Ein Paar ist in Tunesien zu viereinhalb beziehungsweise drei Monaten Haft verurteilt worden, weil sie sich in der Öffentlichkeit geküsst haben sollen. (Symbolbild) Foto: dpa

Weil sich eine Tunesierin und ihr französisch-algerischer Freund nach einer Party im Auto des Mannes geküsst haben sollen, hatte ein Gericht die beiden am Mittwoch zu viereinhalb beziehungsweise drei Monaten Haft verurteilt. Nun hagelt es Kritik.

Tunis - Die Verurteilung eines jungen Pärchens wegen „Unzucht“ in Tunesien ist auf heftige öffentliche Kritik gestoßen. Weil sich eine Tunesierin und ihr französisch-algerischer Freund nach einer Party im Auto des Mannes geküsst haben sollen, hatte ein Gericht die beiden am Mittwoch zu viereinhalb beziehungsweise drei Monaten Haft verurteilt, wie ihr Anwalt mitteilte. Den beiden werde demnach Verletzung der Sittlichkeit, Widersetzen gegen polizeiliche Anordnungen, Trunkenheit und Beamtenbeleidigung vorgeworfen, schrieb Anwalt Ghazi Mrabet in einer Stellungnahme im Internet.

Menschenrechtsaktivisten und junge Tunesier kritisierten das Urteil heftig und riefen für den Freitagabend zum öffentlichen Knutschen in der Hauptstadt Tunis auf. Die frühere Abgeordnete der verfassungsgebenden Versammlung in Tunesien, Karima Souid, ist wegen zunehmender „Angriffe auf die individuelle Freiheit beunruhigt“. Es gehe in Tunesien einen Schritt vorwärts und zehn Schritte zurück, schrieb sie bei Facebook.

Das tunesische Parlament hatte zuletzt weitreichende Gesetze zur Gleichstellung von Mann und Frau beschlossen.

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