Selten sind die Schlossplatzbrunnen so spät abgestellt worden, wie in diesem Jahr – während vor dem Königsbau schon der Weihnachtsbaum geschmückt wird. Foto: Jürgen Brand

Die Schlossplatzbrunnen sind erst diese Woche abgestellt worden. Der Grund: die lange Einkaufsnacht.

Stuttgart - Schlossplatz Anfang der Woche: Auf der einen Seite mühen sich Arbeiter damit ab, die Eisbahn zu montieren; ein paar Meter weiter steht vor dem Königsbau der riesige Weihnachtsbaum und wird mit Hilfe von hoch ausgefahrenen Arbeitsbühnen mit Lichterketten versehen; und mitten auf dem Platz plätschern die großen Schlossplatzspringbrunnen fröhlich vor sich hin – und das Mitte November, wenn die Brunnen wegen der Frostgefahr eigentlich längst im Winterschlaf sein sollten.

So mancher Passant freute sich über die spätherbstlichen Wasserspiele, waren gerade die beiden einst zu Ehren Wilhelms I. von Württemberg aufgestellten Brunnen in den vergangenen Jahren doch wiederholt wegen Reparaturarbeiten eingehaust und öfter schmerzlich vermisst worden. Andere fragten sich, ob die Stuttgarter Brunnen jetzt wegen des Klimawandels länger als früher liefen. Dem ist aber nicht so.

Im Oktober meistens noch kein Frost

Die längere Laufzeit der Schlossplatzbrunnen hat schlicht wirtschaftsfördernde Stadtmarketing-Gründe. Für die beiden exponierten Brunnen auf dem bei Touristen beliebten Schlossplatz ist das Land zuständig. Dort, genauer gesagt beim im Neuen Schloss ansässigen Finanzministerium, war vor einigen Jahren die städtische Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart mit einer Bitte vorstellig geworden: Ob denn die beiden Brunnen nicht bis zur langen Einkaufsnacht laufen könnten. „Diesem Wunsch hat der Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg entsprochen“, schreibt eine Sprecherin des Ministeriums auf Anfrage, „da die Witterung im Oktober dies meist zulässt“. Die lange Einkaufsnacht war in diesem Jahr am 26. Oktober, das Land hat den Schlossplatzbesuchern heuer also noch einmal zwei Wochen Brunnen-Zugabe gegönnt. Jetzt hat es sich aber tatsächlich für dieses Jahr ausgeplätschert – im Laufe des Dienstags wurden die Brunnen abgestellt.

Sie waren die mit Abstand am längsten laufenden Wasserspiele im Stadtgebiet, die mit ganz normalem Leitungswasser gespeist werden. In der Landeshauptstadt gibt es rund 250 Brunnen, aus 15 davon sprudelt Mineralwasser, das nicht so schnell einfriert, sie dürfen das ganze Jahr über laufen. Die anderen städtischen Brunnen sorgen in etwa in der Zeit von April bis Oktober für einen schönen Anblick, Abkühlung und für Erfrischung und sind Mitte November längst abgestellt.

Noch keine Pläne für längere Laufzeiten

Für die städtischen Brunnen ist die Bauabteilung des Tiefbauamts zuständig. Deren Mitarbeiter sind im Herbst rund vier Wochen damit beschäftigt, die Brunnen – beginnend in den Außenbezirken – abzustellen. Bis im April dann wieder alle laufen, dauert es ebenfalls wieder vier Wochen, dann wird in der Stadtmitte begonnen. Das bedeutet, dass manche Brunnen im Stadtzentrum bis zu acht Wochen länger in Betrieb sind als manche in den Außenbezirken.

Über längere Laufzeiten, die mit der zunehmenden Klimaerwärmung vielleicht einmal ein Thema werden könnten, wird bei der Stadt derzeit nicht nachgedacht. „Bisher sehen wir den Bedarf nicht“, sagt der zuständige Abteilungsleiter Jürgen Mutz. Und: Längere Betriebszeiten kosten auch mehr Geld, dann müsste der Gemeinderat ein höheres Budget für die Brunnen bereitstellen. Immerhin sieht das Klimaschutzpaket der Stadt für die kommenden vier Jahre aber den Bau von 20 weiteren Trinkwasserspendern und von acht Wasserspielen vor.

Auch das Land investiert in seine Stuttgarter Brunnen, allerdings aus anderen Gründen. Beim ersten der beiden Schlossplatzbrunnen stehen schon in wenigen Wochen Wartungsarbeiten an, der zweite ist laut Finanzministerium dann im Frühjahr an der Reihe.

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