Grand ouvert oder Null? Beim Skatclub Krauthofbuben in Ludwigsburg werden an einem Abend 48 Partien gespielt. Mit voller Konzentration. Foto: factum/Granville

Skatspieler leben in einer ganz eigenen Welt. Wenn sie erst einmal loslegen mit dem Spielen, ist höchste Konzentration angesagt. Und gestritten wird dann auch mal.

Ludwigsburg - Es ist Dienstagabend, 19 Uhr. Vier quadratisch zusammengestellte Tischblöcke stehen in dem fensterlosen Raum im Untergeschoss des Hotels Krauthof in Ludwigsburg. Die Bedienung kommt und nimmt die letzten Bestellungen entgegen, dann geht’s los. „Gut Blatt“, sagt Monika Kuhnigk, und klopft auf den Tisch. Seit 16 Jahren spielt die 56-Jährige Skat im Ludwigsburger Skatclub Krauthofbuben und verpasst fast nie einen Spieleabend. Zu viert sitzen sie dann jeweils an einem Tisch, einer davon hat den Spielzettel vor sich und schreibt mit.

„Jeder Sitzplatz wird genau festgelegt, da gibt’s nix“, sagt Monika Kuhnigk. Unendlich viele Regeln gebe es beim Skat, und das mag vielleicht auch erklären, weshalb es bei diesem Kartenspiel weder lustig, noch besonders locker zugeht. „Beim Skat muss man sich voll konzentrieren, da wird nicht viel geredet“, sagt Wolfgang Fensch. Ähnlich schweigsam verläuft wohl nur eine Schachpartie, auch wenn sich das Schachspiel vor allem hinsichtlich der Spielgeschwindigkeit erheblich vom Skat unterscheidet. Schaut man als Laie den Spielern zu, kann einem leicht schwindlig werden, so schnell ist ein einzelnes Spiel vorbei.

Etwa zweieinhalb Minuten dauert eine einzelne Partie, an einem Abend werden zwei Serien je 48 Spiele geklopft. Das dauert dann mehr oder weniger exakt vier Stunden – als Skatler braucht man einen verständnisvollen Partner, der ein solch aufwendiges Hobby mitträgt. „Oft unterhalten wir uns nach dem Spielen noch über Spielzüge und Kombinationen“, erzählt Monika Kunigk. Tatsächlich legt sie an diesem Abend vor dem offiziellen Beginn eine Kartenkombination auf den Tisch und fragt ihren Vereinskollegen Uwe Jabs, wie er an ihrer Stelle gespielt hätte.

Es gibt Millionen von Konstellationen

„Beim Skat gibt es Millionen von Konstellationen, jedes Spiel ist komplett anders“, sagt sie. Teilweise könne sie die Kombinationen von ganzen Serien noch exakt nachlegen. Das bestätigt auch Uwe Jabs. Eine „Inselbegabung“ nennt er das, und lacht. Genau dies sei aber auch das Problem, wenn es darum gehe, Nachwuchs für die Skatszene zu generieren.

Vielen sei der Einstieg zu kompliziert. „Mit logischem Denken und Mathematik lockt man keinen mehr“, sagt Jabs. Und noch ein weiterer Grund sorgt nach Ansicht der Vereinsmitglieder dafür, dass immer weniger Menschen zu einem „persönlichen“ Skatabend kommen: das Internet. „Ich vermute stark, dass sich viele nach der Arbeit zuhause an ihren Rechner setzen und Skat im Internet spielen. Das Netz hat das Spiel kaputt gemacht“, sagt Herbert Binder, der Pressereferent des Skatverbands Baden-Württemberg.

Seit vielen Jahren buhle der Verband um Nachwuchs, bislang mit wenig Erfolg. Mittlerweile liege der Altersschnitt bei 50 bis 60 Jahren, die Vereinsmitglieder seien zur Hälfte Rentner. Von den 40 000 Vereinsmitgliedern in ganz Deutschland vor 15 Jahren seien heute nur noch etwa 20 000 übrig.

Der Altersschnitt liegt bei 50 bis 60 Jahren

Klar stecke Aufwand dahinter, das weiß auch Herbert Binder: „Die Meisterschaften finden ja über ganz Deutschland verteilt statt.“ Dennoch lohne sich die Mühe, immerhin könne man sich austauschen und oft mit Siegen in der Tasche nach Hause fahren. „Mit zwei Mannschaften waren wir sogar zwei Mal in der Bundesliga vertreten“, berichtet Uwe Jabs.

Zudem seien die Krauthofbuben landesweit der erste Verein gewesen, der sich mit vier Mannschaften für die baden-württembergischen Meisterschaften qualifiziert habe. Andererseits ist es schon auch eine ganz eigene Welt unter den Skatspielern. Dass eigentlich jeder Skatler eine ganz spezielle Macke hat, geben sie ganz unumwunden zu. „Wenn jemand meine Karten mischt, kann ich das gar nicht brauchen, das macht mich ganz verrückt“, sagt etwa Monika Kuhnigk. Viele Skatspieler seien abergläubisch und hätten ihre Marotten.

„Manche machen absichtlich Eselsohren in die Karten, damit ein neues Spielpäckchen aufgemacht wird. Manche laufen vor einer Serie um den Tisch, oder manche tragen zu jedem Spieleabend dasselbe T-Shirt“, wissen auch ihre Vereinskollegen. Und auch wenn nicht viel geredet wird an einem Spieleabend: ein bisschen gezankt wird bisweilen schon während einer Serie. „Du hast falsch geworfen, das kann gar nicht sein“, hört man aus einer Ecke – bevor man sich friedlich wieder nach oben auf den Weg zum Sonnenlicht macht.

Skatspieler haben ihre Marotten

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