Es gibt viele vertraute und ein paar neue Gesichter beim „Tatort“ – und sicher wieder sehr unterschiedliche Ansichten zu jeder Folge.Foto:ARD/Montage Foto:  

Deutschlands beliebteste Krimireihe feiert Jubiläum. Im 50. Jahr gibt es ein neues Team in Bremen, Zürich als neuen Schauplatz, und die Ermittler aus München und Dortmund arbeiten in einer Doppelfolge am selben Fall. Aus Stuttgart kommt ein Wirtschaftskrimi.

Berlin - Unter allen Problemen, die Corona gebracht hat und noch bringen wird, ist dies eines der kleinsten. Trotzdem dürfen die vielen „Tatort“-Fans sich natürlich fragen: Ist der Kriminachschub gesichert? Kann die „Tatort“-Saison wie gewohnt Premiere an Premiere reihen? Oder hat es Produktionsausfälle gegeben, muss nun wie in der traditionellen Sommerpause auf Wiederholungen zurückgegriffen werden?

Freiburg wird spalten

Die Verantwortlichen der ARD haben da gute Nachrichten. Die Jubiläumssaison – die erfolgreichste Krimireihe des deutschen Fernsehens ist am 29. November vor 50 Jahren an den Start gegangen – ist komplett. Sie startet an diesem Sonntag mit dem Wiener Team und mit Folge 1136. Das nur für diejenigen, die überlegen, ob sie eigentlich mal an einem langen Wochenende alle bisherigen „Tatort“-Fälle bingen könnten. Am 13. September kommen die Berliner zum Zug, am 20. September läuft der „Polizeiruf“ aus Magdeburg – und spätestens am 27. September wird es wieder heftige Diskussionen in den sozialen Netzwerken geben.

Dann wird nämlich der neue Fall des Freiburger Teams mit dem Titel „Rebland“ ausgestrahlt. Zuletzt haben die „Tatort“-Folgen aus dem Schwarzwald am heftigsten von allen polarisiert. Die an die Nieren gehende Fasnets-Geschichte „Ich hab im Traum geweinet“ hat im Februar wahre Hassausbrüche enttäuschter Zuschauer provoziert. Dabei war, was der Autor Jan Eichberg, der Regisseur Jan Bonny und die Darstellerriege um Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner da geboten haben, ein so vorzüglicher wie finsterer Film. Nur eben ganz und gar nicht das, was die Stammzuschauer auf dem „Tatort“-Sendeplatz erwarten.

Schmankerl in der Mediathek

Noch ohne festgefressenen Erwartungsdruck oder giftige Vorbehalte dürfen zwei neue Teams antreten. In Bremen schlüpfen Jasna Fritzi Bauer, Luise Wolfram und Dar Salim in die Rollen der Ermittler. Zur realen Schulung der Schauspieler in Polizeitechniken – Umgang mit Waffen, Haltegriffe, Eigensicherung zum Beispiel – gibt es demnächst ein Schmankerl, eine nicht ganz ernst gemeinte sechsteilige Dokuserie, die in der ARD-Mediathek unter dem Titel „How to Tatort“ zu finden sein wird – irgendwann vor dem Debüt des neuen Teams 2021.

Einen neuen Schauplatz bekommt die Reihe mit Zürich. Am 18. Oktober feiert das Schweizer Duo Tessa Ott und Isabelle Grandjean (Carol Schuler und Anna Pieri Zuercher) Premiere. Der erste Fall heißt „Züri brännt“ und führt in die 80er Jahre, als in der größten Stadt der Schweiz die Jugendlichen rebellierten.

Für den nächsten Stuttgart-„Tatort“ hat der SWR den 1. November anvisiert, dann sollen Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) im Wirtschaftskrimi „Der Welten Lohn“ ermitteln. Der hatte auf dem Stuttgarter Kulturwasen eine Open-Air-Premiere unter Corona-Bedingungen, und wer dabei war, ist des Lobes voll.

Teamwork München/Dortmund

Das mit Abstand beliebteste Team ist aber immer noch das aus Münster. 2019 gab es drei Einsätze für Thiel und Boerne (Axel Prahl und Jan Josef Liefers) zu sehen, in diesem Jahr sind laut WDR immerhin noch zwei zu erwarten.

Tatsächlich gefährdet durch den zeitweiligen Produktionsstopp wegen Corona war ausgerechnet die große Jubiläumsanstrengung der ARD. Der Zweiteiler „In der Familie“ ist als Crossover-„Tatort“ angelegt: Die Teams aus München und Dortmund müssen hier zusammenwirken. Aber auch dieser von Bernd Lange geschriebene, von Dominik Graf und Pia Strietmann inszenierte Zweiteiler liegt nun wieder im Plan. Verschoben wurden allerdings die Dreharbeiten zu einem dritten „Tatort“ mit Heike Makatsch als Mainzer Kommissarin Berlinger. Nächstes Jahr soll er fertig sein.

Verletzliche Branche

Am Sonntagsritual – „Tatort“ schauen und gleich nebenher in die Welt twittern, was einem am aktuellen Fall nicht passt – ändert sich also auch in Corona-Zeiten für die Zuschauer vorerst tatsächlich nichts. Bei den Machern dagegen herrscht durchaus Anspannung.

Anders als die quotenrelevanten und darum gesetzten „Tatorte“ sind etliche andere Projekte entgleist. Und die Schwierigkeiten auch bei den „Tatort“-Produktionen haben gezeigt, wie verletzlich die Branche in Pandemiezeiten ist. Der Dreh neuer Folgen unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln wird manchen Spagat erfordern und langwieriger, also auch teurer werden. Dieses Geld muss anderswo eingespart werden. Eine zweite Infektionswelle mit einhergehendem Lockdown will sich derzeit auch im TV-Geschäft niemand ausmalen. Man sollte die aktuelle Saison also genießen. Zumindest die nächste Sommerpause könnte zur Einsparung der ein oder anderen Produktion schon mal länger werden als gewohnt.

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