Bundestrainer Joachim Löw findet die Entwicklungen in der Bundesliga bedenklich. Foto: dpa

Auch in Deutschland droht der Transfermarkt zu überhitzen: Am letzten Tag der Transferperiode herrschte bei den Vereinen der Ausnahmezustand. Nie zuvor sind in der Weltmeister-Liga so viele Millionen bewegt worden wie in dieser Sommerpause. Das beunruhigt sogar Bundestrainer Joachim Löw.

Frankfurt/Main - Der letzte Akt im überhitzten Wechsel-Theater der Fußball-Bundesliga erlebte mit dem zweitteuersten innerdeutschen Transfer der Geschichte den erwarteten Schlusspunkt. Für geschätzte 35 Millionen Euro verlässt Weltmeister Julian Draxler seinen Herzensverein Schalke 04 und heuert als Nachfolger von Kevin De Bruyne beim VfL Wolfsburg an. Mehr Geld zwischen zwei deutschen Vereinen war bisher nur beim Transfer von Mario Götze geflossen, für den Rekordmeister Bayern München vor zwei Jahren 37 Millionen Euro an Borussia Dortmund überwies.

Nie zuvor sind in der Weltmeister-Liga so viele Millionen bewegt worden wie in dieser Sommerpause. Das verstörte sogar Bundestrainer Joachim Löw ein wenig. „Manchmal ist es insgesamt ein wenig bedenklich, welche Summen gezahlt werden. Letztlich ist es so, man muss das akzeptieren, der Markt gibt es nun mal her. Aber mitunter ist es schon ein wenig schwindelerregend“, sagte Löw am Montag beim Treffen der Nationalmannschaft vor dem Polen-Spiel in der EM-Qualifikation.

De Bruyne geht zu Manchester City

Der Abgang von De Bruyne zu Manchester City für rund 75 Millionen Euro sorgte für einen Rekordtransfer und animierte den Pokalsieger und Vizemeister aus Wolfsburg zu einer ausgedehnten Shoppingtour mit Draxler als Königseinkauf. „Julian war unser Wunschspieler, und durch den Wechsel von Kevin De Bruyne konnten wir seine Verpflichtung jetzt realisieren“, sagte VfL-Manager Klaus Allofs.

Schalke verliert damit zwar einen Sympathieträger, konnte sich aber ebenfalls mit einer Rekordeinnahme trösten. „Über die konkreten Ablösemodalitäten geben wir keine Auskunft, können aber sagen, dass wir wirtschaftlich die größte Einnahme erzielen, die je ein Transfer in der Geschichte unseres Clubs erbracht hat“, erklärte Schalke-Manager Horst Heldt.

Doch auch andere langten richtig zu. Während die Bayern die rund 67 Millionen Euro für Arturo Vidal (Juventus Turin) und Douglas Costa (Schachtjor Donezk) von ihrem Festgeldkonto überwiesen, reinvestierten die meisten anderen Vereine die üppigen Einnahmen aus Spielerverkäufen nach England.

Hernández unterschrieb einen Vertrag bei Bayer

Bayer Leverkusen etwa. Nach dem Verkauf von Heung-Min Son an Tottenham Hotspur für 30 Millionen Euro lockte der Werksclub nach Kevin Kampl von Borussia Dortmund auch Javier Hernández vom Schweinsteiger-Club Manchester United für zusammen mehr als 20 Millionen Euro an den Rhein. Der Mexikaner, den alle nur Chicharito rufen, unterschrieb am Montag einen Dreijahresvertrag.

Der FC Augsburg konnte sich dank der 25 Millionen Euro, die Chelsea für Abdul Rahman Baba auf den Tisch legte, die fünf Millionen Euro teure Rückkehr von Ja-Cheol Koo (FSV Mainz 05) leisten. Und nicht zu vergessen: 1899 Hoffenheim kassierte vom FC Liverpool 41 Millionen Euro für den Wechsel von Roberto Firmino - der zweitteuerste Transfer der Bundesligageschichte.

Doch nicht alle bekamen etwas ab vom großen englischen Kuchen. Traditionsvereine wie der Hamburger SV, der sich auf den letzten Drücker zumindest die Dienste des Wolfsburgers Aaron Hunt sicherte, der VfB Stuttgart, der durch den Transfer von Antonio Rüdiger zum AS Rom immerhin 18 Millionen Euro verdiente, oder Eintracht Frankfurt, deren Konto dank des Wechsels von Torwart Kevin Trapp zu Paris St. Germain um die Vereinsrekordsumme von 9,5 Millionen Euro anwuchs, konnten nur in begrenztem Maße einkaufen.

„Jeder durchschnittliche Spieler kostet heute 20, 30 Millionen Euro. Wo soll das hinführen“, klagte Eintracht-Trainer Armin Veh. „Diese Fabelsummen sorgen für Unruhe. Ich halte das für völlig ungesund. Die Bundesliga wird dadurch Probleme bekommen.“

Markt droht zu überhitzen

Nicht nur Volkswagen-Chef Martin Winterkorn fürchtet angesichts der Kaufkraft der englischen Clubs in Zukunft um die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga. „Wenn die Verhältnisse so sind, dass solche Summen bezahlt werden, muss man sich überlegen, was man in Deutschland macht, um den Ausverkauf zu verhindern“, zitierten diverse Medien am Montag den Chef der Konzernmutter des VfL Wolfsburg. Beim Poker um De Bruyne hätten selbst die Bayern nicht ohne weiteres mithalten können. Immerhin soll der belgische Jungstar in Manchester 20 Millionen Euro pro Saison verdienen.

Doch auch in Deutschland droht der Markt zu überhitzen. Am „Deadline Day“, dem letzten Tag der Transferperiode, herrschte bei den Vereinen jedenfalls noch einmal der Ausnahmezustand. Ab Dienstag hat der Wahnsinn dann erst einmal ein Ende - bis zur Winterpause.

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