Die meisten Patienten, die im Baraka Medical Centre in Nairobi behandelt werden, nehmen die Hilfe, die ihnen dort zuteil wird, dankbar an. Foto: Miro May

Die Chirurgin und Künstlerin Sabine Waldmann-Brun aus Stuttgart-Plieningen war zum fünften Mal für sechs Wochen in Nairobi ehrenamtlich für den Verein German Doctors tätig. Das ist aber nicht das Einzige, was sie in Afrika macht...

Plieningen - Nairobi ist nicht unbedingt der Ort, dem die Künstlerin und Chirurgin Sabine Waldmann-Brun persönlich viel abgewinnen kann. „Die Stadt ist laut und hat schlechte Luft“, sagt sie. Dennoch zieht es die Plieningerin seit Jahren regelmäßig in die kenianische Hauptstadt. Nicht zum Sightseeing oder der Erholung wegen. Sabine Waldmann-Brun spendet alljährlich sechs Wochen ihrer Zeit, um fernab von Stuttgart den Ärmsten der Armen medizinisch zu helfen – ehrenamtlich, ohne jede Vergütung.

Menschen können sich Behandlung in anderen Kliniken oft nicht leisten

In Mathare, dem nach den Worten von Waldmann-Brun zweitgrößten Slum Nairobis mit Hunderttausenden Bewohnern, behandelt sie seit 2015 während ihrer Aufenthalte „täglich 40 bis 60 Patienten“ im Baraka Medical Centre. Zeit für sich selbst findet die Medizinerin dort höchstens an den Wochenenden. Abends sei man einfach platt, sagt Waldmann-Brun – aber auch zufrieden. Schließlich gelinge es den für die Organisation German Doctors tätigen Ärzten oft mit einfachen Mitteln, jenen Menschen zu helfen, die sich Behandlungen in staatlichen oder privaten Kliniken nicht leisten können. „Und die Tapferkeit der Patienten, die versuchen, aus allem das Beste zu machen, ist immer wieder beeindruckend“, sagt Waldmann-Brun. Beispiele dafür hat sie viele. Nicht selten kämen die Patienten mit ihren eitrigen Entzündungen, Abszessen oder Frakturen aber „sehr spät, bisweilen gar zu spät“ ins Krankenhaus. Und oft seien es „einfach vernachlässigte Dinge, von denen die Betroffenen ausgehen, dass sie von selbst wieder gut werden“, sagt Waldmann-Brun. In vielen Fällen passiere dies aber eben doch nicht.

Verletzungen werden oft vernachlässigt

Auch bei einem jungen Mann, den Waldmann-Brun beim jüngsten Nairobi-Aufenthalt zwischen Anfang Dezember und Mitte Januar behandelt hat, war es so. Der Mann hatte sich an der Hand mit einem Holzsplitter verletzt. Als er bei der Chirurgin vorstellig wurde, war alles dick geschwollen, und es tropfte Eiter aus der Wunde. Die medizinische Hilfe kam trotzdem noch rechtzeitig: „Wenig später hätten wir die Hand wohl amputieren müssen“, berichtet die Plieninger Medizinerin. Dass es so nicht gekommen ist, stimmt sie froh.

In solchen Situationen wird ihr klar, in welch privilegierter Situation die Menschen in Deutschland leben. Bei einzelnen Patienten, die sie hierzulande als Ärztin behandelt, würde sie sich daher mitunter „etwas mehr Dankbarkeit und Demut wünschen“. Nicht selten ist die Medizinerin bei ihren Notfalldiensten schließlich mit überzogenen Erwartungen konfrontiert.

In Botswana hat sie ihre Famulatur gemacht

Ihre Liebe zu Afrika hat Sabine Waldmann-Brun schon während ihrer Studienzeit entdeckt. So hat sie in Botswana ihre Famulatur gemacht. Außerdem war sie ein halbes Jahr in Uganda tätig. Vor ihren Nairobi-Einsätzen war sie zudem einmal für die German Doctors in Sierra Leone aktiv.

In einem kleinen Krankenhaus in Brackenheim habe sie nach ihrem Medizinstudium in Tübingen – mit dem sie übrigens erst im Alter von 40 Jahren begonnen hat – eine breit angelegte basischirurgische Ausbildung genossen. Diese komme ihr heute bei der Arbeit in Nairobi zugute. „Ich mag Afrika“, sagt Waldmann-Brun und verdeutlicht, dass sie von den bunten Farben, der Offenheit der Menschen aber auch der Wärme regelrecht angezogen wird.

Dies alles hat freilich auch Auswirkungen auf die Kunst von Waldmann-Brun. „Ich habe mein Skizzenbuch immer dabei“, sagt die Plieningerin, die die in Afrika gesammelten Ideen dann in Deutschland teils großformatiger umsetzt. Waldmann-Brun schätzt in Afrika nicht zuletzt die Stärke der Frauen. Immer wieder führt sie mit Einheimischen Interviews über deren Träume, Ideen und Werdegänge.

Ein Buch der Ärztin und Künstlerin

Von ihren Gesprächen und Erfahrungen berichtet Sabine Waldmann-Brun unter anderem im Buch „Rote Erde: Notizen aus der ärztlichen Arbeit in Afrika“ (ISBN 978-3-86963-378-7), das im Iatros-Verlag erschienen ist.

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