Der alte Fachklassentrakt sollte längst abgerissen sein, aber er wird noch immer von den drei Innenstadtgymnasien genutzt. Foto: factum/Granville

Der alte Fachklassentrakt am Innenstadtcampus ist mit Schadstoffen belastet. Nun prüft das Ludwigsburger Hochbauamt, ob sich eine Teilsanierung des Hauses lohnt. Die Verwaltung will die Eltern umfassend über Risiken und Gegenmaßnahmen informieren.

Ludwigsburg - Die Experten bekommen die Probleme mit dem alten Fachklassentrakt auf dem Ludwigsburger Innenstadtcampus nicht in den Griff. Nachdem bei Untersuchungen zum Jahresende 2016 erhöhte PCB-Werte in der Raumluft gemessen worden waren, hatte der städtische Fachbereich Bildung und Familie Gegenmaßnahmen beschlossen. Doch nicht alle zeitigten den gewünschten Erfolg. An diesem Dienstag lädt die Stadtverwaltung alle Eltern und Betroffenen um 19 Uhr zu einer Informationsveranstaltung in das Kulturzentrum ein.

Giftige Luft im Biosaal

Um die Luftqualität in den Fachräumen im sogenannten Betonbau zu verbessern, werden seit Februar jeden Morgen vor Unterrichtsbeginn alle Fenster für mindestens eine halbe Stunde geöffnet. Außerdem ist eine Spezialpumpe eines Schweizer Herstellers installiert worden, die gezielt die Schadstoffe aus der Luft absaugen sollte. „Man muss sich das Gerät wie eine mobile Klimaanlage vorstellen“, sagt Daniel Wittmann, der Leiter der Abteilung Schule im Fachbereich Schule und Bildung. Doch der Erfolg blieb aus: „Das Spezialgerät hat eigentlich keine signifikante Verbesserung der Luft bewirkt“, sagt Wittmann.

Darum sind nun wieder die Experten des städtischen Hochbauamts am Zug. Sie untersuchen, ob eine Teilsanierung die Belastung verringern könnte. Experten einer unabhängigen Firma haben die Schadstoffe gemessen. Und sie vermuten, dass die toxischen Polychlorierten Biphenyle (PCB) vor allem aus den Fugen ausdünsten. In den Siebziger Jahren waren diese Stoffe Bestandteil von Isolierungsmaterialien. Dass sie gesundheitsgefährdend sind, wurde erst später festgestellt.

Im Fall des Fachklassentrakts liegen die gemessenen Werte bei 701 Nanogramm PCB in einem Kubikmeter Luft, der sogenannte Vorsorgewert von 300 Nanogramm ist damit überschritten. Als gesundheitsgefährdend gilt nach Aussage des Gesundheitsamtes jedoch erst eine Konzentration von 3000 Nanogramm PCB. Doch auch so gebe es Handlungsbedarf, sagte die Fachbereichsleiterin Renate Schmetz Anfang April: „Wir müssen auf jeden Fall versuchen, die Luftqualität zu verbessen.“ Zurzeit prüften Mitarbeiter des Hochbauamts die Erfolgschancen einer Sanierung der kritischen Dehnungsfugen, sagt Wittmann.

Unverzichtbares Schulhaus

Allerdings habe das PCB die fatale Neigung, sich auch in anderen Materialien einzunisten. Selbst wenn es also ursprünglich aus den Fugen unter einem Fenstersims ausdünstete, könnte es inzwischen auch in den Bodenbelägen enthalten sein. Sobald die Analysen abgeschlossen seien, gehe es darum, die Erfolgsaussichten und die Kosten gegeneinander abzuwägen, sagt Wittmann. Ursprünglich sollte der alte Fachklassentrakt mit der Eröffnung des neuen nebenan abgerissen werden. Doch wegen der großen Nachfrage und reger Sanierungstätigkeit an den Ludwigsburger Gymnasien kann auf das Gebäude noch immer nicht verzichtet werden.

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