Der vegan lebende Künstler Tim Bengel (rechts) hat dem Peta-Chef Harald Ullmann eine Grabstein seiner Berliner Installation zum 25. Geburtstag der Tierschutzorganisation geschenkt. Foto: StN

Tim Bengel steigt noch weiter auf: Auf der Art Miami, einer der wichtigsten Kunstmessen der Welt, präsentiert der 27-Jährige jetzt seine Werke. Vorm Abflug schenkte er Peta in Stuttgart einen Grabstein seiner Berliner Friedhofs-Installation

Stuttgart - Vegetarier ist Tim Bengel, Senkrechtstarter im internationalen Kunsthandel und Gründer der Stuttgarter Künstlergruppe Plattform 11, schon lange. Für den nächsten Schritt brauchte er viel Zeit. „In einem Prozess von drei Jahren“, sagt er, „habe ich es geschafft, mich völlig vegan zu ernähren.“

Den Veganismus vergleicht der 27-Jährige mit der Kunst: „Da wie dort geht es darum, Sachen zu hinterfragen.“ Wichtig ist ihm, die Tierhaltung zu hinterfragen und darauf zu achten, wie Menschen mit ihren Mitgeschöpfen umgehen, mit den Tieren. Daheim in Stuttgart hat Bengel, bevor er in das sonnige Florida fliegt, wo er von diesem Donnerstag an ausstellt, dem Peta-Chef Harald Ullmann zum 25. Geburtstag der Tierschutzorganisation einen Grabstein seiner Berliner Installation „Gräber unserer Generation“ geschenkt. Aufschrift: „Somehow I Felt Killing Animals Is Wrong“.

„Bisher wurde nur ein Grabstein geklaut“

In Form eines riesigen Totenkopfes hatte Bengel heimlich nachts 100 Grabsteine und Friedenshofpflanzen unweit der ehemaligen Mauer angeordnet. Grabinschriften ließ er auf Marmorplatten gravieren, die als letzte Erkenntnisse auf dem Totenbett zu verstehen sind, als späte Reue. Eine seiner Botschaften lautet: Man sollte nicht erst zum Ende des Lebens erkennen, dass es falsch ist, Tiere zu töten, sondern schon viel früher danach handeln. Dieser Grabstein hängt nun an der Wand des Peta-Büros in Stuttgart.

Die Berliner Installation, mit der Bengel im September für großes Aufsehen gesorgt hat, lockt weiterhin Touristen und Einheimische an. „Bisher wurde nur ein Grabstein geklaut“, berichtet Bengel, „viel weniger als gedacht.“ Die Berliner seien sehr gut zu seinem Werk, freut er sich: „Sie fegen selbstständig Laub weg, schauen, dass alles sauber bleibt.“ Bisher hat er drei Grabsteine für guten Zwecke versteigert. Zu den Käufern zählt einer der Flixbus-Gründer, der 20.000 Euro zahlte. „Wenn die Blumen verwelkt sind, kommen die Grabsteine an eine Wand in Berlin“, kündigt der 27-Jährige an.

Soßenfan Tim Bengel macht jetzt tolle Soßen ohne Sahne

Jetzt wird die nächste Karrierestufe gezündet: Die Galerie Rother Winter aus Wiesbaden hat Bengel ausgewählt, bei der Art Miami, eine der wichtigsten Kunstmessen der Welt, als deutscher Vertreter auszustellen. Diese Einladung ist für einen jungen Künstler wie ein Ritterschlag. Los geht’s am Donnerstag. Käufer mit viel Geld, darunter Hollywood-Stars, zählen zu den Kunden der Messe am Miami Beach.

Tim Bengel freut sich über die Einladung sehr, aber auch, wenn möglichst viele seinem veganen Beispiel folgen. Die Umstellung sei nicht leicht, sagt er, ihm sei es schwer gefallen, auf Sahne zu verzichten. „Früher hab’ ich so gern Sahnesoßen gemacht – na klar, ich komm’ aus dem Schwabenland.“ Inzwischen wisse er, dass es viele Alternativen gibt. Am besten sei es, sich mit Freunden zusammenzutun. Gemeinsam gelinge es besser, Spaß an einer Ernährung zu haben, bei der man kein schlechtes Gewissen haben müsse.

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