Symbolische Scheckübergabe (v.li.): Caritas-Bereichsleiter Harald Wohlmann, Michael Fischer und Christoph Halbig (beide Lionsclub Stuttgart-Fontana). Foto: Lichtgut/ Piechowski

Zwei Stuttgarter Lionsclubs spenden Zeitungen im Wert von 1500 Euro an die Caritas – unser Verlag hat die Summe in Form von Gutscheinen verdoppelt. Für Harald Wohlmann von der Caritas ist die Zeitungsspende in Zeiten der Coronakrise ein Segen.

Stuttgart - Welchen Wert manche Dinge haben, merken viele Menschen erst im Verzicht. Dann, wenn die Alltagsbegleiter fehlen. So vermisst Otto Karl Hartmann die tägliche Lektüre seiner Tageszeitung. Hartmann, der Gast der Vesperkirche ist und im Chor „rahmenlos und frei“ mitsingt, bekommt seine Zeitung nicht wie viele andere in den Briefkasten. Er liest beide Stuttgarter Blätter normalerweise in einer öffentlichen Einrichtung wie der Stadtbibliothek oder dem Treffpunkt Rotebühlplatz.

„Es ist echt schade, dass ich nun in der Coronakrise keine Zeitung mehr lesen kann“, sagt er und weiß: So wie ihm geht es vielen armen Menschen. Sie sind treue Zeitungsleser und schätzen das haptische Erlebnis Papier, obwohl sie sich kein Abonnement leisten können.

Überwältigende Flut an Hilfsangeboten

Auch bei der Stadt Stuttgart beschäftigte man sich bereits mit dieser Problematik. Just in dieser Situation sei es umso wichtiger, an seriöse Informationen zu kommen. Allein die zündende Idee fehlte der Verwaltung bislang. Doch damit wollte sich Christoph Halbig nicht zufriedengeben. Der Vorstand des Lionclubs Stuttgart-Fontana überlegte nicht lange, bis ihm klar war: „Wir spenden Zeitungen im Wert von 1000 Euro.“ Wie Halbig dachten im Übrigen viele Leser, nachdem sie in ihrer Zeitung über den harten Verzicht auf die Tageszeitung von Otto Karl Hartmann gelesen hatten. Zahlreiche Leser meldeten sich spontan, um Hartmann oder anderen in der Coronazeit zu helfen.

Diese überwältigende Flut der Hilfsangebote blieb im Verlag der Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten nicht ohne Echo. Nach kurzer Rücksprache mit der Chefetage konnte Marketing-Managerin Anna Schnelzer melden: „Wir verdoppeln die Summe der Zeitungsspenden.“ Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Denn Lionsclub-Präsident Michael hat auf die Schnelle weitere 500 Euro vom befreundeten Lionsclub Schlossgarten zu seinen 1000 Euro dazubekommen. „Und das ist wahrscheinlich noch nicht das Ende der Fahnenstange“, sagt Fischer bei der symbolischen Scheckübergabe vor der Caritas-Tagesstätte in der Olgastraße. Fischer und sein Club-Kollege Halbig hoffen, dass alle 17 Lionsclubs in Stuttgart am Ende dabei sein werden.

Gutscheine werden sehr geschätzt

Die bisherigen 3000 Euro werden nun in Gutscheine umgewandelt und in den Caritas-Stätten wie dem Carlo-Steeb-Haus, Olga 46 und den Frauenhäusern verteilt. Für Harald Wohlmann von der Caritas ist nicht nur die Zeitungsspende an sich, sondern auch die Ummünzung in Gutscheine ein Segen: „Damit können die Leute selbst entscheiden, wann und wo sie eine Zeitung per Gutschein erwerben. Das gibt diesen Menschen eine Form der Selbstbestimmung zurück.“ Wie wichtig die Tageszeitung sei, sah er vor der Coronakrise fast täglich: „Der Packen Zeitung, der von der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten schon vor dieser Aktion gespendet worden ist, war ruckzuck weg.“ Das Bedürfnis seiner Gäste nach seriösen Informationen über den VfB Stuttgart oder die Lokalpolitik sei enorm: „Nach der Lektüre wird hier in der Tagesstätte oft heiß diskutiert und politisiert.“

Für die beiden Stifter vom Lionsclub, Fischer und Halbig, sind diese Nachrichten wie Musik in den Ohren. „In unserer Satzung steht das Motto we serve, wir dienen“, erklärt Halbig, „ich glaube, diesen Leitgedanken haben wir in dieser Aktion gut sehr umgesetzt.“

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