Vor zwei Jahren ist die Auffahrt vom Bahnhof zur Vogelsangbrücke auf eine Spur verengt worden. Seit Montag nun ist sie komplett dicht. Foto: Ines Rudel

Verkehrsteilnehmer müssen sich ab sofort in Esslingen auf gesperrte Spuren und Staus im Stadtgebiet einstellen. Wir sagen, wo.

Esslingen - Den morgendlichen Berufsverkehr am Montag haben die Verantwortlichen noch abgewartet. Dann haben in Esslingen die vorbereitenden Arbeiten für die anstehende Sanierung der Vogelsangbrücke begonnen. Jetzt wird es also ernst. Noch ist vollkommen offen, ob es wegen der voraussichtlich bis Ende 2020 dauernden Teilsperrungen der Brücke zum befürchteten Verkehrschaos kommt – oder ob das von der Verwaltung geschnürte Mobilitätspaket einen Beitrag dazu leisten kann, dass die unvermeidlichen Behinderungen nicht zu dramatische Folgen haben.

Welche Sperrungen sind geplant?

Um eine mehrmonatige Vollsperrung zu vermeiden, wird es bei der Sanierung der Vogelsangbrücke drei Bauphasen geben. Bereits am Montag ist die Rampe für den vom Bahnhof kommenden Verkehr hinauf zur Vogelsangbrücke gesperrt worden. Zudem wird es in der ersten Bauphase stadtauswärts nur eine Fahrspur geben, die darüber hinaus für Fahrzeuge mit einer Breite von mehr als 2,30 Meter gesperrt ist. Damit soll der Autoverkehr flüssiger laufen. Ausgenommen von diesem Durchfahrtsverbot sind Linienbusse. Sie dürfen die Brücke befahren. Fußgänger können in der ersten Bauphase nur den östlichen Gehweg benutzen. Rettungswagen sollen das Gebiet meiden und auf andere Neckarbrücken ausweichen, um nicht im Stau zu stehen.

Wie wird der Verkehr umgeleitet?

Die breiteren Fahrzeuge werden in der ersten Bauphase, die voraussichtlich bis zum November 2019 dauern soll, über die Adenauer- und die Hanns-Martin-Schleyerbrücke umgeleitet. Damit der Verkehr rund um die Vogelsangbrücke einigermaßen im Fluss bleibt, hat die Stadt auch die Signalzeiten der Ampeln an der Maille-Kreuzung, in der Ulmer Straße und im Bereich der Vogelsangbrücke verändert. Dabei sollen vor allem die Hauptverkehrsströme berücksichtigt und bevorzugt werden. Auf der Brücke selber soll es zu keinen längeren Staus kommen.

Besondere Herausforderung

Betroffen von der Brückensanierung ist nicht nur der Auto-, Bus- und Lastwagenverkehr. Gleich zu Beginn der Sanierung müssen auch die unter der Brücke verlaufenden Bahngleise der Neckartalstrecke geschützt werden. Dazu müssen Schutz- und Tragegerüste im Gleisbereich montiert werden. Das kann nur unter Vollsperrung der Bahnstrecke geschehen. Diese Arbeiten sollen vom 12. April bis zum 12. Mai in der Regel zwischen 23 Uhr und 5 Uhr morgens durchgeführt werden. Diese Sperrungen werden also auch Auswirkungen auf den S-Bahn-Verkehr haben. Bereits in dieser Woche werden die benötigten Teile angeliefert und unter den Brückenzufahrtsrampen vormontiert.

Ist die Sanierung überhaupt nötig?

Die in den 1960-er Jahren gebauten Schleyer-, Adenauer- und Vogelsangbrücke sind durch eindringende Feuchtigkeit und Salz schwer beschädigt. Vor allem der damals verbaute Stahl rostet teilweise erheblich. Deshalb müssen mittelfristig alle drei Brücken durch Neubauten ersetzt werden. Weil die Stadt die Chance hat, dass sich das Land an den Kosten im dreistelligen Millionenbereich beteiligt, der Zeitkorridor für Förderanträge aber ausgesprochen eng war, haben Verwaltung und Gemeinderat beschlossenen, zunächst die Vogelsangbrücke so sanieren zu lassen, dass sie weitere 20 bis 25 Jahre stehen bleiben kann. 2021 soll dann mit dem Neubau der Schleyerbrücke begonnen werden. Dann wird sich das Verkehrsaufkommen auf der Vogelsangbrücke noch einmal deutlich erhöhen.

Was geschieht konkret?

Bis Ende 2020 wird die 1973 eingeweihte Brücke abschnittsweise wieder in ihren Rohbauzustand zurückversetzt. Dann wird zunächst der schadhafte Beton ausgebessert. und die Brücke durch zusätzlichen Stahlbeton, den Umbau einiger Brückenpfeiler und – lager und durch Kohlefaserlamellen verstärkt. Schließlich werden alle Abdichtungen, Fahrbahnbeläge, Gehwege, sowie die Gas- und Wasserleitungen der Stadtwerke Esslingen komplett erneuert. Damit in Zukunft nicht aufwändige Bohrungen notwendig sind, um den Zustand der Brücke beurteilen zu können, wird ein Überwachungssystem installiert, mit dessen Hilfe der Brückenzustand mittels Ferndiagnose kontrolliert werden kann.

Was kostet die Sanierung

Die Kosten sind in den vergangenen Monaten wie überall in der Baubranche geradezu explodiert. War die Stadt ursprünglich von Gesamtkosten in Höhe von rund 13 Millionen Euro ausgegangen, so rechnet man nun mit einer Summe in Höhe von 19,4 Millionen Euro. Darin enthalten ist zwar auch ein Risikopuffer, weil sich die tatsächlichen Kosten erst dann ermitteln lassen, wenn die Brücke in ihren Rohbauzustand versetzt worden ist. Aber ob das veranschlagte Geld reichen wird, ist offen. Basierend auf den ursprünglichen Daten hatte die Stadt einen 50-Prozent-Zuschuss beim Land beantragt. Im Dezember hat das zuständige Ministerium mitgeteilt, dass man sich mit 5,9 Millionen Euro an den Sanierungskosten der Vogelsangbrücke beteiligen werde. Aktuell führt der Esslinger Finanzbürgermeister Ingo Rust Verhandlungen mit Stuttgart, ob das Land bereit ist, sich an den gestiegenen Baukosten zu beteiligen.

Was ist mit der Pliensaubrücke

Auch die aus dem 13. Jahrhundert stammenden Pliensaubrücke, die vor allem als Fußgänger- und Fahrradbrücke genutzt wird, muss saniert werden. Bis Ende 2019 sollen die Arbeiten, die rund drei Millionen Euro kosten sollen, abgeschlossen sein. Während der gesamten Bauphase können Radfahrer und Fußgänger die Brücke nutzen. Allerdings muss die Bundesstraße 10 in Fahrtrichtung Göppingen wegen Betoninstandsetzungsarbeiten am Ende der Pfingstferien vom 21. bis 23. Juni drei Tage lang gesperrt werden. Die Bauarbeiten hier haben ebenfalls am Montag begonnen.

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