heran. Und als Maier den Wurf von Guardiola parierte, verblieben sieben Sekunden, um den Mythos vom erfolgreichen Schlussspurt am Leben zu halten. Aber der TBV Lemgo ließ sich auch von einem einlaufenden siebten Feldspieler nicht überrumpeln. Den direkten Freiwurf von Dominik Weiß parierte Wyszomirski – und beendete die Serie der Spiele ohne Niederlage. Jetzt, sagte Kraus, „müssen wir halt weiterhin am Kabel ziehen“. Das wird zunächst ganz schwer, denn am Donnerstag, (19 Uhr ) gastiert das Topteam von der SG Flensburg-Handewitt in der Stuttgarter Scharrena.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: