Tatort Klett-Passage in Stuttgart Sex-Übergriff auf Mädchen aufgeklärt

Von Wolf-Dieter Obst 

Auf Patrouille: Die Passage unterm Bahnhof gilt als Brennpunkt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Auf Patrouille: Die Passage unterm Bahnhof gilt als Brennpunkt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Ein unglaublicher Fall: Zwei zwölfjährige Mädchen werden in der Klett-Passage von einem Unbekannten bedrängt und sexuell missbraucht. Jetzt hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen.

Stuttgart - Wie sicher muss sich der Täter gefühlt haben? Ausgerechnet an der Rückseite des Polizeipostens Klett-Passage, am Aufgang zum Nordausgang des Hauptbahnhofs, hatte er zwei zwölfjährige Mädchen ins Visier genommen. Dass sie zu zweit waren, störte ihn nicht weiter. Er bedrängte die Kinder sexuell und entkam anschließend unerkannt. Nun aber, acht Monate später, hat die Kripo einen 21-jährigen Tatverdächtigen festgenommen. Wieder in der Klett-Passage.

Der Fall spielte sich am Ende der Osterferien ab, an einem Sonntag gegen 19.10 Uhr. Die Verbindung zum Nordausgang des Bahnhofs ist weniger frequentiert, seit der einstige Parkplatz am Nordflügel sich in eine Großbaustelle verwandelt hat. Dort gerieten die beiden zwölfjährigen Mädchen in die Fänge eines jungen Mannes mit schwarzer Joggingkleidung, olivfarbener Bomberjacke und einer goldfarbenen Armbanduhr.

Man kann nicht gerade sagen, dass es in der Klett-Passage keine Polizeipräsenz gäbe. Regelmäßig sind dort Streifen der Sicherheitskonzeption Innenstadt unterwegs, der Polizeiposten gleich am Tatort ist sonntags allerdings geschlossen.

Als der Täter zuschlägt, ist niemand in der Nähe

Offenbar war niemand in der Nähe, als der Mann erst dem einen Mädchen die Hose herunterzuziehen versuchte, dann das andere bedrängte. Er drückte das Mädchen gegen eine Wand, zog sich selbst die Hose herunter und – so hieß es später bei der Polizei – befriedigte sich offenbar. Das sollte ihm zum Verhängnis werden.

Die Mädchen bewahrten zum Glück klaren Kopf. Weil der Posten am Sonntag Ruhetag hat, begaben sie sich zum Revier der Bundespolizei an der Königstraße und erstatteten Anzeige. Der Täter war längst über alle Berge – doch er hatte seine Spuren hinterlassen. Kriminaltechniker sicherten einen genetischen Fingerabdruck.

Verdächtiger wegen Drogendelikten bekannt

Die Klett-Passage gilt nicht erst seit den Osterferien als Brennpunkt. Seit Jahren sind dort Drogenhändler vorwiegend nordafrikanischer Herkunft, aber auch soziale Randgruppen unterwegs. Nach Ansicht der Mietervereinigung Klett-Passage merke man zwar keine starken Veränderungen, doch habe sich einiges mittlerweile verbessert. So sind etwa die Punkergruppen verschwunden, und die Polizei sei bei Diebstählen schnell vor Ort.

Zur Stelle war die Polizei am Dienstag um 17.15 Uhr. Am anderen Ende der Klett-Passage, am Aufgang zum Reisezentrum, stand ein 21-Jähriger, der mit Haftbefehl gesucht wurde. Denn die DNA-Spur gehörte zu ihm – der junge Mann nordafrikanischer Herkunft war wegen Drogendelikten polizeibekannt. Seither wurde er gesucht. Gemeldet ist er im Raum Köln. Am Mittwoch landete er vor dem Haftrichter. „Ob er für weitere Taten infrage kommt“, sagt Polizeisprecher Stephan Widmann, „wird noch ermittelt.“

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