Nicola Leibinger-Kammüller sorgt sich um den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Foto: factum/Granville

Die Chefin des Weltmarktführers Trumpf, Nicola Leibinger-Kammüller, fordert mehr Einsatz, um die Spaltung des Landes zu verhindern, und ein Bekenntnis zu christlichen Werten.

Stuttgart - Angesichts des Erstarkens von rechtspopulistischen Politikern in Deutschland sieht Nicola Leibinger-Kammüller, die Chefin von Trumpf, dem Weltmarktführer für Industrielaser, auch die Wirtschaft stärker in der Pflicht, um einer Spaltung der Gesellschaft vorzubeugen: Es sei noch nicht zu spät, als Gesellschaft einen gemeinsamen Weg zu finden auf der Basis von klaren Prinzipien und Fairness, sagte sie. „Dabei müssen wir alle Menschen mitnehmen, insbesondere auch jene in den neuen Bundesländern, über die wir oft allzu schnell urteilen“, so die Chefin des Ditzinger Familienunternehmens mit 11 000 Mitarbeitern.

Hier geht es zum großen Interview mit Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller.

„Die Unternehmen müssen Bundesländer wie Sachsen bei ihren Investitionsstrategien stärker berücksichtigen.“ Trumpf betreibt auch einen Standort in der Oberlausitz. „Wir agieren in dieser Region, in der es kaum Industriearbeitsplätze gibt, besonders behutsam – vielleicht noch behutsamer, als wir es bei anderen Standorten tun“, sagte sie.

1,1 Milliarden Euro Investitionen aus dem Land

Die Familienunternehmen hätten hier in jüngerer Zeit mehr Verantwortung gezeigt. „Bei einigen anderen würde ich mir mehr Engagement wünschen.“ Sachsen gilt als Hochburg der Rechtspopulisten.

Der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) zeigt sich zufrieden mit dem Engagement baden-württembergischer Firmen in seinem Bundesland und wirbt für noch mehr Ansiedlungen: „Allein in den vergangenen fünf Jahren haben Unternehmen aus Baden-Württemberg durch Neuansiedlungen mindestens 1,1 Milliarden Euro investiert und so mehr als 920 Arbeitsplätze in Sachsen geschaffen“, sagte er. Beispiele seien große Spieler wie die Allgaier Werke, Glatt Ingenieurtechnik und die Bosch Sensortec GmbH.

Viele Firmen aus dem Land hätten seither den Weg in den Freistaat gefunden. „Ich denke dabei etwa an Boysen-Abgassysteme in Plauen, USK in Limbach-Oberfrohna, die Trumpf Gruppe in Neukirch oder Porsche in Leipzig.“ Er könne nur dazu aufrufen, dass noch mehr Firmen diesem Beispiel folgen.

Bald hält sie ihre erste Predigt

Die Familie Leibinger ist die prominenteste baden-württembergische Unternehmerfamilie, die ihr wirtschaftliches Handeln und soziales Engagement konsequent nach einem christlichen Wertefundament richtet und dieses auch in die Öffentlichkeit trägt. Am 31. Oktober hält Nicola Leibinger-Kammüller anlässlich des Reformationstags ihre erste Predigt in ihrer Gemeinde in Gerlingen. Eine stärkere Rückbesinnung auf christliche Werte täte anlässlich des Luther-Jahres nicht nur den Unternehmen gut, sagte sie. „Ich würde das nicht auf die deutsche Wirtschaft beschränken. Das täte allen Menschen gut. Und übrigens: Der weitaus größte Teil der deutschen Wirtschaft hält sich an das, was wir Werte nennen.“ Industrieskandale wie die VW-Abgasaffäre passierten, weil Menschen nicht fehlerfrei seien.

„Die Menschen, die bei uns oder bei VW oder irgendwo sonst in einem Unternehmen arbeiten, sind ein Durchschnitt der Bevölkerung. Warum sollte es bei alledem ausgerechnet in Unternehmen nicht zu Verfehlungen kommen?“ Die Führungskräfte eines solchen Autokonzerns stünden unter enormen Druck. Grundsätzlich gelte: „An gesetzliche Vorgaben muss man sich halten.“

Aber manchmal seien die Vorgaben auch unrealistisch. „Ob beispielsweise der E-Motor so schnell zum Standard in Deutschland werden kann, wie sich das die Grünen und auch Teile der CDU wünschen, wage ich zu bezweifeln“, sagte sie.

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