Ein Schwimmsteg verbindet künftig den Neckarstrand mit dem Ufer entlang der Rems. Zudem werden für die Gartenschau im kommenden Jahr zwei Balkone am Flussufer gebaut. Das Kunstwerk mit drei weißen Häuschen war heftig umstritten. Foto: Gänßle+Hehr Architekten

16 Kommunen, 80 Kilometer Länge und Investitionen von mehr als 60 Millionen: die Remstalgartenschau im kommenden Jahr ist ein Großprojekt. In Remseck beginnen nun die Bauarbeiten. Wir zeigen, was geplant ist – und warum die Arbeiten teuer werden, als geplant.

Remseck - Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, wird in Remseck am 10. Mai 2019 eines der größten Städtebauprojekte der Ortsgeschichte fertig sein. An diesem Tag startet die interkommunale Remstalgartenschau und die Stadt ist, je nach Blickwinkel, Start- oder Endpunkt der Schau, an der sich 16 Kommunen auf 80 Kilometern Länge beteiligen. In diesen Tagen haben die Bauarbeiten für jene Projekte begonnen, die das Stadtbild dauerhaft verändern sollen und über das Ende der Gartenschau im Oktober 2019 hinaus bestehen bleiben.

Was hat die Stadt vor? Zentrales Gelände für die Gartenschau ist der Mündungsbereich zwischen Rems und Neckar. Am bestehenden Neckarstrand wird ein Naturspielplatz gebaut, der bei Hochwasser überflutet wird. Um von der Rems an den Strand zu gelangen, wird ein Schwimmsteg ins Wasser gesetzt, der am rechten Flussufer entlangführt und am Neckarstrand endet. Auch am anderen Ufer wird es neue Fußwege geben, sodass die Gartenschau-Besucher nahe am Wasser in dem Mündungsdelta umherlaufen können. Zwei Balkone auf beiden Seiten des Flusses, einer auf Höhe des Rathauses und einer etwas flussaufwärts, sollen einen guten Überblick über das Areal erlauben.

Werden auch Gebäude entstehen? Angedockt an den Schwimmsteg stehen drei weiße Häuschen. Sie sind der Remsecker Beitrag zu dem Architekturprojekt „16 Stationen“. Jeder Gartenschau-Kommune wurde dabei ein Architekt zugelost, der ein besonderes Objekt für „seine“ Stadt entwerfen sollte, eine sogenannte Landmarke. In Waiblingen entsteht zum Beispiel eine begehbare Gebäudeskulptur, in Fellbach eine ungewöhnlich geformte Pergola, in Remshalden ein Rosenpavillon. Für Remseck war der Frankfurter Planer Christoph Mäckler zuständig. Er entwarf, nach einigem Hin- und Her mit der Stadtverwaltung, die weißen Häuschen am Flussufer als „Umkleidekabine, Ausstellungsort oder Schutzraum“. Das Kunstwerk war aber heftig umstritten.

Was waren die Kritikpunkte? Vielen Kommunalpolitikern gefiel der Entwurf der Remsecker Station nicht. Von „reiner Geldverschwendung“ etwa sprach Peter Bürkle (Freie Wähler). Nur knapp, mit 13 zu 11 Stimmen, erteilte der Gemeinderat kurz vor Weihnachten sein Placet.

Mit welchen Gesamtkosten rechnet die Stadt für die Gartenschau? Ursprünglich ging die Verwaltung von rund 1,7 Millionen Euro aus. Im April wurde aber klar, dass diese Summe deutlich zu niedrig angesetzt war. Nach aktuellem Stand werden knapp 2,5 Millionen Euro fällig.

Wie erklärt das Rathaus diese Kostensteigerung um mehr als ein Drittel? Mit der guten Auftragslage bei den Bauunternehmen. Für die ausgeschriebenen Arbeiten haben sich nur drei Firmen beworben, das günstigstes Angebot kam vom Landschaftsbau-Unternehmen Michael Hörr aus Remseck. Das liegt aber knapp ein Drittel über der Kalkulation. Man habe geprüft, die Ausschreibung aufzuheben oder den Auftrag neu zu vergeben – beides sei wegen des Zeitdrucks allerdings nicht sinnvoll gewesen, heißt es aus dem Rathaus. Zudem erwarte man angesichts der vollen Auftragsbücher bei den Bauunternehmen „keine wirtschaftlichere Lösung“. Trägt die Stadt alle Kosten selbst? Nein. Die meisten Gartenschauprojekte werden bezuschusst, sowohl vom Land Baden-Württemberg als auch vom Verband Region Stuttgart. Von den 70 000 Euro, die die weißen Häuschen kosten, muss die Stadtkasse zum Beispiel nur die Hälfte aufbringen. „Eines ist in Remseck immer knapp: Geld“, sagte der Oberbürgermeister Dirk Schönberger unlängst beim Spatenstich für die Gartenschau.

Wie teuer wird die Schau insgesamt? Die 16 beteiligten Kommunen investieren rund 60 Millionen Euro. Für Projekte, die ortsübergreifend verwirklicht werden – etwa Rad- und Wanderwege –, kommen noch 40 Millionen hinzu. Zum Vergleich: die Landesgartenschau 2018 in Lahr, die deutlich mehr Fördermittel erhalten hat, kostete rund 58 Millionen. Was wird in Remseck außer den Daueranlagen noch getan für die Schau? Viel Wert legt die Stadt auf ihre Bürgerprojekte, sprich: auf Vorhaben, bei denen die Einwohner selbst zu Pinsel oder Spaten greifen. Zu diesen Vorhaben gehört ein „Naschgarten“ im Stadtteil Neckarrems, in dem Kräuter und essbare Pflanzen wachsen. Auch werden alte Fässer bemalt und bepflanzt, die während der Gartenschau in der Stadt verteilt stehen.

Und was planen die Nachbarn? In Waiblingen entsteht eine künstliche Lichtung aus 200 Silberweiden, außerdem wird der Elsbeth-und-Herrmann-Zeller-Platz saniert und die Rundsporthalle aufgewertet. An den Remsterrassen können Besucher in den Fluss waten. Waiblingen greift deutlich tiefer in die Tasche als Remseck: 5,4 Millionen kosten die Projekte.

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