Schneechaos in Stuttgart und Umland Mehr als 70 Glätte-Unfälle in der Region

Von Rafael Binkowski 

Der heftige Schneefall hat am Freitagabend zu über 70 Unfällen in der Region geführt, darunter auch im Engelbergtunnel. Bei Rudersberg kommt ein Bus von der Fahrbahn ab. Es gibt viele Verletzte.

Stuttgart/Ludwigsburg - Ein Einsatz reiht sich an den anderen: Schnee und Glätte beschäftigen Polizei, Rettungsdienste und Feuerwehr seit Freitagnachmittag fast permanent. Aus der ganzen Region meldet die Polizei über 70 Unfälle wegen Schneeglätte.

„In den meisten Fällen war nicht angepasste Geschwindigkeit die Ursache“, heißt es in einer Mitteilung der Ludwigsburger Polizei. Sprich: Wer zu schnell unterwegs ist, kommt bei Schnee und Matsch schnell ins Schleudern. Viele parkende Autos wurden gerammt, weil Autos nicht mehr bremsen konnten. In den meisten Fällen gab es nur kaputte Wagen, rund zehn Menschen wurden verletzt.

In Stuttgart hat die Polizei zwischen 15 Uhr und 23 Uhr 18 Glätteunfälle aufgenommen. Die meisten Zusammenstöße ereigneten sich in den Stadtbezirken Vaihingen, Möhringen, Degerloch, Heslach und Feuerbach. „Größtenteils gingen diese glimpflich aus und es blieb es bei Blechschäden“, so ein Sprecher der Polizei. Der Sachschaden dürfte bei rund 52 000 Euro liegen.

Zahlreiche Menschen müssen ins Krankenhaus

In den Kreisen Ludwigsburg und Böblingen hat es 25 Schnee-Unfälle gegeben, Schaden rund 100 000 Euro. Dabei gab es sieben verletzte Personen, einige davon mussten länger als einen Tag ins Krankenhaus. Diese schweren Unfälle ereigneten sich in Marbach am Neckar, Löchgau und Freiberg am Neckar, allein dabei entstand ein Schaden von 16 000 Euro, auch in Sindelfingen und Altdorf gab es auf schneeglatter Fahrbahn gravierende Zusammenstöße.

Im Rems-Murr-Kreis hat es 17 Mal gekracht, Schaden hier nur 5000 Euro, eine Person wurde verletzt. Bei Rudersberg ist ein Bus von der Fahrbahn abgekommen. Im Ortsteil Krehwinkel landete der Linienbus im Graben. Die Türen waren verbarrikadiert. Die Feuerwehr musste sie von außen öffnen, um die Fahrgäste zu befreien. Laut Polizei waren neun Personen im Linienbus, konnten aber befreit werden. Zwischen Klaffenbach und Althütte kam eine 50-jährige Frau auch wegen Schnee von der Straße und rutschte zehn Meter eine steile Böschung herunter. Ein Baum hielt das Auto auf, es blieb fast senkrecht mit der Frontseite im Schnee stecken. Die Frau konnte sich selbst befreien.

Und im Kreis Esslingen hat sich ein größerer Unfall bei Aichwald ereignet, dort ist eine Frau um 14.45 Uhr in eine Einmündung gerutscht, ein weiterer Wagen fuhr auf ihren drauf, beide Fahrzeuge landeten im Straßengraben. Bei Wolfschlungen kippte ein Wagen wegen Schneeglätte in einer Kurve auf die Seite. Sonst wurden von dem für Esslingen zuständigen Polizeipräsidium Reutlingen 20 Unfälle gemeldet, die aber auch zum Teil im Kreis Reutlingen stattfanden.

Schwerer Unfall auf der B10

Drei schwere Unfälle werden aus dem Kreis Ludwigsburg gemeldet: In Remseck hat sich in der Nacht auf Samstag ein Auto überschlagen. Um 2.28 Uhr fuhr ein Audi auf dem sogenannten Soldatensträßle zwischen Ludwigsburg-Oßweil und Remseck-Hochberg. Auf der abschüssigen Kreisstraße kam der 23-jährige Fahrer in einer Linkskurve in den schneebedeckten Grünstreifen, das Auto überschlug sich und landete auf dem Dach. Der Fahrer konnte sich selbst aus dem Fahrzeug befreien. Da er nach Alkohol roch, wurde im Krankenhaus Blut entnommen. Die Feuerwehr Remseck war mit fünf Fahrzeugen und 27 Wehrleuten vor Ort. Die Straße war eineinhalb Stunden gesperrt.

In Vaihingen/Enz (Kreis Ludwigsburg) hat es am Samstag um 8.25 Uhr auf der Bundesstraße B 10 gekracht. Eine 27-jährige Ford-Fahrerin hat in Richtung Illingen eine Ampel mit Rotlicht überfahren, dabei kollidierte sie mit zwei weiteren Autos. Eine 52-jährige Frau wurde dabei in ihrem Auto eingeklemmt und schwer verletzt. Die Feuerwehr aus Vaihingen/Enz kam mit 25 Einsatzkräften und konnte sie befreien, der Rettungsdienst hat sie nach der Erstversorgung in ein Krankenhaus gebracht. Die B 10 musste vollständig gesperrt werden.

Am Wochenende ist kein weiterer Schnee in Sicht

Im Engelbergtunnel auf der Autobahn A 81 ist ein 31-jähriger Autofahrer leicht verletzt worden. Drei Autos sind am Freitag um 16.15 Uhr von Leonberg aus in den Autobahntunnel eingefahren, als der 31-jährige Hyundai-Fahrer wegen stockendem Verkehr vollständig abbremsen musste. Eine 22-jährige Frau in einem Seat hinter ihm konnte gerade noch anhalten, doch ein 31-jähriger BMW-Fahrer dahinter war zu schnell unterwegs und krachte in den Hyundai. Schaden 14 000 Euro und lange Staus.

Schon am Mittwoch hatte es durch den überraschend starken Schneefall auf den Straßen und Autobahnen ein Schneechaos gegeben. Für das Wochenende deutet sich allerdings Entspannung an: Es schneit nicht mehr, und die leicht steigenden Temperaturen sorgen dafür, dass in einigen Lagen die Schneemassen wieder abtauen.

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