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Der Terrorexperte Mustafa Alani sieht im Jemen eine neue Basis des internationalen Terrorismus. El Kaida habe begonnen, in dem arabischen Land verstärkt zu rekrutieren.

Jerusalem - Der Terrorexperte Mustafa Alani sieht im Jemen eine neue Basis des internationalen Terrorismus. El Kaida habe begonnen, in dem arabischen Land verstärkt zu rekrutieren.

Herr Alani, El Kaida im Jemen hat sich zu dem versuchten Anschlag von Detroit bekannt. Hat sich der Jemen zu einem neuen Terrorzentrum entwickelt?

Es geht um El Kaida auf der gesamten Arabischen Halbinsel. Vor einem Jahr haben sich der saudische und der jemenitische Ableger von El Kaida zusammengeschlossen. El Kaida hat seitdem begonnen, im Jemen verstärkt zu rekrutieren. Die Gruppe publiziert mehr als vorher, zum Beispiel das Internet-Magazin "Echo des Schlachtfelds". Und sie hat vor allem mehr Anschläge verübt, etwa in Saudi-Arabien auf den im Anti-Terror-Kampf führenden Prinz Mohammed im August. Viele der Mitglieder, die heute im Jemen aktiv sind, sind keine Jemeniten, sondern Saudis, denn sie stehen in Saudi-Arabien unter starkem Druck.

Bringen also die saudischen Mitglieder Geld und Ideologie ein und die Jemeniten ein Territorium, das zu einem großen Teil nicht von der Regierung kontrolliert wird?

Der Jemen wurde aus einer Reihe von Gründen als neue Operationsbasis ausgewählt. Die jemenitische Regierung hat es derzeit mit drei Konflikten zu tun: dem Huthi-Konflikt, dem Separatismus im Süden und der Herausforderung durch El Kaida. Die Offensive gegen die Huthi bindet so viele Kapazitäten, dass sich El Kaida relativ frei bewegen kann.

Hat also die Regierung im Jemen im Kampf gegen El Kaida versagt?

Es stimmt, dass es 2006 einer Gruppe von 23 El-Kaida-Häftlingen gelungen ist, aus dem Gefängnis auszubrechen. Doch 20 davon sind entweder getötet oder wieder festgenommen worden. Die Jemeniten sind in der Terrorbekämpfung besser als ihr Ruf. Auch die jüngsten El-Kaida-Anschläge im Jemen selbst, darunter einer auf die US-Botschaft in Sanaa, sind fehlgeschlagen.

Warum haben die Amerikaner dann im Dezember zum ersten Mal aktiv mit Luftschlägen eingegriffen?

Die jemenitische Regierung hat wegen der Huthi-Offensive nicht genügend Kapazitäten. Sie braucht Hilfe. Jemen sagt zu Recht, dass El Kaida im Land kein jemenitisches Problem allein ist, sondern ein regionales. El Kaida Jemen hat nie verschwiegen, dass sie die gesamte Golfregion als Ziel ansieht.

Ist amerikanische Hilfe sinnvoll?

Schon, doch die Amerikaner sehen El Kaida immer nur als Sicherheitsproblem an. Die Armut spielt indes auch eine wichtige Rolle, die schlechte wirtschaftliche Lage spielt den Terroristen in die Hände.

Wie groß ist die Sympathie im Jemen für El Kaida?

In den 90er Jahren war sie sehr groß. Doch heute sieht die Mehrheit El Kaida als Gefahr an. Sie hat kein Problem damit, dass die Amerikaner ihr Land unterstützt haben.

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