Auch im kleinen Bädle im Leonberger Stadtteil Höfingen können sich Kinder ganz groß amüsieren. Foto: factum/Bach

Der Bädle-Verein in Leonberg-Höfingen ist im Jahr 2003 gegründet worden, weil die Stadt das kleine Areal aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben hat. Inzwischen hat die Mitgliederzahl die 4000er-Grenze überschritten.

Leonberg - Dass aus etwas Schlechtem etwas Gutes erwachsen kann, zeigt der Höfinger Bädle-Verein. Es war im Jahr 2002, als sich bei den Haushaltsberatungen herausstellte, dass die Stadt Leonberg das kleine Bad im Ortsteil Höfingen nicht weiter betreiben konnte. Die damalige Höfinger Ortschaftsrätin Karin Schuster-Streicher schlug vor, den Bürgern verbindliche Optionen auf Dauerkarten für das Bädle anzubieten, um der Stadt bestimmte Einnahmen zu signalisieren. Doch die Stadtoberen senkten damals den Daumen.

Die Rettung des Bädles war die Gründung eines Trägervereins, der das rund 8200 Quadratmeter große Areal mit seinen zwei Becken und einer Liegewiese weiterbetreiben wollte. „Es herrschte damals eine Stimmung zwischen ,Jetzt erst recht‘ und ,Mal schauen, was geht‘“, weiß der Erste Vorsitzende Werner Steiner noch gut. Aus jeder Gemeinderatsfraktion sei mindestens ein Mitglied bei der Gründung dabei gewesen.

Mammutaufgabe Mitgliederverwaltung

Die Stadt brachte im Bädle die grundlegendsten technischen Anlagen auf Vordermann, der ehemalige Leiter der Bäderbetriebe in Leonberg brachte den Vorstandsmitgliedern die wichtigsten Dinge bei. An Pfingsten 2003 öffnete das Bädle unter neuer Leitung seine Pforten. „Innerhalb von wenigen Wochen hatten wir rund 1500 Mitglieder“, erzählt Steiner. Der Vorstand sei damals „in Arbeit ersoffen“. Man habe Spielgeräte, Zäune, den Kiosk und Wege erneuern müssen.

Auch heute noch sind Instandhaltung, Finanzierung und Mitgliederverwaltung die wichtigsten Aufgaben. Die Mitgliederzahlen haben sich sehr erfreulich entwickelt, inzwischen ist die 4000er-Marke geknackt. „Das ist neuer Rekord“, sagt der Zweite Vorsitzende Hans-Otto Wimmer. Die Leonberger stellen mit 60 Prozent zwar den Löwenanteil, aber auch aus Ditzingen, Rutesheim, Hirschlanden-Schöckingen und Stuttgart-Weilimdorf strömen Besucher ins Bädle.

Der Verein braucht mindestes 100 000 Euro pro Jahr

Zwischen Pfingsten und dem Ende der Sommerferien ist das Bädle täglich zwischen 6.30 Uhr und Sonnenuntergang geöffnet. An Spitzentagen suchen rund 1000 Besucher Erfrischung im kühlen Nass, pro Saison hat der Vorstand je nach Wetter zwischen 16 000 und 22 000 Menschen gezählt. „Zu Saisonbeginn ist das Wasser mit rund 18 Grad sehr frisch, an heißen Tagen heizt es sich dann aber bis auf 26 Grad auf“, sagt Werner Steiner.

Rund 100 000 Euro investiert der Verein jährlich ins Bädle, den Löwenanteil verschlingen die Posten elektrische Energie, Wasser und Personal. Der Rest geht für Sanierungen drauf. „In den vergangenen zwei Jahren haben wir aus Rücklagen 600 000 Euro in die Renovierung von Becken, Pumpen, Wegen und Spielmaterial gesteckt“, erzählt Steiner. Die Stadt Leonberg zahlt pro Jahr einen Zuschuss von rund 15 Prozent gemäß den Vereinsförderrichtlinien.

Die meisten Besucher würden am Bädle schätzen, dass es beschaulicher und übersichtlicher sei als das große Leobad, sagt der Erste Vorsitzende. Auch die große Liegefläche und das Beachvolleyballfeld seien Vorzüge. „Und wegen unseres Spielgerätes sind schon Familien bei uns Mitglied geworden, weil die Kinder sozialen Druck auf ihre Eltern ausgeübt haben, wenn in der Schule Klassenkameraden davon geschwärmt haben“, so Steiner. Die schwärzeste Episode der Vereinsgeschichte sei gewesen, als Chaoten vor rund zehn Jahren nachts über die Zäune geklettert seien und anschließend Tische, Stühle und Sonnenschirme ins Becken geworfen hätten. „Die Täter hat man nie gefasst.“

Unbürokratisch kommt gut an

Zu den jährlichen Höhepunkten gehört die Sonnenwendfeier. Das Fest findet stets am ersten Freitag nach dem Sommerbeginn statt. „Bei unserer ersten Veranstaltung waren 30 Leute da, inzwischen sind wir bei 1500“, erzählt Schriftführer Ralf Janetschek. Auch bei der „School is out“-Party am letzten Schultag seien regelmäßig mehrere hundert Kinder im Bädle. Zudem gebe es Events wie Mondscheinschwimmen bei leiser Musik oder Übernachtungen im Zelt. „Bei uns kann jedes Mitglied Ideen einbringen“, sagt Werner Steiner.

Unbürokratisch ist der Verein im Übrigen auch: Als ein Zirkus vor einigen Jahren sein Zelt direkt hinter dem Bädle aufbaute und fragte, ob er die dortigen Stromanschlüsse nutzen dürfe, verzichtete der Verein auf eine Abrechnung. Dafür gab es Gratis-Eintrittskarten für die Kinder.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: